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Wegen offener Fragen will der Landkreis Harburg als zuständige Behörde die von den Hamburger Wasserwerken beantragte Förderung von Grundwasser in der Nordheide nur gestaffelt genehmigen. Zunächst soll die Fördermenge sogar noch reduziert werden. Symbolbild: A/be
Wegen offener Fragen will der Landkreis Harburg als zuständige Behörde die von den Hamburger Wasserwerken beantragte Förderung von Grundwasser in der Nordheide nur gestaffelt genehmigen. Zunächst soll die Fördermenge sogar noch reduziert werden. Symbolbild: A/be

Gestaffelte Grundwasserförderung empfohlen

Winsen/Luhe. Bis zu 18,4 Millionen Kubikmeter Grundwasser jährlich für die Dauer von 30 Jahren wollen die Hamburger Wasserwerke (Hamburg Wasser) künftig aus der Nordheide beziehen, um so den Wasserdurst der Freien und Hansestadt zu löschen (LZ berichtete). Der Landkreis Harburg als zuständige Genehmigungsbehörde hat dem jetzt aber zumindest vorläufig einen Riegel vorgeschoben: In der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Umwelt- und Klimaschutz sprachen sich dessen Mitglieder dafür aus, dem Antrag „zunächst gestaffelt“ zu entsprechen. In einem ersten Schritt sollen 12,1 Millionen Kubikmeter, also zwei Drittel der Antragsmenge, gefördert werden dürfen.

Zurzeit fördert Hamburg Wasser durchschnittlich 15,7 Millionen Kubikmeter Heidewasser jährlich aus der Nordheide dies noch auf der Grundlage einer Übergangserlaubnis der damaligen Lüneburger Bezirksregierung von 2004. Diese Erlaubnis wurde erteilt, bis ein neues Antragsverfahren abgeschlossen ist.

Ein zähes Ringen 

Seit mehr als zehn Jahren ringen Hamburg Wasser, Kommunen, Landwirte, Umweltverbände und Bürger um das richtige Maß der Wasserförderung in der Nordheide. Kritiker monieren, dass in den Jahren seit der Genehmigung der Wasserförderung 1974 durch das Absenken des Grundwasserspiegels in der Heideregion zahlreiche Schäden in der Natur entstanden sind.
Von Seiten der Verwaltung heißt es jetzt: „Die Kreisverwaltung hat die Antragsunterlagen geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass trotz umfangreicher Unterlagen- und Gutachterpakete, die die Hamburger Wasserwerke eingereicht haben, noch nicht abschließend festgestellt werden kann, ob und inwiefern von der beantragten Grundwasser-Menge Auswirkungen auf die Grundwasser- und Oberflächenwasserkörper möglich sind und welche Wasserkörper in welcher Weise betroffen sind.“

Harburgs Kreisrätin Monika Scherf erläutert die Beschlussempfehlung der Verwaltung: „Nachteilige Wirkungen der Grundwasserentnahme auch auf naturschutzfachlich wertvolle Bereiche sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit letzter Gewissheit auszuschließen.“ Dennoch halte es die Verwaltung für erforderlich, die Erlaubnis jetzt durch eine neue, den aktuellen Anforderungen entsprechende, Fördergenehmigung abzulösen.

Verwaltung schlägt gehobene Erlaubnis vor

Die Kreisverwaltung schlug der Kreispolitik daher vor, den Hamburger Wasserwerken die beantragte Grundwasserförderung in Form einer „gehobenen Erlaubnis“ zu erteilen. Zum anderen solle die Fördermenge aufgrund der noch offenen Fragen zunächst gestaffelt zugelassen werden, in einem ersten Schritt 12,1 Millionen Kubikmeter. „Der Landkreis Harburg will sich vorbehalten, auf Grund neuer Erkenntnisse in das Verfahren einzugreifen“, erklärte Pressesprecher Johannes Freudewald.

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz schlossen sich die Ausschussmitglieder mit sieben zu sechs Stimmen mehrheitlich der Beschlussempfehlung der Verwaltung an. Begeistert davon waren, so hieß es aus der Sitzung, naturgemäß aus unterschiedlichen Gründen weder die Vertreter von Hamburg Wasser noch Umweltschützer. Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause, der sich in der Vergangenheit mehrfach zum Thema geäußert hatte, zeigte sich irritiert. „Was das für uns bedeutet, kann ich nicht sagen“, sagt er, der sich vor allem auch um die Wasserversorgung der eigenen Region sorgt.

Am 19. September wird der Kreisausschuss über das Thema beschließen, der Kreistag am 26. September.

Von Ingo Petersen

Das sagt Hamburg Wasser

Auf LZ-Anfrage erklärte Sabrina Schmalz von Hamburg Wasser, der Maximalbedarf von 18,4 Millionen Kubikmetern pro Jahr sei „umfänglich und schlüssig nachgewiesen worden“. Schmalz: „Die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie stellt in ihrem aktuellen Statusbericht Trinkwasserversorgung fest, das diese Menge zur gebotenen Absicherung der Trinkwasserversorgung von Hamburg und den mitversorgten Umlandgemeinden vollumfänglich erforderlich ist.“

Hamburg Wasser habe im Wasserrechtsverfahren vollständige und prüffähige Antragsunterlagen vorgelegt. Schmalz: „Dies hat der Landkreis schriftlich bestätigt.“ Seitens der Behörde geforderte Ergänzungen der Unterlagen resultieren aus neueren Gerichtsurteilen zu anderen Verfahren wie zum Beispiel der Weservertiefung, die „aber inhaltlich keine Änderungen zur Folge haben“. Umfassend werde sich Hamburg Wasser äußern, wenn der Zulassungsbescheid vorliegt.

One comment

  1. Warum eigendlich gleich für 30 Jahre?

    5-10 Jahre und dann mal sehen was passiert.

    Es ist aber immer das selbe:

    Hamburg will, macht und baut und die Kreise drumrum dürfen die Folgen tragen.