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Güterzüge sind deutlich lauter als Personenzüge. Deshalb wehren sich Anwohner von Bahnstrecken wie in Lüneburg gegen weitere Güterzüge und fordern unter anderem mehr Lärmschutz. Foto: t&w
Güterzüge sind deutlich lauter als Personenzüge. Deshalb wehren sich Anwohner von Bahnstrecken wie in Lüneburg gegen weitere Güterzüge und fordern unter anderem mehr Lärmschutz. Foto: t&w

Initiative fordert mehr Lärmschutz

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Rund 180 Güterzüge rollen täglich durch Lüneburg, laut Bahn könnten es bald doppelt so viele sein, wenn auch die Schiene von den Wachstumsprognosen für den Güterverkehr profitiert und die Bahn die erhofften Kapazitäten auf ihrem Schienennetz schultern kann. Entsprechende Ausbaupläne wie die Alpha-E-Variante mit dem dritten Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen sollen Entlastung bringen, sorgen aber für Unmut bei Anliegern und der Stadt Lüneburg. Für weiteres Ungemach könnten zudem sogenannte Lang-Züge sorgen.

Kritik am Baugebiet lmenaugarten

Die „Initiative Bahnlärm Ost“, ein Arbeitskreis von Bürgern aus Kaltenmoor, Schäferfeld und Umgebung, hat einen „offenen Brief“ an die Stadt geschrieben. Er beklagt die Zunahme des Bahnlärms und einer damit einhergehenden Beeinträchtigung an Lebensqualität und Gesundheit der Anwohner im Osten der Stadt. „Während noch vor 20 Jahren viele der Betroffenen, die Hunderte oder gar Tausende Meter von den Gleisen entfernt wohnten, überhaupt nicht ahnten, dass sie sich in Bahnnähe befinden, ist dies heute völlig anders“, sagt Dr. Helmut Müller, Sprecher der Initiative.

Den vermehrten Lärm führen die Anwohner unter anderem auf die neu errichtete Lärmschutzwand und die Riegelbebauung im Neubaugebiet „Ilmenaugarten“ westlich der Bahnlinie zurück. Eine weitere Sorge: Das geplante dritte Gleis und zusätzlicher Güterverkehr könnten die Situation noch verschärfen. „Da man schlecht innerstädtische Wohngebiete an deren Rand verlagern kann, ist es erforderlich, entweder die Bahnlinien an ihnen vorbeizuführen oder über wirksamen Lärmschutz die gesundheitsgefährdende Belastung einzudämmen“, mahnt die Initiative.

Initiative als „wichtiger Partner“

Bei der Stadt läuft sie mit ihren Forderungen offene Türen ein. „Wenn wir in puncto Lärmschutz entlang der Bahnlinie für Lüneburger gerade auch im Osten und Süden der Stadt etwas erreichen wollen, geht das nur über eine frühzeitige und intensive Auseinandersetzung mit den von der DB und dem Land Niedersachsen favorisierten Trassen“, heißt es in der Antwort des Oberbürgermeisters. Die Initiative könne bei diesem Prozess „ein wichtiger Partner sein“.

Mädge macht aber auch deutlich: „Der einzig richtige Lärmschutz ist die Verhinderung der Alpha-E-Trasse durch das Stadtgebiet.“ Deshalb fordert die Stadt den Bau einer Bahntrasse an der A7 ausschließlich für Güterzüge, den Verzicht auf ein viertes Gleis nach Süden und das Einfrieren der Lüneburg passierenden Güterzüge auf den heutigen Stand. Das Ergebnis aus dem Dialogforum Schiene Nord biete auch „keine gesetzliche Grundlage, auf die wir uns berufen können“, weshalb die Stadt ein Raumordnungsverfahren fordert.

Zum Ilmenaugarten sagt Mädge: „Die Bebauung genügt den gesetzlichen Vorgaben.“ Er verweist dabei auf entsprechende Gutachten und den Entscheid des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg. Deren Empfehlungen zur schall-absorbierenden Gestaltung der Lärmschutzwand und der Riegelbebauung seien in die Baugenehmigung aufgenommen worden.

Züge sollen länger werden

Während in der Region noch über Trassenführungen und Ausbauvarianten gestritten wird, richtet die Bahn ihren Blick bereits auf ein neues Thema. Mit sogenannten Lang-Zügen will sie Anschluss halten bei der weiteren Entwicklung des Güterverkehrs. 740 Meter lange Züge sollen helfen, die vorhandenen Netzkapazitäten besser auszuschöpfen und die Wirtschaftlichkeit der Schiene gegenüber der Straße zu verbessern, berichtet der Verband Allianz pro Schiene.

In Deutschland sind die 740-Meter-Züge noch die Ausnahme, nur elf Prozent der Güterzüge sind 700 Meter oder länger. In anderen EU-Staaten wie den Niederlanden oder Frankreich fahren bereits Züge mit einer Länge von einem Kilometer. Dass es in Deutschland nur schleppend vorankommt, liegt laut Verband vor allem an geographischen Hindernissen. Sie machten den Ausbau des Schienennetzes für die Lang-Züge teuer, vor allem in den engen Tälern und Regionen Süddeutschlands.