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Der Metronom transportiert viele Pendler nach Hamburg
Foto: t&w

Zugfahrt wird für Pendler zur Qual

Lüneburg. Richtig ins Schwitzen gekommen sind die Gäste jetzt an den heißen Tagen im September nicht etwa auf einer Liege im Garten, sondern auf der Metronom-Fahrt von Hamburg nach Lüneburg. Lutz Brandt war einer von ihnen. Er pendelt regelmäßig zwischen den beiden Hansestädten, nimmt meist den Zug um 17.30 Uhr nach Lüneburg. Eine Tortur wie diese ist dem 55-Jährigen aber bislang noch nicht untergekommen. „Das Handythermometer hat 53 Grad angezeigt“, moniert er, „das grenzt fast an Körperverletzung“.

Ein Zugbegleiter soll den Fahrgästen erklärt haben, dass der Strom während des gesamten Aufenthalts in der Abstellanlage abgeschaltet werde. Danach könne die Klimaanlage zunächst nur auf ein Viertel der Kraft wieder hochgefahren werden, da sie sonst vereisen würde. Außerdem müssten die Anlagen in den Waggons einzeln angesteuert werden. In einer Diskussion auf der LZ-Facebookseite zum Thema haben sich derweil auch weitere Fahrgäste gemeldet und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht.

Metronom weist die Vorwürfe zurück

Metronom-Sprecher Björn Pamperin weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Personal habe keinerlei Anweisung, die Klimaanlage auszuschalten, um Strom zu sparen. „Auch nicht, wenn der Zug in der Abstellung steht“, versichert er. Das würden die Energiedaten belegen. Eine mögliche Erklärung für die Überhitzung liefert Pamperin mit defekten Klimaanlagen. „In einem Verband war das in zwei Waggons der Fall, der Schaden wurde aber nun behoben.“

Lutz Brandt ist über den Vorfall entrüstet. „Der Zug war brechend voll.“ Besonders für Senioren und Tiere sei die Fahrt nach Lüneburg „gesundheitsgefährdend“ gewesen. „Die Älteren haben regelrecht nach Luft gejapst, ein Hund ist fast durchgedreht.“ Schon beim Einsteigen in Hamburg sei es im Zug „glühend heiß“ gewesen, „die Fahrgäste sind von Waggon zu Waggon gelaufen, in der Hoffnung, dass es anderswo kühler ist.“ Erst kurz vor Lüneburg sei die Temperatur dann etwas gesunken. Die rund 35 Grad Außentemperatur habe er beim Verlassen des Zuges als angenehm empfunden.

Keine Beschwerden beim Fahrgastbeirat

Dem Fahrgastbeirat in Harburg liegen jüngst keine Beschwerden zu diesem Thema vor, sagt Sprecher Klaus Steinfatt. „Das ist auf jeden Fall kein Massenphänomen.“ Seines Wissens nach funktioniere die Klimaanlage in den Doppelstockwagen des Metronoms „relativ gut“. Dafür ist sich Steinfatt sicher, dass der Strom im Zug für einige Minuten ausgeschaltet wird. „Er fährt ja mit dem Steuerwagen vorweg in den Bahnhof ein, der Lokführer rüstet dann ab und schaltet den Hauptschalter aus.“ Alle stromverbrauchenden Aggregate seien dann für fünf oder sechs Minuten abgeschaltet. „Sobald der Zugführer bei der Lok angekommen ist, schaltet er den Hauptschalter wieder ein.“

Lutz Brandt kann darüber nur schmunzeln. „Ich habe die Klimatechniker bei mir in der Firma gefragt“, sagt er. Innerhalb von wenigen Minuten könne der Zug nicht eine solche Temperatur erreichen so die Antwort. „Der Zug muss eine ganze Weile ohne Strom gewesen sein.“ Anna Paarmann

6 Kommentare

  1. Der Metronom baut seit Monaten massiv ab was Kundenservice und -zufriedenheut angeht! Ausfallende Klimaanlagen, Türstörungen und ganze Ausfälle von Zügen, aufgrund defekter Loks häufen sich in letzter Zeit gravierend! Das belegen die Tweets des Unternehmens, die man hierfür wunderbar zur Auswertung heranziehen kann. Des Weiteren – und dafür ist die DB vernatwortlich – sind die PERMANENTEN Verspätungen aufgrund verspäteter „Schnellzug“-Überholungen…

  2. Ich kenne es gar nicht anders vom Metronom.
    Seit letztem Sommer pendle ich täglich zwischen HH und LG und es kam gerade an den besonders heißen Tagen immer wieder vor, dass die Klimaanlage entweder komplett ausgefallen ist, oder nur auf der niedrigsten Stufe lief. Das Zugpersonal liess sich leider kaum auf Fahrgastbeschwerden ein.
    Ich bin also an besonders heißen Tagen auf das Auto umgestiegen, das immerhin eine funktionierende Klimaanlage bereithält.

  3. Ich war auch in dem Zug um 17:30 Uhr. Ein Mitarbeiter hat über Lautsprecherdurchsage seinen Unmut kundgetan. Er bestätigte, dass die Klimaanlagen auf dem Wartegleisen ausgeschaltet werden, um Strom zu sparen. Er forderte die Fahrgäste auf sich telefonisch bei der Zentrale in Uelzen zu beschweren. Er sprach auch über die Treueprämie beim Metronom. Mitarbeiter bekommen keine Prämie, wenn sie krank sind. Hut ab für den Mut des Mitarbeiters, ich hoffe er bekommt keine Kündigung.

    • Die Klimaanlage wird nicht ausgeschaltet, das kann ich als Lokführer versichern. Die Zugbegleiter haben zum einen nichts mit der Abstellung zu tun, zum anderen müsste man in jeden Wagen einzeln die Klima ausmachen und den Aufwand betreibt kein Mensch.

  4. Michel Naumburger

    Das Schlimme daran ist, das bei den neuen klimatisierten Fahrzeugen, keine Fenster mehr gibt.
    Wenn die Klima ausfällt, sitzt du wortwörtlich in einem Backofen. Kein einziges Fenster mehr, damit bei Klimaausfall zumindest Frischluft in die Wagen gelangt.
    Das ist mittlerweile bei allen Bahnunternehmen so.

    Da schimpft man immer auf die DB und freut sich wie ein Schnitzel, das die Privaten zukünftig die Leistungen fahren. Aber das heisst nicht, das die Privaten besser sind. Durch das billig-billig-Prinzip wird es noch schlimmer. Zugausfälle und Verspätungen wegen Personal- und Fahrzeugmangel, sowie defekte Anlagen mangels Wartung und Reperatur wird die Zukunft sein.

  5. „Dem Fahrgastbeirat in Harburg liegen jüngst keine Beschwerden zu diesem Thema vor, sagt Sprecher Klaus Steinfatt“

    dann soll der gute Mensch mal die Facebookkommentare auf der Metronomseite durchlesen. Die Klimaanlagen im Metronom sind entweder gar nicht an oder so eingestellt, dass nur eine leichte Kühlung feststellbar ist.

    Das es besser geht zeigen die Doppelstockwagen (RE Züge) der DB. Angenehme Temperatur wenn man dort einsteigt.