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Unter dem Kühlwasser lagern die Brennstäbe im Lagerbecken des stillgelegten Kernkraftwerks Krümmel. Foto: tja
Unter dem Kühlwasser lagern die Brennstäbe im Lagerbecken des stillgelegten Kernkraftwerks Krümmel. Foto: tja

Castor rollt nach Krümmel

Von Timo Jann
Geesthacht. Am kommenden Montag soll im Kernkraftwerk Krümmel die Entnahme der bestrahlten Brennelemente beginnen. Das teilte der Energiekonzern Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE) jetzt mit. Zunächst sollen bis Oktober vier Castor-Behälter gefüllt werden. Im November und Dezember folgen dann vier weitere Castor-Behälter. Jeder bietet Platz für 52 Brennelemente, die zurzeit noch im Lagerbecken des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt stehen. „Wir machen das zunächst in zwei Kampagnen und werden die Maßnahme 2017 fortführen“, berichtet Kraftwerksleiter Torsten Fricke. Insgesamt müssen 21 Castor-Behälter beladen werden.
In Betrieb genommen wurde Krümmel am 14. September 1984. Wegen mehrerer technischer Schwierigkeiten zwischen 2007 und 2009 sowie dem Beschluss zum Atomausstieg der Bundesregierung 2011 ist die Anlage endgültig stillgelegt. 840 Brennelemente hatten früher während des Betriebs das Wasser im Reaktordruckbehälter erhitzt und so Dampf erzeugt, der die Turbine mit mehr als 1400 Megawatt Leistung antrieb. Da Krümmel kurz vor dem Wiederanfahren stand, war der Kern der Anlage gefüllt. Hinzu kommen Brennelemente, die während der Revision getauscht worden waren.
Von den 21 benötigten Castor-Behältern stehen bereits 17 in Krümmel. Im kommenden Jahr soll die Anlage frei von Brennelementen sein. Das ist eine der Bedingungen, um den 2015 von VENE bei der Atomaufsicht des Landes beantragten Rückbau des Atommeilers starten zu können.
Um die Castorbehälter im Standortzwischenlager (SZL) unterstellen zu dürfen, darf deren Wärmeentwicklung nur bei 60 Grad liegen. Da die Brennelemente in Krümmel bereits so lange unbestrahlt im Lagerbecken standen, beträgt die Temperatur der zu füllenden Castor-Behälter wahrscheinlich nur etwa 35 Grad, so Fricke. „Wir haben nur noch wenig Restzerfall“, begründet Fricke die erwartete geringe Temperaturentwicklung durch die Brennelemente.
Noch bis Monatsende läuft außerdem die jährliche Revision der Anlage. Dabei kümmern sich vor allem die zurzeit 230 VENE-Mitarbeiter am Standort um wiederkehrende Prüfungen. Früher waren zusätzlich bis zu 1000 externe Fachleute aktiv, um die Arbeiten schnell zu erledigen. Heute schöpft man den zulässigen viermonatigen Zeitraum aus. Im Rahmen der so genannten „Full System Decontamination“ (FSD) wurde bereits eine abgelagerte Oxidschicht in den Rohrleitungen beseitigt. Die gilt als kontaminiert. 450 Kilo wurden entfernt, 9,3 Kubikmeter dieser Harze müssen in ein mögliches Endlager gebracht werden. Durch die FSD reduziert sich die Strahlenbelastung der Arbeiter während der Demontage der Leitungen.
Fricke kündigte außerdem an, dass man das SZL erweitern muss, um die beim Rückbau anfallenden radioaktiven Materialien lagern zu können. Im SZL sollen im kommenden Jahr insgesamt 42 Castor-Behälter stehen, für Fässer mit nicht so stark strahlendem Abfall ist die Erweiterung nötig.

One comment

  1. das ist so gemein, die grünen sind alt geworden. im wege steht da keiner mehr. schmunzel. p.s. karriere ist wichtiger.