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Der Rote Hahn ist ein Besuchermagnet: Handwerker restaurieren das Ensemble seit Jahren, viele informieren sich darüber. Foto: t&w
Der Rote Hahn ist ein Besuchermagnet: Handwerker restaurieren das Ensemble seit Jahren, viele informieren sich darüber. Foto: t&w

Ein Bummel durch die Geschichte am Tag des offenen Denkmals

Lüneburg/Bleckede. Zwei Dutzend Mal hinter die Kulissen gucken — beim Tag des offenen Denkmals locken jahrhundertealte Schätze. Und bei wunderbarem Wetter waren Tausende unterwegs, um sich in den alten Gemäuern in Stadt und Kreis umzusehen. Museen und Wasserturm sind vielen bekannt wie auch die Kirchen und Kapellen in Adendorf, Deutsch Evern und Scharnebeck. Aber es öffneten sich auch Türen, hinter die man nur selten schauen kann.

In Lüneburg machen Architekt Henryk Reimers und seine Kollegen aus dem Haus Papenstraße 3 ein Schmuckstück. Das Doppelhaus stammt aus dem 16. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut. Handwerker haben eine verschwundene Eingangstür wieder freigelegt, Teile eines Saales im ersten Stock füllen sie mit neuem altem Leben: Auch wenn die Zeit die alte Pracht wundgescheuert hat, ist nun ein Hauch der alten Eleganz des grün gestrichenen Saales mit seinen Blumenbordüren und Stuckbändern wieder zu erkennen. Möglich seien die teuren Arbeiten nur, weil es Fördermittel und Zuwendungen etwa vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt sowie steuerliche Abschreibungen gebe.

Bis zum vergangenen Jahr war das Ackerbürgerhaus in Bleckede an Sommer-Wochenenden für Besucher geöffnet. Seit diesem Jahr kümmern sich die Eigentümer Thomas und Inken Weiseth verstärkt um die Sanierung des 1679 gebauten Vierständerhauses. Vier Containerladungen Müll entsorgte das Paar — die alte Scheune blieb in dieser Zeit zu. Nur am Sonntag standen die Pforten wieder offen: Interessierte erhielten seltene Einblicke in das uralte Gemäuer an der Schloßstraße.

Handwerker legen verschwundene Tür wieder frei

Zu denen, die die einmalige Gelegenheit nutzten, gehörten Barbara und Hayo Heinemann aus Neetze. Sie ließen sich von Thomas Weiseth die ehemalige Wohn- und Schlafstube des Hauses zeigen, bewunderten den Eingangsbereich, in dem früher Fahrzeuge sowie Schweine- und Kuhstall untergebracht waren, und erklommen die alte Holztreppe bis zu den Gesindekammern unter dem Dach. „Alte Dinge, die unsere Kultur ausmachen, interessieren uns“, sagen die 67- und der 74-Jährige. „Dass man mitten im Ort noch die Originalstruktur des Hauses sehen kann, hat man selten, das gibt es sonst nur im Museumsdorf.“

Einst lebte ein sogenannter Ackerbürger in dem Haus, erklärt Thomas Weiseth, also ein Bauer, der Ländereien außerhalb besaß, aber dennoch das Bürgerrecht hatte und in der Stadt wohnte. Heute wohnt niemand mehr in dem verfallenen Gemäuer, doch schon bald soll wieder Leben einziehen. „Wir würden hier gern ein Gemeinschaftshaus aufbauen, in dem Hochzeits- und Geburtstagsfeiern stattfinden können“, sagt Weiseth. Die Türen des Ackerbürgerhauses sollen sich schon bald wieder für Besucher öffnen.

Ein Zuhause für Menschen mit geringem Einkommen

Noch einmal nach Lüneburg. Das Stift zum Roten Hahn ist eines der ursprünglichsten Ensembles des ausgehenden Mittelalters. 1478 erstmals erwähnt, wird es hundert Jahre später zu einer Pflegeeinrichtung, es blieb bis in unsere Zeit ein Zuhause für Menschen, die mit wenig Einkommen auskommen müssen. Seit 2005 gehört das Haus der Bürgerstiftung, seit 2011 läuft die Restaurierung.

Ursprünglich mit Kosten von einer Million kalkuliert, sind Elke Frost und ihre Mitstreiter der Stiftung inzwischen bei fast 1,5 Millionen Euro angekommen, denn vieles war maroder als gedacht. Im kommenden Jahr soll noch der Hof in Schuss gebracht werden, dann ist alles fertig. Bei den Mietern gab es einen Wandel. Nur noch vier „alte“ sind da, wird eine der elf Wohnungen leer, können Künstler mit kleinem Geldbeutel einziehen.

Der Hof war eine Art Kristallisationspunkt: Die Stadt, der ALA, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Verein Stadtarchäologie und die Bürgerstiftung stellten ihre Arbeit vor. Dazu gab der Bachchor ein Konzert — einfach schön. ca/emi