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Das Lüneburger Klärwerk in der Bockelmannstraße hat im vergangenen Jahr rund 9,2 Millionen Kubikmeter Abwasser aus der Stadt und den angeschlossenen Nachbarkommunen, von Adendorf bis Gellersen, verarbeitet. Foto: t&w
Das Lüneburger Klärwerk in der Bockelmannstraße hat im vergangenen Jahr rund 9,2 Millionen Kubikmeter Abwasser aus der Stadt und den angeschlossenen Nachbarkommunen, von Adendorf bis Gellersen, verarbeitet. Foto: t&w

Lüneburgern stinkt Abwasser

Von Dennis Thomas

Reppenstedt/Lüneburg. Je nach Temperatur und Wetterlage ist das alles andere als ein feines Bouquet, das den Anwohnern des Lüneburger Stadtteils Weststadt regelmäßig um die Nase weht. Die üblen Ausdünstungen aus dem Untergrund in der Wilhelm-Hillmer-Straße haben ihren Ursprung in der benachbarten Samtgemeinde Gellersen. Die leitet, wie andere Nachbarkommunen auch, ihr Abwasser in die Stadt Lüneburg zum zentralen Klärwerk. Gestunken hat es in den vergangenen Jahren immer wieder mal am sogenannten Übergabepunkt in Jüttkenmoor. Doch mittlerweile trete der Gestank so oft und penetrant auf, dass sich die Samtgemeinde nun zu Sofortmaßnahmen gezwungen sieht.

40000 Euro für außerplanmäßige Ausgaben hat der Gellerser Samtgemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung beschlossen, um dem Problem kurzfristig beizukommen. Zunächst sollen in den Übergabeschächten im Bereich der Wohnbebauung Biofilter eingebaut werden, um die Geruchsbelästigung einzudämmen, sagte auf LZ-Nachfrage Gellersens Bauamtsleiterin Susanne Stille. Bei der Ratssitzung monierten die Ratsherren Eckhard Dittmer und Klaus Hövermann (beide CDU), dass die Verwaltung den Rat nicht schon Wochen vorher zur Bauausschuss-Sitzung über die Lage informiert habe. Dazu Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers: „Vorher war das noch nicht so akut.“

Im vergangenen Jahr hat die Samtgemeinde Gellersen rund 600000 Kubikmeter Schmutzwasser in die Stadt weitergeleitet. Dabei werden die Abwässer der Gellerser Dörfer durch Pumpstationen über das unterirdische Leitungsnetz zunächst beim Hauptpumpwerk in Reppenstedt zusammengeführt und von dort aus per Druck-, und auf der letzten Strecke per Freigefälleleitung zum Übergabepunkt in Jüttkenmoor in das städtische Abwassernetz geschickt.

Stille nennt eine mögliche Ursache für die Geruchsentwicklung: „Die Leute sparen immer mehr Wasser. Dadurch werden die Leitungen nicht mehr so gut durchgespült und das Abwasser bleibt länger in den Leitungen.“ Es entsteht Schwefelwasserstoff, der zu den üblen Ausdünstungen an Pumpstationen und Übergabeschächten führt. Bisherige Gegenmaßnahmen mit der Zuführung von Eisen-II-Sulfat hätten nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. An einer Neudosierung werde gearbeitet.

Die 40000 Euro für Sofortmaßnahmen werden wohl nur der Anfang eines größeren Paketes sein, sagte Röttgers bei der Ratssitzung. Er sprach von mehreren Hunderttausend Euro, die in den kommenden Jahren in das Gellerser Kanalnetz investiert werden müssten. Und das dürfte sich dann in absehbarer Zeit auch auf die Abwassergebühren in der Samtgemeinde auswirken. Bis Ende 2015 galt in Gellersen eine Abwassergebühr von 1,57 Euro pro Kubikmeter Frischwasser. Seit Beginn dieses Jahres zahlen Bürger einen Satz von 1,83 Euro. Das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein. Im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis ist das jedoch noch relativ günstig, da sich die Gellerser zumindest kein eigenes Klärwerk leisten müssen.

2 Kommentare

  1. Normalerweise „stinkt“ Abwasser kaum, nämlich dann, wenn die Bakterien ungestört und in ausreichend großer Zahl ihre Arbeit machen können – sich also von unseren Hinterlassenschaften ernähren können und dadurch das Wasser reinigen, welches unsere Schmutzstoffe zur Kläranlage transportiert. Wir machen ihnen, den Bakterien, das Leben sehr schwer, wenn wir unsere Toiletten und Waschbecken als „Mülltonne“ für flüssige Abwasser benutzen: Essensreste, Öl aus Pfanne und Bräter, Kaffeesatz und Teerblätter, Papiertaschentücher, chemische Abfälle wie Farbreste (!) und als Highlight sog. feuchtes WC-Papier (welches natürlich im Klärprozess nicht abgebaut werden kann, eben weil es entsprechend behandelt ist, sonst würde es ja schon in der Packung verrotten). Die Folgen unseres Handelns: mehr Ablagerungen in den Rohren, mehr Ratten, die sich vorzüglich von den Essensresten ernähren, mehr Feststoffe in der Kläranlage, welche teuer entsorgt werden müssen, verminderter bzw. veränderter Bakterienbesatz, so dass nicht biologisch verarbeitet wird (weitgehend geruchslos), sondern Fäulnis mit Gasentwicklung (stinkt) entsteht. Die Natur reagiert eben jeweils auf unser Handeln. Also erstmal Verhaltensänderung, bevor Politik und Verwaltung verantwortlich gemacht werden, wenn es stinkt. Wem eine Kläranlage zu abstrakt ist: Im eigenen Darm ist es ähnlich: Je nachdem, wie und was man isst, überwiegen im Darm mehr „schlechte“ Bakterien = Gestank und Blähungen oder mehr „gute“ Bakterien = geruchslose und geräuscharme Verdauung.

    • Das Abwasser stinkt nur wenn es nicht genug Sauerstoff für die Bakterien bekommt, auch anaerober Bereich genannt. Es entsteht bei der Klärung Methan und Schwefelwasserstoff (das stinkt beides), die dann von sauerstoffehrenden Bakterien zu CO2 und Wasser verarbeitet werden. Ein weiteres Problem sind die Pumpwerke. Da immer mehr und immer weiter gepumpt wird, um zusätzliche Kläranlagen einzusparen kommt „totes“ Abwasser in die Kläranlage. Die aeroben Bakterien mögen dieses Wasser nicht besonders, deshalb ist die Behandlung schwerer, dauert länger und stinkt auch mehr.