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Das alte Bowling-Center soll angeblich abgerissen werden, entstehen soll ein Komplex mit Wohnungen. Doch bislang gibt es nur wenig Informationen. Der Investor äußert sich nicht. Foto: t&w
Das alte Bowling-Center soll angeblich abgerissen werden, entstehen soll ein Komplex mit Wohnungen. Doch bislang gibt es nur wenig Informationen. Der Investor äußert sich nicht. Foto: t&w

Bowling-Center soll Neubau weichen

Lüneburg. Eines der hässlichsten Gebäude der Stadt soll fallen: Nach LZ-Informationen hat ein Lüneburger Immobilienunternehmen das Bowling-Center an der Lindenstraße gekauft, will es abreißen und einen Neubau errichten. Trotz mehrfacher Versuche war bis gestern keine Stellungnahme vom Firmenchef zu erhalten kein Rückruf. Angeblich sollen für das Haus mehr als zwei Millionen Euro als Kaufsumme geflossen sein, auch dazu kein Kommentar.

Im Rathaus sagt Sprecher Daniel Gritz auf Nachfrage: „Wir wissen, dass das Gebäude verkauft worden ist. Zum Kaufpreis können wir aus Datenschutzgründen nichts sagen. In der Tat haben wir auch gehört, dass dort abgerissen werden soll und Wohnungen gebaut werden sollen. Es haben aber noch keine Gespräche mit dem Eigentümer stattgefunden.“

Keine Erfolgsgeschichte

1880 baute der Männer-Turn-Verein die Halle am heutigen Handwerkerplatz. Rechts und links standen Schlauchtürme, der Verein war Keimzelle der Feuerwehr. Mitte der 1970-er Jahre musste sie für den Ausbau der Linden- und Stresemannstraße weichen. Foto: A.
1880 baute der Männer-Turn-Verein die Halle am heutigen Handwerkerplatz. Rechts und links standen Schlauchtürme, der Verein war Keimzelle der Feuerwehr. Mitte der 1970-er Jahre musste sie für den Ausbau der Linden- und Stresemannstraße weichen. Foto: A.

Das Gebäude hat zumindest in den vergangenen Jahren keine Erfolgsgeschichte geschrieben. Im Frühjahr schloss, wie berichtet, die Bowlingbahn, der Wirt konnte sich nach eigener Aussage auf keine Vertragsverlängerung mit den damaligen Eigentümern einigen. Geschäftsräume im Erdgeschoss, zeitweilig von einem Matratzenmarkt genutzt, stehen leer. Andere Geschäfte machen weiter. Von außen wirkt das Haus nicht besonders gepflegt.

Dabei hat der Platz große Geschichte: 1976 wurde für den Klotz die alte MTV-Sporthalle mit ihren markanten Türmen abgerissen. Das prägende Gebäude war 1880 errichtet worden, seine Türme nutzte die Feuerwehr, denn der Männer-Turn-Verein war die Keimzelle der Lüneburger Brandbekämpfer.

Halle für Kriegsverbrecherprozess genutzt

Für Sport und Faschingsbälle war das imposante Gebäude Treffpunkt der Lüneburger. Doch die Halle hatte auch eine Bedeutung weit über Lüneburg hinaus: Im Herbst 1945 lief hier der erste Kriegsverbrecherprozess unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Wachleute des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mussten sich für ihre Morde und anderen Gräueltaten verantworten. Ein Abriss wie vor 40 Jahren wäre heute nur unter großem Protest denkbar. Auch damals hatten sich Lüneburger für den Erhalt eingesetzt.

Mit dieser Geschichte und diesem Standort ist also eine besondere Bedeutung verbunden. Ein nächster langweiliger Klotz passt nicht. Aus dem Rathaus heißt es von Sprecher Gritz dazu: „Ausgewiesen ist hier Allgemeines Wohnen. Das bedeutet Wohnungen und nicht störendes Gewerbe. Für den Bereich liegt ein Bebauungsplan vor. Sollte der neue Besitzer abreißen und neu bauen wollen, darf er dies bis zu fünfgeschossig, in den Randbereichen bis zu dreigeschossig tun. Darüber hinaus macht die Stadt ihren gestalterischen Einfluss im Rahmen des Möglichen geltend.“
Bleibt zu hoffen, dass die Politik nun mehr Bewusstsein für die Bedeutung eines Gebäudes an dieser prominenten Stelle beweist als die Stadtväter vor 40 Jahren.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Der Abriss der alten Treubundhalle, in der ich als Raabe-Schülerin in den ausgehenden Sechzigern bei dem flotten, damals in ganz Lüneburg bekannten Turnlehrer „Edu Ahrens“ meinen Sportunterricht genoss, war ein ungeheuerlicher, ein unverzeihlicher stadtplanerischer Skandal. Welcher auch in der städtischen Bürgervertretung aktive Bauunternehmer dafür verantwortlich war (sein Betrieb ging 2013 endgültig pleite), brauche ich wohl nicht eigens zu schreiben. Übertroffen wurde diese unerhörte Lumperei nur noch durch den grauenvollen architektonischen Dreck, der an die Stelle eines der letzten markanten Gründerzeitbauten am Rande des Roten Feldes trat, ein absurdes Schandmal der gedanken- und geschacklosen Geldgier, das im Herzen unserer Stadt, am südwestlichen Eingang ins altstädtische Zentrum aufgetürmt worden ist. Carlo Eggeling hat recht. Vermutlich wäre jeder Neubau, der diesen elenden Müllbunker ersetzt, eine Verbesserung, aber dennoch ist es die Pflicht unserer Verwaltung, deren Spitze immer gerne von städtebaulichen „Leuchtturmprojekten“ faselt, ALLES zu tun, um auf ein Gebäude hinzuwirken, das seiner exponierten Lage und seinem architeturhistorischen Kontext gerecht wird und sich als angemessene Visitenkarte unserer großen hansestädtischen Tradition von stolzer Zurückhaltung erweist.