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Gleich zwei Einschränkungen gibt es am Uferstreifen des Lösegrabens für Bauherren: Es handelt sich um ein Überschwemmungsgebiet. Zudem hat die Stadt jetzt eine zweijährige Veränderungssperre erlassen. Foto: be
Gleich zwei Einschränkungen gibt es am Uferstreifen des Lösegrabens für Bauherren: Es handelt sich um ein Überschwemmungsgebiet. Zudem hat die Stadt jetzt eine zweijährige Veränderungssperre erlassen. Foto: be

Bauprojekte am Lösegraben sind eigentlich verboten, aber…

Von Carlo Eggeling
Lüneburg. Wer auf der Bahnhofseite des Lösegrabens zu Hause ist, lebt mit einem Risiko: Teile des Streifens von Altenbrücker und Lüner Damm gelten als Überschwemmungsgebiet. Im Frühjahr 2014 schrieb die Stadt betroffene Anlieger an und teilte ihnen mit, dass sie bestimmte Dinge auf ihren Grundstücken nicht mehr ohne weiteres verändern dürfen. Auch ein Auszug aus dem Wasserhaushaltsgesetz lag bei. Kernsatz: Eigentlich darf in diesem Areal nicht mehr gebaut werden. Manche Nachbarn rieben sich deshalb verwundert die Augen, als am Bürgergarten das ehemalige CDU-Haus für einen Neubau weichen musste. Sie fragen sich: Wie geht das?

Im Rathaus erklärt Daniel Gritz: „Grundsätzlich darf in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut werden, Ausnahmen davon können aber nach Einzelfallprüfung genehmigt werden.“ Eben das sei bei Bauvorhaben in der Vergangenheit geschehen.

Der Sprecher erklärt das Procedere in Grundzügen: „Eine wasserrechtliche Genehmigung erhält ein Bauherr, wenn er nachweist, dass er hochwasserangepasst baut. Maßstab ist hier ein Jahrhunderthochwasser, also der höchste jemals erreichte Wasserstand in den vergangenen 100 Jahren. Dazu gehört, dass ein Gebäude aufgeständert wird, Garagen durchflutet werden können, Zufahrten und Estrich entsprechend hoch sind oder gegebenenfalls ausreichende Abschottungsmöglichkeiten bestehen. Mit einem Satz: Der Bauherr muss nachweisen, dass er so baut, dass ein Jahrhunderthochwasser dem Gebäude nichts anhaben kann. Dann erhält er eine wasserrechtliche Genehmigung, die ins Baugenehmigungsverfahren einfließt.“

Eben diese Erwägungen spielen für künftige Projekte eine Rolle. Geklärt waren sie für das Projekt am Bürgergarten. Laut Gritz hat die Stadt die wasserrechtliche Genehmigung im Juni 2015 erteilt, die Baugenehmigung erfolgte einen Monat später.

Noch gebaut wird in Höhe der Brücke Lünertorstraße

Noch gebaut wird in Höhe der Brücke Lünertorstraße. Eine Hamburger Investorin lässt einen Block mit Eigentumswohnungen errichten. Der Lüneburger Unternehmer Manfred Schulte koordiniert inzwischen den Ablauf. Er sagt, am 14. Oktober sei dort das Richtfest geplant. Die Stadt sagt: „Auch hier liegt eine wasserrechtliche Genehmigung vor. Hier wurde aufgeständert so hoch gebaut, dass bei Hochwasser kein Schaden entstehen kann. Auch die Tiefgaragenzufahrt liegt höher als der Pegel des letzten Jahrhunderthochwassers.“

Weitere Bauvorhaben liegen in der Warteschleife. Die Stadt hat für das Gebiet bekanntlich eine Veränderungssperre erlassen, will in den kommenden zwei Jahren einen Bebauungsplan aufstellen. So sollen an der Parkstraße neue Gebäude entstehen, dafür sollen die ehemalige Villa des Einzelhandelsverbands und ein Nachbarhaus weichen.

Gritz erklärt: „Hier planen die Bauherren drei Wohnhäuser mit gemeinsamer Tiefgarage. Aber hier gibt es bisher lediglich eine Bauvoranfrage. Diese wurde noch nicht beschieden. Es liegt auch kein Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung vor. Wenn hier die Bauherren bereits Vorbereitungshandlungen durchgeführt haben, geht das auch ohne Baugenehmigung — allerdings auf eigenes finanzielles Risiko.“ Zudem soll am Altenbrücker Damm ein Gebäude für einen Neubau weichen.

Lob für die Stadt

Eine Veränderungssperre hatte die Stadt auch im Bereich Bockelsberg-Ost erlassen, sie trat vergangenes Jahr in Kraft. Maßgeblich angeschoben hatte sie eine Bürgerinitiative um Rolf Johannes, die sich gebildet hatte, nachdem an der Lessingstraße im Roten Feld eine Villa für einen Neubau weichen musste. Die Initiative tritt dafür ein, dass die Stadt bei Neubauten genau hinschaut, ob sie sich in ein Viertel einfügen.

Die Initiative begrüßt das Vorgehen am Lösegraben und lobt Stadtbaurätin Heike Gundermann: „Dieser Schritt der Stadt hin zu einer auch ästhetisch planvolleren Entwicklung ist zu begrüßen. Angesichts der stürmischen und gestalterisch überwiegend anarchischen Bauentwicklung, die wir zur Zeit erleben, bleibt gerade außerhalb der geschützten Innenstadt viel zu tun.“ ca