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Ganze Kanten sind von den Grabsteinen abgeschlagen, die losen Steine bereits in der Werkstatt: Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (l.) und Bodo Gideon Riethmüller von der jüdischen Gemeinde machen sich am Friedhof ein Bild von der Verwüstung.
Ganze Kanten sind von den Grabsteinen abgeschlagen, die losen Steine bereits in der Werkstatt: Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (l.) und Bodo Gideon Riethmüller von der jüdischen Gemeinde machen sich am Friedhof ein Bild von der Verwüstung.

Jüdischer Friedhof Bleckede: Spuren werden bleiben

Bleckede. In spätestens vier Wochen soll die Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs in Bleckede beginnen. „Derzeit warten wir noch darauf, dass das Landesamt für Denkmalpflege die Mittel bereitstellt“, teilte jetzt Bodo Gideon Riethmüller vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen mit. Vor einem halben Jahr hatten Jugendliche an der Begräbnisstätte im Wald elf Grabsteine umgestoßen beziehungsweise zerschlagen und damit einen Schaden in Höhe von 18000 Euro angerichtet. Am Mittwoch konnte Riethmüller einen symbolischen Scheck in Höhe von knapp 4000 Euro am Ort der Verwüstung entgegennehmen.

Um die Wiederherstellung der mehr als 260 Jahre alten Grabstätte zu unterstützen, hatte die Stadt Bleckede gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Juden in Bleckede zu einer Spendenaktion zugunsten der jüdischen Gemeinde aufgerufen. 15 Spender hatten ihre Geldbörsen geöffnet, viele von ihnen waren zur Scheckübergabe auf den Friedhof gekommen und konnten sich dort mit eigenen Augen von der Zerstörungswut der „Vandalen“ überzeugen.

Vandalismusattacke im März

Abgeschlagene Kanten und tiefe Risse in den Platten, umgestürzte Grabsteine: Die Folgen der Verwüstung sind noch immer allgegenwärtig. Ganz verschwinden werden sie wohl nie: „Wir res­taurieren so weit wie möglich, aber die Spuren wird man immer sehen“, sagte Bodo Gideon Riethmüller. Mit Schaudern blickte er auf die Vandalismusattacke im März zurück: „Das schöne Wetter heute verhindert den Eindruck der Zerstörung. Als wir damals hierher kamen, war das Entsetzen groß. Ich verwalte 1212 jüdische Friedhöfe, aber was ich hier gesehen habe, war die Krone“, sagte der Vertreter der jüdischen Gemeinden. „Mein erster Gedanke war: Hier waren Rechte am Werk.“

Auch die Polizei ging zunächst diesem Verdacht nach, zwischenzeitlich ermittelte der polizeiliche Staatsschutz, im April vermeldete die Polizei: Doch keine Neonazis, sondern Jugendliche. Sechs Mädchen und Jungen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren hätten sich einer Lehrerin anvertraut und gestanden. Rechtes Propagandamaterial sei nicht bei ihnen gefunden worden, sie hätten wohl aus Übermut gehandelt.

Prävention in Schulen 

Bodo Gideon Riethmüller hofft, dass in den Schulen künftig noch mehr auf Prävention gesetzt wird. Seinen Vorschlag, dass Bleckeder Schüler einmal im Jahr den jüdischen Friedhof besuchen könnten, wollte Bleckedes Bürgermeister Jens Böther gern weitertragen. Gute Ansätze sind aber schon jetzt da: Erst in der vergangenen Woche hatten Achtklässler der Bleckeder Hauptschule die Grabstätte erkundet (LZ berichtete).

Um auch allen anderen unmissverständlich deutlich zu machen, dass es sich bei dem vermeintlich verlassenen Ort im Wald um einen jüdischen Friedhof handelt, will der Landesverband der Jüdischen Gemeinden am Eingang eine zweiflügelige Pforte anbringen lassen auf der einen Seite soll der Davidstern, auf der anderen Seite die Menora, ein siebenarmiger Leuchter, zu sehen sein. Möglicherweise wird vor Ort auch bald ein Schild über die Geschichte der Grabstätte informieren. Ein weiterer Vorschlag Riethmüllers, den Böther gerne aufnahm. Schon jetzt können Interessierte mithilfe ihres Smartphones über einen QR-Code am Wegweiser Informationen zum Friedhof abrufen. Von Emilia Püschel