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Mathe-Leistungskurs am Johanneum: Fiona Banse (l.) und Jule Leeck präsentieren ihre Hausaufgaben am Whiteboard. Möglich macht es eine großzügige Spende von einem Lüneburger, der seine ehemalige Schule bedacht hat. Foto: t&w
Mathe-Leistungskurs am Johanneum: Fiona Banse (l.) und Jule Leeck präsentieren ihre Hausaufgaben am Whiteboard. Möglich macht es eine großzügige Spende von einem Lüneburger, der seine ehemalige Schule bedacht hat. Foto: t&w

Johanneum bekommt ein 140.000-Euro-Geschenk

Von Alexander Hempelmann
Lüneburg. Es klingt ein wenig wie die Geschichte vom reichen Onkel aus Amerika, von dem man bislang nichts wusste, der einem nun aber plötzlich einen Batzen Geld vermacht. Nur dass der Onkel in diesem Fall in Lüneburg lebt, quicklebendig ist und ein großes Herz für seine ehemalige Schule hat. Denn er hat dem Gymnasium mal eben hochmoderne Tafeln für den Unterricht spendiert, für jede Klasse eine. Gesamtwert der Spende: rund 140.000 Euro. Seither rätseln Schüler und Lehrer, wer der unbekannte Gönner ist.

Ein halbes Jahr ist es her, da bekam Carsten Junge einen Anruf, wie er ihn so auch noch nicht erlebt hatte. Ein Lüneburger meldete sich bei dem Geschäftsführer der Sparkassenstiftung, er habe da eine Idee. Weil er Lüneburg etwas zurückgeben möchte, speziell seiner früheren Schule, die ihm zu dem gemacht habe, was er heute ist, wolle er jener Schule etwas Gutes tun. Seine Idee: Das Gymnasium solle komplett mit digitalen und interaktiven Tafeln der neuesten Generation ausgestattet werden, sogenannte Whiteboards.

Weil er das zwar bezahlen, selbst aber nicht öffentlich in Erscheinung treten wolle, bat er die Sparkassenstiftung um die Umsetzung. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, bekennt Junge. Wieder am Boden sei dann die umfangreichste technologische Neuausstattung einer Schule in der Region mit 28 Whiteboards inklusive dazugehöriger Technik herausgekommen. Die Stadt als Schulträger und die Stiftung haben zusammen nochmal rund 45000 Euro investiert.  Das Gesamtpaket hat einen Wert von 185.000 Euro.

Als Direktor Friedrich Suhr von dem spendablen Gönner erfuhr, war er zunächst perplex: „Sowas passiert ja nicht alle Tage, ich zumindest habe etwas Derartiges noch nicht erlebt in meiner Zeit an der Schule.“ Auch der Schulleiter weiß nicht, von wem das Geld kommt. „Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wer dahinter steckt. Aber natürlich respektieren wir den Wunsch des Spenders, anonym bleiben zu wollen.“ Er empfinde große Dankbarkeit.

Beim Anruf aus allen Wolken gefallen

Junge hält dicht, verrät nicht viel über den Lüneburger Mäzen, nur so viel: „Er möchte seiner Schule etwas zurückgeben und sie dabei unterstützen, weitere Generationen darauf vorzubereiten, erfolgreich ins Leben zu gehen. Und er fände es gut, wenn über die Spende selbst berichtet würde, weil es ihm dann vielleicht Nachahmer gleich täten.“

Auch beim Schulträger ist die Freude über die unerwartete Unterstützung groß. „Nebenan investieren wir rund sieben Millionen Euro in den Anbau des Johanneums, da freuen wir uns natürlich, wenn uns bei der Ausstattung etwas abgenommen wird“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, zugleich Stiftungsratsvorsitzender. Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Wir haben 21 Schulen in städtischer Trägerschaft, wenn jetzt also nochmal 20 Spender kämen…“

Im Unterricht werden die neuen Tafeln bereits eifrig genutzt. Stefan Springmann, Mathe-Lehrer und EDV-Experte des Gymnasiums, wirft im Unterricht Graphen und Gleichungen an die Tafel, deren Verlauf er über eine Touchfunktion mit dem Finger verschieben kann. Tafelbilder können gespeichert werden, so dass in der nächsten Stunde exakt an dem Punkt weitergearbeitet werden kann. Die Schüler können ihre Hausaufgaben unter eine Kamera legen, dann werden die Aufzeichnungen prompt an die Tafel projiziert. Der Verfasser kann sie Schritt für Schritt vor der Klasse erklären. „Ich finde die Boards gut, man spart auch effektiv Zeit, weil man nicht mehr erst alles an die Tafel schreiben muss“, sagt Jule Leeck aus der 11. Klasse. Auch Benjamin Osberghaus findet, dass sich die neuen Möglichkeiten positiv auswirken: „Der Unterricht wird vielseitiger.“

Schulleiter Suhr sagt: „Wir sind noch in der Phase des Ausprobierens, aber ich bin überzeugt, dass den Schülern jetzt manches im Unterricht viel nachhaltiger vermittelt werden kann.“