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Fähre
Unterschiedliche Tarife für Vielfahrer gelten seit dem 1. September für Bürger aus dem Landkreis Lüneburg und andere Nutzer auf den Fähren Tanja (Foto) und Amt Neuhaus. Foto: pet

Fährkunden zweiter Klasse durch neue Tarife?

Neu Darchau. Auf der gleichen Fähre überqueren die Passagiere der „Tanja“ zwischen Neu Darchau und Darchau sowie „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede die Elbe aber seit dem 1. September nicht zum gleichen Preis, denn Bewohner des Landkreises Lüneburg, die die Fähren regelmäßig nutzen, können das zu einem günstigeren Preis tun als „der Rest der Welt“.

Grund ist ein Beschluss des Lüneburger Kreistags vom 20. Juni. Die Kreispolitiker hatten damals entschieden, für Bewohner des Landkreises Lüneburg eine Jahreskarte für 240 Euro einzuführen, außerdem neue Zehnerkarten. Preisbeispiele: sieben statt zehn Euro für Personen, 16 statt 20 Euro für Pkw. Mit insgesamt 250000 Euro soll das neue Modell jährlich vom Landkreis subventioniert werden.

Neues Tarifmodell sorgt für Streit

Für Streit hatten die seit 1. September geltenden unterschiedlichen Tarifmodelle schon in Neu Darchau gesorgt. Anlass war eine Aussage von Bürgermeister Klaus-Peter Dehde (SPD), in der er erklärt hatte, die Preise für Nicht-Lüneburger würden, etwa für Zehnerkarten, auch nach dem 1. September, unverändert bleiben, etwa bei acht (Personen) oder 17 Euro (Pkw).

Wäre das der Fall, würden der Gemeinde erhebliche Einnahmeverluste beim Verkauf der Zehnerkarten an den Landkreis Lüneburg drohen, gab die Bürgerliste Neu Darchau zu bedenken. Das Prinzip der Subventionierung durch den Landkreis funktioniert nämlich so: Der Kreis kauft die Zehnerkarten beim Eigenbetrieb Fähre Tanja zum Normalpreis ein, gibt sie dann verbilligt weiter und legt die Differenz drauf.

Subventionierung gewünscht

Das sei auf eine unklare Tarifveröffentlichung zurückzuführen gewesen, erklärte Dehde am Donnerstag auf Nachfrage. „Das war kuddelmuddelig.“ Fakt ist: Laut Preisliste vom 1. September 2016 kosten die „normalen“ Zehnerkarten auf der Fähre zehn Euro (Person) bzw. 20 Euro (Pkw). Eine Subventionierung, zumindest der Neu Darchauer, wünscht sich Klaus-Peter Dehde für die Zukunft. „Aber da müssen wir erst einmal sehen, wie die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde weiter verläuft.“

„In Grenzen“ hält sich die Nachfrage nach den subventionierten Zehnerkarten in den ersten Wochen nach der Ausgabe, die ab 1. August erfolgte, berichtet einer der Tankstellenpächter, bei denen es die Tickets gibt. Erhältlich sind die neuen Zehnerkarten nur bei den Tankstellen in Bleckede (Aral), Neu Darchau (Total) und Dahlenburg (Star).

Genau bei diesem Punkt, den seiner Meinung nach zu wenigen Ausgabestellen der verbilligten Tickets, setzt die Kritik des Kreistagsabgeordneten Wilhelm Kastens (CDU) aus Walmsburg an: „Es gibt Unmut, auch im Landkreis Lüneburg. Wie leicht passiert es, dass man mit subventionierter, aber gerade abgelaufener, Zehnerkarte auf die Fähre fährt. Es ist nicht gut, dass man dann auf der Fähre keine neue verbilligte Karte lösen kann. Man muss dann eine Einzelkarte zum vollen Preis kaufen.“

 Landkreis zum Auftakt zufrieden

Gut, wenn auch nicht ganz so stark wie kalkuliert, läuft der Verkauf der Jahreskarten für die Fähren beim Landkreis Lüneburg. Bis zum 8. S eptember waren 232 der Tickets verkauft worden. „Wir hatten mit 300 gerechnet, und es werden noch Karten nachgefragt“, sagt Kreissprecher Hannes Wönig. Auch das neue Online-Modul werde gut angenommen. Damit können sowohl Jahreskarten als auch 10er-Karten im Internet bestellt werden.

Rückfragen kommen insbesondere von Gewerbetreibenden, da die Karten nur für Pkw, aber nicht für Lkw gelten. Für Lkw gibt es jedoch eine andere Regelung: Gewerbetreibende bekommen für diese Fahrzeuge einen Gewerberabatt, der zum 1. September auf 20 Prozent aufgestockt wurde. Dieser Rabatt wird direkt auf der Fähre vom Fahrpreis abgezogen. Pressesprecher Wönig sagt: „Bei uns melden sich darüber hinaus auch Personen, die nicht im Landkreis Lüneburg wohnen, und eine rabattierte Karte kaufen wollen. Hier gilt: Landkreismittel bleiben im Landkreis. Die rabattierten Karten werden ausschließlich an Einwohner des Landkreises verkauft.“