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Das symbolische Häuschen ist schick verpackt. Wer seinen Kindern eine Immobilie schon zu Lebzeiten über eine Schenkung vermacht, sollte bedenken, dass diese das Haus durch unerwartete Situationen plötzlich an Dritte verlieren können.
Das symbolische Häuschen ist schick verpackt. Wer seinen Kindern eine Immobilie schon zu Lebzeiten über eine Schenkung vermacht, sollte bedenken, dass diese das Haus durch unerwartete Situationen plötzlich an Dritte verlieren können.

Immobilienschenkung zu Lebzeiten kann ungeahnte Folgen haben

Lüneburg. Die Frau meint es gut und überträgt ihr Haus zu Lebzeiten ihren Kindern über eine Schenkung, will ihnen so schon frühzeitig Klarheit verschaffen und Streitigkeiten ums Erbe vorbeugen. Irgendwann zerbricht die Familienidylle, es kommt zum heftigen Streit mit der Mutter, dankbar zeigen sich die Kinder nicht mehr. Auch wenn vor dieser Situation keine vertragliche Regelung getroffen wurde, kann die Frau ihr Haus zurückfordern. Dass eine Immobilienschenkung allerdings auch Fallstricke birgt, weiß die Notarkammer Celle. Ihr gehören die Notare aus Stadt und Landkreis Lüneburg an.

„Eine Schenkung sollte gut durchdacht sein, die eigene Absicherung oberste Priorität haben“, rät Dr. Ulrich Haupt, Präsident der Notarkammer. „Häufig behalten sich Schenker vor, die Immobilie selbst weiter zu bewohnen oder sie zu vermieten. Doch sie bedenken selten, dass aufgrund einer unerwarteten Situation die Kinder das Eigentum an der Immobilie verlieren und plötzlich Dritte Eigentümer werden könnten.“ Daher sollten Betroffene vorsorgen und sich im Schenkungsvertrag Rückforderungsrechte einräumen. Diese Rechte können sie sich mit einer Eigentumsvormerkung im Grundbuch absichern lassen. Falls zu einem späteren Zeitpunkt ein unerwartetes Ereignis eintreten sollte, kann sich der Schenker entscheiden, ob er den Eigentumswechsel auf einen Dritten akzeptiert oder das Rad der Zeit zurückdreht und die Immobilie zurückfordert.

Absicherung mit Rückfallklausel

Es kann auch andere böse Überraschungen für die Schenker geben. „Dass die Immobilie unerwartet an ein Schwiegerkind oder an einen Fremden fällt, geschieht oft schneller, als man denkt“, mahnt die Notarkammer. In eine solche Lage geraten zum Beispiel Eltern, wenn das Kind vor ihnen stirbt, oder wenn es das Grundstück ohne deren Zustimmung an einen Dritten überträgt. Gleiches kann geschehen, wenn das Kind sich scheiden lässt und die Immobilie für finanzielle Forderungen eingelöst werden muss. Außerdem müssen Schenker damit rechnen, dass auch Gläubiger auf die Immobilie zugreifen können. Hat sich das Kind verschuldet, fällt die Immobilie unter Umständen per Zwangsversteigerung ins Eigentum eines Dritten.

Das Finanzamt kassiert bei Erbschaften und Schenkungen identische Steuern, allerdings birgt die Schenkung laut Notarkammer den Vorteil, dass die Freibeträge in Abständen von zehn Jahren erneut in Anspruch genommen werden können. rast