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Der Richter wertete die Aussagen des Fitnesstrainers zu seinem Radunfall als nah an der Grenze zur Falschaussage. Symbolbild: be
Der Richter wertete die Aussagen des Fitnesstrainers zu seinem Radunfall als nah an der Grenze zur Falschaussage. Symbolbild: be

Freispruch am Landgericht trotz filmreifer Einlage

Lüneburg. Der eine war Ju-Jutsu-Meister und ist eher zurückhaltend, der andere tummelte sich sogar schon in Amerika im Kampfsport-Filmgeschäft mit seinen Fäusten und zeigte auch vor Gericht seine Schauspielkunst. Der eine ist Polizist und der andere Fitnesstrainer. Als sie allerdings im September 2015, einem 13. auch noch, aufeinander trafen, gab es einen Knall in der Lünertorstraße und der Fitnesstrainer lag mit dem Rad auf der Straße.

Der Trainer gibt dem Polizisten die Schuld. Und deswegen wurde der Richter nun bemüht. Vorsätzliche Nötigung hieß der Vorwurf, der nicht zu halten war. Freispruch.
Das mutmaßliche Opfer schilderte vor Gericht: Mit „voller Wucht“ habe der Angeklagte ihn vom Fahrrad geschubst und auf die Straße befördert. Er habe eine Gruppe von vier Personen überholen wollen, zuvor gerufen und geklingelt, doch das Quartett habe den Weg nicht freigemacht. Stattdessen sei er fast von einem Auto überfahren worden.

Der Polizist und seine drei Begleiter schildern den Vorfall allerdings ganz anders: Die Gruppe habe den letzten Metronom aus Hamburg genommen, gegen Mitternacht auf dem Weg zum Stint sei man in eine Unterhaltung vertieft gewesen.

„Auf einmal krachte es“

„Ich habe mir die Kapuze über den Kopf gezogen, weil es geregnet hat“, sagte der Angeklagte. „Auf einmal hat es gekracht, ich habe einen Stoß an meiner rechten Körperseite gespürt.“ Als er sich vor Schreck umgedreht habe, habe er den Radfahrer auf die Straße stürzen sehen. „Ich würde einen Teufel tun, einen Menschen absichtlich auf die Straße zu werfen“, beteuerte er, „ich habe ihn vorher nicht wahrgenommen.“ Ausfällig sei nicht er, sondern der Gestürzte geworden, der sofort wieder aufgesprungen, mit erhobenen Fäusten auf ihn losgestürmt sei.

Richter Rüdiger Hobro-Klatte hatte seine Zweifel an der Darstellung des Fitnesstrainers, der nicht nur auf der falschen Seite radelte, sondern dessen Erinnerung Lücken zeigte. Für den Richter blieb am Ende nur der Freispruch. Auch der Auszug aus dem Strafregister des mutmaßlichen Opfers sprach nicht für ihn. Die Schilderungen des Mannes sortierte er als „nah an der Grenze zur Falschaussage“ ein. „Das Ganze hat sich eher als eine Luftblase erwiesen.“ ap