Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die 200 im Fenster signalisiert: die Heiligengeistschule feiert Jubiläum. Schulleiterin Barbara Geck freut sich auf viele Gäste. Foto: us
Die 200 im Fenster signalisiert: die Heiligengeistschule feiert Jubiläum. Schulleiterin Barbara Geck freut sich auf viele Gäste. Foto: us

Heiligengeistschule feiert 200-Jähriges

Lüneburg. Es war ein Zustand, den Superintendent Christoph Johann Rudolf Christiani nicht länger hinnehmen wollte. Ihn störte, dass nur Kinder gut betuchter Bürger die Möglichkeit hatten, in Lüneburg eine Schule zu besuchen. Zwar gab es immer mal wieder auch Unterricht für Kinder einfacher Leute, doch die Qualität dieser treffend als „Winkelschulen“ bezeichneten Einrichtungen war in der Regel katastrophal. Christiani beschloss daher, in Lüneburg mit der Heiligengeistschule eine Grundschule ins Leben zu rufen, die nicht nur höheren Qualitätsansprüchen genügen sollte, sondern auch für jedermann zugänglich war. Das war vor 200 Jahren. Mit einem Fest begeht die Schule heute ihr rundes Jubiläum.
„Eigentlich hätte unser Fest im Juni stattfinden sollen, doch da waren schon Sommerferien“, erklärt Schulleiterin Barbara Geck, warum erst jetzt gefeiert wird. Denn der offizielle Eröffnungstermin und erste Schultag der in den Räumen des damaligen Heiligengeiststifts eingerichteten Schule war der 27. Juni 1816.

217 Schüler und drei Lehrer zum Start

Mit 217 Schülern und drei Lehrern ging es an den Start. Weil die Zahl der Lernwilligen deutlich höher war, als die Räume im Heiligengeiststift Platz boten, wurden einige von ihnen zunächst in anderen Lüneburger Einrichtungen untergebracht. 1867 dann konnten alle Schüler in dem Schulneubau untergebracht werden, der an der Stelle der früheren Kapelle errichtet wurde. Von ihr ist der imposante Dachreiter erhalten geblieben.

Die Schule fand in der Bevölkerung schnell Zuspruch. Bereits 1868 war die Schülerzahl auf 994 geklettert, ihren Höhepunkt erreichte sie laut Schulchronik im Jahr 1891 mit 1806 Schülern. Die Beliebtheit spiegelte sich aber auch in den Klassengrößen wider. „In der Regel waren 70 bis 90 Schüler in einer Klasse, die größte Klassenstärke lag bei 140 Schülern“, berichtet Geck, „für heutige Verhältnisse unvorstellbar.“

Dem Qualitätsanspruch von Gründer Christiani wurde auch in der Folge stets Beachtung geschenkt. Einem überlieferten Bericht einer Lehrerkonferenz von 1863 zufolge machten sich die Päd­agogen über geeignete Lehrstoffpläne und Unterrichtskonzepte ebenso Gedanken wie über Prüfungsordnungen für die Schulabgänger der Grundschule.

Eine Grundschule ist die Heiligengeistschule auch heute noch. Einen besonderen Status erhielt sie 1974, als die ersten Sprachförderklassen eingerichtet wurden, 1979 kam die erste Sprachlernklasse dazu, damals für schulpflichtige Kinder der aus Vietnam geflüchteten Boat People, heute für Kinder der nach Lüneburg gekommenen Flüchtlingsfamilien. Aktuell besuchen 206 Schüler die Heiligengeistschule, davon 50 mit Migrationshintergrund, die von 20 Lehrern unterrichtet werden.

Historisches Eingangsportal oben auf der Agenda

Aktuell steht die Wiederherstellung des historischen Eingangsportals auf der Agenda von Schulleiterin Geck. „In diesem Jahr wird es aber wohl nichts mehr damit, die Stadt hat das aber fürs nächste Jahr in Aussicht gestellt.“ Unterstützung hat zudem der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt zugesagt. Ein weiteres Projekt ist das Thema Ganztagsschule. Einen Herzenswunsch hat Barabara Geck aber auch: „Unsere Räume müssten dringend renoviert werden.“
Heute steht aber erst einmal die Jubiläumsfeier an. Um 15 Uhr geht es mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Innenhof der Schule los, es gibt Darbietungen von Schüler-Gruppen und einzelnen Klassen, die „lütten Plattgeisters“ haben ein Theaterstück eingeübt, eine Foto-Ausstellung dokumentiert das Schul-Motto „Hand in Hand“. Speisen und Getränke stehen für Gäste und Interessierte bereit. Zum Abschluss gegen 17 Uhr soll gemeinsam die Schulhymne gesungen werden. us