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Viel Wasser steht nicht mehr am Pegel Neu Darchau. Binnenschiffer und Fährleute hoffen jetzt auf dringend nötige Niederschläge, damit der Wasserstand der Elbe wieder steigt. Foto: t&w
Viel Wasser steht nicht mehr am Pegel Neu Darchau. Binnenschiffer und Fährleute hoffen jetzt auf dringend nötige Niederschläge, damit der Wasserstand der Elbe wieder steigt. Foto: t&w

Niedrigwasser der Elbe beeinträchtig Schifffahrt

Neu Darchau. Ein Extrem-Jahr jagt das nächste. Erst im vergangenen Sommer fielen die Wasserstände am Pegel Neu Darchau im August auf 71 Zentimeter und damit fast auf den historischen Tiefstand von 67 Zentimeter. Aktuell haben sich die Wasserstände im Vergleich zur letzten Woche zwar leicht erholt, doch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) rechnet mit einem erneuten Rückgang und zählt das derzeitige Niedrigwasser schon jetzt zu den „Top-10-Extremereignissen“.

Grundsätzlich sind Niedrigwasser zu dieser Jahreszeit an der Elbe normal. Die aktuelle Situation hält allerdings auch das NLWKN für „ungewöhnlich“. Auf 99 Zentimeter ist der Pegel am vergangenen Mittwoch (7. September) in Neu Darchau gesunken, der bisherige Tiefpunkt. Gestern hatten sich die Wasserstände leicht erholt, lagen in Neu Darchau bei 106 Zentimeter. Doch da der NLWKN auch in den kommenden Tagen keine maßgeblichen Niederschläge erwartet, „wird davon ausgegangen, dass der Wasserstand in den nächsten Tagen leicht zurück gehen wird“, sagt Heyken.

„Die gewerbliche Schifffahrt ist nahezu zum Erliegen gekommen.“
Bettina KalyttaWSA Lauenburg

Da das Niedrigwasser auch die Gewässerqualität beeinflussen kann, führt der NLWKN seit dem 5. September zusätzlich zu den Routinemessungen ein Sondermessprogramm „Extreme“ durch. Im 14-tägigen Rhythmus werden dabei an zehn Messstellen der Elbe Proben gezogen und im Labor untersucht. Die Ergebnisse von der Messstelle in Schnackenburg geben allerdings keinen Anlass zur Sorge: Alle Werte bewegen sich laut NLWKN im normalen Maß.

Fährbetrieb läuft weiter

Noch läuft der Fährbetrieb in Bleckede und Neu Darchau normal. „Wir fahren“, sagt der Betriebsleiter der Fähre „Tanja“, Erwin Kruse, „zumindest noch.“ Er geht davon aus, dass das diese Woche auch so bleiben wird, „wie es dann nächste Woche aussieht, müssen wir abwarten“. Ab einem Pegel von 85 Zentimetern muss die Neu Darchauer Fähre in der Regel den Betrieb einstellen, „vorher nehmen wir schon keine vollbeladenen landwirtschaftlichen Fahrzeuge mehr mit“.

Auch die Bleckeder Fähre „Amt Neuhaus“ setzt noch problemlos über und Jörg Wilhelm rechnet nicht damit, dass sich das in den kommenden Tagen ändert. Er schätzt, „dass wir 20 bis 30 Zentimeter Luft haben. Und wer weiß, was bis dahin noch an Niederschlägen fällt“. Sollte eine der beiden Fähren den Betrieb einstellen müssen, wird der Landkreis Lüneburg darüber unter anderem auf seiner Internetseite umgehend informieren. „Der Notfahrplan kann jederzeit in Kraft treten“, sagt Kreissprecher Hannes Wönig.

Niedrigwasser beeinträchtigt Schifffahrt

Konsequenzen hat das Niedrigwasser bereits für die Schifffahrt auf der Elbe. Von Hamburg bis zur Einfahrt des Elbe-Seitenkanals läuft der Verkehr dank der Staustufe Geesthacht zwar noch problemlos, „dafür ist die gewerbliche Schifffahrt im Bereich der frei fließenden Elbe nahezu zum Erliegen gekommen“, sagt die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtamtes Lauenburg, Bettina Kalytta. Zwischen Dömitz und Hitzacker etwa liegt die Fahrrinnentiefe aktuell nur noch bei 95 Zentimeter, für die meisten größeren Binnenschiffe zu wenig. Ein allgemeines Fahrverbot wie beim Hochwasser verhängt das WSA bei Niedrigwasser nicht. Auf der Internetseite der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes werden die Fahrrinnentiefen täglich veröffentlicht. „Jeder Schiffsführer ist selbst verantwortlich, darauf zu achten“, sagt Kalytta.

Von Anna Sprockhoff