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Kernige Jungs mit rauhem Charme sind zum Treffen des Motorradclubs Dirty Pack gekommen. Präsi Joe Linden begrüßt Musiker André Noldt und Costa-Blanc-Arno (v.l.). Foto: ca
Kernige Jungs mit rauhem Charme sind zum Treffen des Motorradclubs Dirty Pack gekommen. Präsi Joe Linden begrüßt Musiker André Noldt und Costa-Blanc-Arno (v.l.). Foto: ca

Rocker-Club: Wo die Harleys Spalier stehen

Von Carlo Eggeling

Lüneburg. Klar, auch die Hells Angels kommen vorbei. „Wir haben Kontakt zu den Rot-weißen“, sagt Josef „Joe“ Linden. Die flögen ab und an ein im Clubhaus In der Marsch3. Bisschen klönen, ein Bierchen: „Die mögen, dass es hier ruhig ist.“ Joe ist der Präsi des Motorradclubs Dirty Pack. „Ich fahre seit 35 Jahren Motorrad, da kennt man sich“, sagt Joe und wischt sich den Schweiß mit einem weißen Tuch von der Stirn. Denn es ist heiß in dem alten Fabrikgebäude, das sich die zehn Mitglieder des Clubs auf zwei Etagen hergerichtet haben. Am Sonnabend hatten die Lüneburger befreundete Gruppen eingeladen. In zwei Reihen standen Harleys Spalier. Ein paar Chooper dabei. Rocker lieben die Dinger, die man mit ausgestreckten Armen fährt. Ihr alter Spruch: „Ist gut gut gegen Achselschweiß.“

Joe und seine Kumpels haben vor vier Jahren das Charter, also die Ortsgruppe, des Dirty Pack gegründet. Der Club besitzt sieben Gruppen in Schleswig-Holstein und drei in Niedersachsen. Joe, ein Berg von einem Kerl, ist gelernter Zimmermann. Er erzählt, wie sie mit „viel Geld und Schweiß“ ihr Vereinsheim hergerichtet haben. Das kann sich sehen lassen: Kneipentresen, Tanzfläche, Sitzecken, ein Raum mit Etagenbetten, falls ein Abend mal zu heftig wurde, ein Raum für die Members, also die Mitglieder, ein Billardtisch.

Am Sonnabend kommen Dutzende Biker mit ihren Frauen auf den Hof gerollt. Harte Händedrücke bei den Jungs in Leder, viele von ihnen haben mächtige Bärte, für die Mädels gibts ein sanftes Küsschen von den Herren. Die Band Goodspeed um Sängerin Kaja aus Lauenburg hat die Anlage aufgebaut. Derben Rock spielen sie. AC/DC, aber auch Lemmy Kilmister und Motörhead sind gesetzt. Draußen glüht der Grill, ein Stück weiter lodern Holzscheite in einem alten Ölfass.

Mit Kriminalität haben wir nichts zu tun

Joe ist hier der Chef. Alle Gäste schlagen ein, wenn sie den Präsi sehen. Linden kennt die Bilder über Rocker: kriminell, Milieu, Schlägereien. Er sagt: „Wir hatten eine Schlägerei in vier Jahren. Auf jedem Schützenfest und Rummel ist mehr los. Mit Kriminalität haben wir nichts zu tun.“ Sie seien keine Supporter, also Unterstützer, für andere Clubs: „Wir machen unser Ding.“ Und das bedeutet am Wochenende auf den Bock steigen, dazu treffen sie sich ein-, zweimal die Woche, um Musik zu hören und zu reden. Eines der wichtigsten Worte hier ist Respekt. Den hat man vor den anderen und innerhalb der Hierachie.

Sie tragen Spitznamen, die verwegen klingen wie Costa-Blanca-Arno oder „Leiche“, der Präsident des MC Skull aus Bückeburg. Aber an diesem Abend ist die Stimmung so gemütlich wie beim Grillfest in der Nachbarschaft.

Joe wischt sich noch mal den Schweiß von der Stirn und brummt: „Ganz schön warm heute.“ Er hat zu tun, immer neue Rocker brummen auf den Hof, 150 und mehr sind es wohl. Dann sagt er: „Wir beißen nicht. Und wer Lust hat, kann gern vorbeikommen, wenn wir open House haben.“ Das ist das nächste Mal am 30. September um 20 Uhr. Man kann auch ohne Motorrad kommen.

Die Rockerszene in Niedersachsen

Das Landeskriminalamt zählt — trotz mancher Auflösung — zwischen Harz und Heide zehn Ortsvereine der Hells Angels, die konkurrierenden Bandidos sind dreimal vertreten, in Aurich, Osnabrück und Oldenburg. Weitere Gangs wie Gremium werden elfmal genannt, die Outlaws einmal, No Surrender zweimal. Die Mongols spielen aus Sicht der Polizei nach dem Verbot ihres Charters in Stade 2015 keine Rolle mehr. ca