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Bernd Althusmann im September 2016 in Hannover
Bernd Althusmann (CDU) deutet es schon mal an: Der Kampf um das Amt des Ministerpräsidenten hat begonnen. Foto: dpa

„Kurfürsten“ beraten über Althusmann

Hannover/Lüneburg. Im edlen Foto-Reigen der 20 Berater steht Dr. Bernd Althusmann an allererster Stelle. Die Spitzenposition des ehemaligen niedersächsischen Kultusministers auf der Internetseite der kleinen, aber feinen Personalagentur Topos-Consult, bei der der Afrika-Heimkehrer im Juni angeheuert hat, ist freilich nur der alphabetischen Rangfolge geschuldet. Doch jetzt strebt der Lüneburger CDU-Politiker eine echte Nummer eins an: als Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl Anfang 2018 — mit dem Ziel SPD-Ministerpräsident Stephan Weil abzulösen.

Am Freitagabend nach der Landtagssitzung kommen Vorstand und Bezirksvorsitzende der Union in der Parteizentrale in Hannover zusammen, um die wichtige Personalie zu beraten. „Das wird ein kurzes Treffen“, prophezeit ein Teilnehmer. Der Noch-Parteivorsitzende David McAllister und Landtagsfraktionschef Björn Thümler werden dieser „Kurfürstenrunde“ einen Vorschlag für die Spitzenkandidatur und den Parteivorsitz unterbreiten. „Und der lautet Althusmann“, heißt es überall in den Parteizirkeln. Die Zustimmung der Fraktion am nächsten Morgen gilt dann ebenso nur noch als Formsache wie die Absegnung durch den Landesparteitag Ende November in Hameln.

Um 12:30 Uhr am Sonnabend will die CDU im Beisein des Kandidaten dessen Kür offiziell der Öffentlichkeit bekannt geben. „Davon weiß ich noch nichts“, sagt Althusmann im Gespräch mit der LZ „Ich bin ja nur ein einfaches CDU-Mitglied.“

Zuverlässigkeit gilt als sein Markenzeichen

Angesichts der Hoffnungen, die die Union auf den 49-jährigen Diplompädagogen und -betriebswirt setzt, klingt das bescheiden. Anders als etwa der eine Zeit lang ebenfalls als Bewerber gehandelte Landtagspräsident Bernd Busemann, der Althusmann schon als Spitzenkandidat proklamiert hat, hält sich der McAllister-Vertraute lieber eng ans verabredete Procedere.

Zuverlässigkeit gilt schon seit langem als eines seiner Markenzeichen — ob in seiner Zeit als knallharter Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagfraktion von 2003 bis 2009 oder als Staatssekretär (2009) und später als pragmatischer Hausherr (2010 bis 2013) im Kultusministerium. Parteiübergreifenden Respekt hat er sich dort erworben. „Sein Wort galt immer“, schwärmt Eberhard Brandt, der Landeschef der Lehrergewerkschaft GEW. Mit Althusmann — im Gegensatz zu seinen beiden CDU-Vorgängern Busemann und Elisabeth Heister-Neumann — habe man auch schwierigste Probleme vernünftig besprechen können. Der Reserveoffizier hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die CDU ihr striktes Nein zu den von vielen Eltern geforderten neuen Gesamtschulen lockerte.

„Das schulpolitische Feld war zu lange von Ideologien besetzt“, sagt der dreifache Vater im Rückblick. „Dabei geht es doch um die Zukunft unserer Kinder; sie brauchen die beste Qualität für ihre Bildung.“ Das klingt schon fast wie eine Bewerbungsrede.

Ärger um Plagiatsvorwürfe ohne Blessuren überstanden

Den Ärger um Plagiatsvorwürfe bei seiner Promotion überstand er nicht zuletzt durch Bescheidenheit und ein geschicktes Krisenmanagement ohne Blessuren. Nach einer Prüfung durch die Uni Potsdam durfte Althusmann seinen Doktor-Titel behalten.

Politische Leidenschaft und die Fähigkeit des Zuhörens benennt der Spitzenkandidat in spe seine persönlichen Eigenschaften. Gelassenheit sei seit seinen zweieinhalb Jahren in Namibia als Leiter der dortigen Konrad-Adenauer-Stiftung dazugekommen. Der extreme Gegensatz von Arm und Reich im südlichen Afrika habe seinen Blick für das Wesentliche geschärft.

Ein weiteres Mitbringsel aus Namibia erfreut die ganze Familie in Heiligenthal. Mit einem Berner Sennenhund war Althusmann nach der Wahlniederlage der CDU 2013 nach Namibia umgezogen. Aus einem Tierheim in Windhuk holte er sich zusätzlich eine Labrador-Mix-Hündin. Mit beiden Tieren zogen die Althusmanns nun zurück in ihr altes Haus. „Das war zwar sehr aufwändig; am Ende ist aber alles gut gegangen. Die Hunde verstehen sich prächtig. Peter Mlodoch

9 Kommentare

  1. Aufrichtigkeit hat Althusmann ja schon bei der Anfertigung seiner läppischen Doktorarbeit bewiesen. Ob ihn tatsächlich „Bescheidenheit und ein geschicktes Krisenmanagement“ vor der Aberkennung seines Titels bewahrt haben, oder die für eine Mini-Uni wie Potsdam übermächtige Position des damaligen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, werden die Historiker klären.

    „Politische Leidenschaft und die Fähigkeit des Zuhörens benennt der Spitzenkandidat in spe seine persönlichen Eigenschaften“? Der erste Teil mag stimmen, denn schließlich hat Althusmann außer „politischer Leidenschaft“ nicht viel gelernt. Aber von seiner „Fähigkeit des Zuhörens“ war wenig zu bemerken, als er das „Turbo-Abitur“ gegen den Willen der Eltern und den Widerstand der allermeisten Gymnasiallehrer mit durchpeitschte.

    Jetzt liest man, die Reform sei „absolut gescheitert“. Es gebe „kein einziges pädagogisches Argument“ für G8. Niedersachsen kehrte nach den Sommerferien 2014/15 als erstes Bundesland zum Abitur nach 13 Schuljahren zurück.

    „Kinder brauchen die beste Qualität für ihre Bildung“?

    Althusmänner brauchen offenbar die beste Qualität von PR-Artikeln für ihre Nominierung.

    • Althusmänner brauchen offenbar die beste Qualität von PR-Artikeln für ihre Nominierung.
      der satz ist besser, als sie selbst glauben. wie sie heißen ist egal. blender sind sie alle.

    • Dafür hat er aber einen tollen Berater. Die geballte Faust demonstriert Stärke und Durchsetzungskraft.

      • „… einen tollen Berater“ ?

        Ich würde sagen, einen mit mit viel Sinn für abstoßenden Propagandakitsch. Aber der wurde ja bestimmt auch von Althusmann persönlich ausgesucht.

      • Also für mich siehts aus als würd er ganz arg mal müssen, sichs aber verkneifen weil er ja weiss, das Fotografierschuhting is gleich zuende un er kann hintern Baum.

  2. Kevin Manuel Schnell

    Wenn ich lese, wie etwa Niels Webersinn, der junge Fraktionsvorsitzende der CDU im Lüneburger Stadtrat gestern schreibt, schon im September 2011 habe „es den starken Wunsch der CDU-Mitglieder [gegeben], sich [endlich glaubhaft von den Altlasten u. a. der bedrückenden Ära Althusmann] zu ›befreien‹“ (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/360319-360319#comment-72194), dann erschließt sich mir nicht, wie es in der „Kurfürstenrunde“, also „im Landesvorstand und unter den Bezirksvorsitzenden der Union“ sowie „ÜBERALL in den Parteizirkeln“ heißen kann, der Vorschlag für die Spitzenkandidatur bei der niedersächsischen Landtagswahl 2018 und für den Parteivorsitz der Landes-CDU müsse Bernd Althusmann lauten.

  3. die wahl in berlin wird zeigen, wer was dazu gelernt hat. wer mit der cdu koaliert , wird bei der nächsten wahl bestraft. fdp ist rausgeflogen, die spd lebt gerade noch.usw. diese alternativlosigkeit fordert nun mal ihre opfer. wenn die spd jemals wieder was zu sagen haben will, ohne katzentisch, sollte sie mal mit dem denken anfangen und ihre seeheimer in die wüste schicken. dieses wird aber nicht passieren. seilschaften werden es wie üblich verhindern.

  4. Noch nie hat Bernd Althusmann sein Mandat direkt gewonnen. Jetzt wird erstmal ein Wahlbezirk gesucht in dem sogar Bernd Althusmann gewinnen kann! Tolle Voraussetzungen für einen Spitzenkandidaten! Wer soll da CDU wählen??!