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Michèl Pauly sitzt weiter im Rat. Der Wahlkampf aber blieb für den Chef der Linken nicht folgenlos, und zwar wegen dieses Wahlplakats. Montage: jj
Michèl Pauly sitzt weiter im Rat. Der Wahlkampf aber blieb für den Chef der Linken nicht folgenlos, und zwar wegen dieses Wahlplakats. Montage: jj

Michèl Pauly verliert Job vermutlich wegen eines Plakats

Von Antje Schäfer
Lüneburg. Michèl Pauly hatte im Wahlkampf die Spendierhosen an: kostenlose Kita, Uni, Busse und mehr. Die Linke fuhr unter seiner Ägide einen beachtlichen Wahlerfolg in der Hansestadt ein, Pauly zieht mit drei Parteikollegen in den neuen Rat ein. Eines der provokanten Plakate der Linken-Kampagne hat aber vermutlich dafür gesorgt, dass der politische Erfolg für ihn beruflich zum Pyrrhussieg wurde. Er ist seinen Posten los, musste sich auf dem Arbeitsamt melden und gehört nun zu denen, für die er streitet. Dabei war er nicht irgendwo angestellt, sondern im Grunde beim politischen Widerpart.

Bauherrn des Projektes sind Felix-Benjamin und Eberhard Manzke

Als der Volkswirt vor drei Jahren bei der Firma Manzke eingestellt wurde, sorgte das schon für Aufsehen. Schließlich sitzt der Seniorchef Eberhard Manzke für die CDU — noch bis zum Ende dieser Wahlperiode — im Rat. Den Manzkes wurde das als liberale Grundhaltung hoch angerechnet, manch Linker mag geargwöhnt haben, dass sich Pauly womöglich mit dem Kapital gemein mache. Das alles änderte sich mit dem Wahlplakat der Linken, das den Wohnpark am Wasserturm zeigte mit dem Slogan „Das Beste an Lüneburg ist sein sozialer Wohnungsbau. Sozialwohnungen statt Luxusbauten“. Bauherrn des Projektes sind Felix-Benjamin und Eberhard Manzke.

„Modalität des Auseinandergehens wird rechtlich geklärt.“

Laut Pauly wurden die Plakate in der Linken abgestimmt. „Ich war wegen meines Arbeitgebers gegen genau dieses Motiv, habe aber nicht um meine Vetoposition gebeten, da ich es aus Prinzip wichtig finde, dass Parteien und Kampagnen nicht vor materiellen Abhängigkeitsverhältnissen zurückschrecken.“ Als die Plakate hingen, sei er von seinem Arbeitgeber aufgefordert worden, dass diese verschwinden. Das passierte bekanntlich nicht. Pauly erhielt am vergangenen Montag, 12. September, die Kündigung mit der Begründung, das Arbeitsverhältnis sei zerrüttet, schildert er. In dem Schreiben wurde ihm mitgeteilt, dass sein Arbeitsverhältnis Ende Oktober enden würde. „Für den Oktober würde ich freigestellt.“ Das sei der Belegschaft inzwischen auch bekannt gemacht worden. „Ich werde bis Ende September noch in der Firma arbeiten, weil mir die Tätigkeit Spaß macht und ich eine ordentliche Übergabe machen möchte.“

Um eine Stellungnahme gebeten, sagte Eberhard Manzke: Zu einer Personalie gebe man grundsätzlich keine Auskunft.

Auf die Frage, ob er zum Arbeitsgericht gehen werde, erklärte Pauly gegenüber der LZ: „Die Modalität des Auseinandergehens wird rechtlich geklärt.“ Bewerbungen für einen neuen Arbeitsplatz hat er inzwischen rausgeschickt.

Erneut Fraktionschef

Bei der konstituierenden Sitzung der Linksfraktion im Stadtrat wurde Michèl Pauly erneut zum Fraktionsvorsitzenden mit drei Ja-Stimmen — bei eigener Enthaltung — gewählt. Wie in den vergangenen fünf Jahren wolle man auch künftig eigene Inhalte nach vorne bringen und dafür jeweils Mehrheiten suchen, macht Pauly deutlich. „Am wahrscheinlichsten wird dies mit wechselnden Mehrheiten und ohne fixe Mehrheitsgruppe funktionieren. Wir werden themenspezifisch Gespräche sowohl mit SPD und Grünen als auch CDU und FDP nicht scheuen, wenn es für progressive Mehrheiten sinnvoll sein wird.“ Themenschwerpunkte sollen unter anderem die Gleichstellung der Geschlechter und die Integration von Geflüchteten sein.

Mehr dazu auch im Blog. jj

Pauly und die Plakat-Affäre: Ende eines Misstverständnisses

14 Kommentare

  1. dass Parteien und Kampagnen nicht vor materiellen Abhängigkeitsverhältnissen zurückschrecken.“
    schmunzel. so manche partei kann sich erst kampagnen leisten, wenn der ,,richtige,, vorher gut ,,gespendet,, hat. unsere demokratie hängt am geld. und da unsere politiker ihr hoheitsrecht über das geld schon lange verspielt haben, man hat es wie so vieles privatisiert und dabei kräftig schulden gemacht, hat herr pauly zwar recht, er wird es nur nicht bekommen. seine einstellung finde ich löblich . nur , diese haben zu wenige. und was ich von dem verhalten der familie manzke halte, schreibe ich lieber nicht. ich bin nur gespannt, wann das nächste ,,schnäppchen ,, von ihr erbeutet wird. ob ein herr niels webersinn dazu auch eine eindeutige meinung hat?

  2. ich habe noch was vergessen, scheindemokraten gibt es meiner meinung nach überdurchschnittlich unter politikern. besonders dann, wenn sie auch noch unternehmer sind.

  3. Jochen Jendreieck

    Oh, das tut mir sehr leid für Herrn Pauly und seine Familie. Aber das Plakat war eine unnötige Provokation. Zwar ist Herr Pauly nicht alleine verantwortlich, doch als Partei und Fraktionsvorstand sicher auch nicht völlig unschuldig an der Auswahl und Verwendung dieses sagenhaft dummen Bildmotivs. (Dumm, weil die unschöne Front auf den ersten Blick ohne weiteres für die ästhetische Tristesse „sozialen“ Schuhschachtelbauens à la Kaltenmoor gehalten werden konnte und die „ironische“ Botschaft für den „normalen“ Betrachter/Passanten schlicht nicht zu fassen war. Eine dekorativ gebaute Stadtvilla frisch aus dem Workout-Studio hätte da bestimmt mehr geleistet.) Für die „liberale“ Firma Manzke, deren ergrauendes Oberhaupt durch diese linke „Themenaktion“ erneut in seiner erstaunlichen Rollenvielfalt im Lüneburger Polkt- und Wirtschaftsleben sichtbar wurde, wird jedoch, da bin ich mir sicher, „die Trennung“ von diesem intelligenten, fleißigen und absolut integeren Mitarbeiter ein schwer zu kompensierender Verlust sein. Gratulieren darf man schon jetzt dem Unternehmen, dem es gelingt, eine hochbegabte Fach- und Führungskraft wie Michèl Pauly für sich zu gewinnen.

  4. Dass dieses Arbeitsverhältnis wohl schon immer für BEIDE Seiten etwas Besonderes gewesen sein musste, kann ich mir gut vorstellen. Einige der erforderlichen Verrenkungen und das merkwürdigen Wahlposter werden in ihrer Problematik schon ab hier: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/348726-schlachthof-wartet-auf-abriss-freigabe#comment-71276 von anscheinend ziemlich gut informierten Kommentatoren genau diskutiert. Unter anderen melden sich auch Fahrenwaldt und sogar zweimal Pauly zu Wort.

    • Wieso soll das Arbeitsverhältnis etwas besonderes gewesen sein? Die politische Einstellung und Haltung ist doch bei den meisten Arbeitsverhältnissen völlig egal. Hauptsache der Job wird gut gemacht. Das die Linke jetzt Pauly gelinkt hat, da sie sich die Provokation und die Folgen für Pauly hätte denken können und trotzdem dieses Plakat durchdrückt, obwohl es zig andere passendere Motive gegeben hätte zeigt einmal mehr mit was für einen Haufen man es mit den SED Nachfolgern zu tun hat, Pfui Deibel. Herr Pauly hätte im übrigen auch wissen müssen, dass es in der Regel nicht ausreicht etwas unbeteiligt durchgehen zu lassen, wenn man es hätte verhindern können. Wegducken reicht nicht.

      • Ähm ja und die CDU/SPD sind dann der Logik nach die NSDAP Nachfolgepartein?
        Meine ja nur, viele Leute die vorher in der NSDAP waren sind dann in diese Parteien gegangen. q.e.d.

        • @Michael Baudler
          Es lässt sich nicht bestreiten,daß die o.g. Parteien mit Wissen,was man für Mitglieder in der Partei hat und welche Vorgecshichte sie hat, keinerlei Massnahmen ergriffen hat,um die entsprechenden Personen öffentlich zu machen und dern Bestrafung zu verlangen. Dies wurde stillschweigend geduldet. Wie vieles andere eben auch. Heute weiss niemand mehr davon und die Bösen sind die AFD.

        • Kleine Nachhilfe mal am Rande Herr Baudler: Selbst vor Gericht hat die neue Linke ihr Verhältnis zur alten SED klargestellt. Lafontaines Partei bezeichnete sich selbst als Rechtsnachfolgerin der Partei von Honecker und Ulbricht .An Eides Statt erklärte Bundesschatzmeister Karl Holluba: „,Die Linke‘ ist rechtsidentisch mit der ,Linkspartei.PDS‘, die es seit 2005 gab, und der PDS, die es vorher gab, und der SED, die es vorher gab.“
          Geschichte sollte man Wissen und nach Möglichkeit auch verstehen.

      • @ Peter

        Lesen Sie mal die Kommentare nach unten weiter ab und inklusive dem, den Antonia über Ihnen verlinkt hat. Dann bekommen Sie eine Ahnung von dem Dynamit, das in diesem Beschäftigungsverhältnis drinne steckte.

      • Peter
        Wieso soll das Arbeitsverhältnis etwas besonderes gewesen sein? Die politische Einstellung und Haltung ist doch bei den meisten Arbeitsverhältnissen völlig egal.
        sie sind auf dem holzweg. gut bei der kirche zu erkennen. sie ist der größte arbeitgeber, aber wehe man ist nicht deren glauben , oder verhält sich nicht nach ihren spielregeln. da fliegt sogar so mancher chefarzt.

        • Och der Bruns wieder, Peter sprach ja von den Meisten und nicht von den Größten und ich denke der Kieche ist die politische Meinung auch egal, aber der Pastor sollte schon glauben, da gebe ich Ihnen recht. Er sollte bei den Katholiken sicher auch Katholik sein.

          • Bert
            haben sie mal wieder bahnhof verstanden? bei strassenfegern wird die politische gesinnung wohl kaum ein rolle spielen, schmunzel. bei leitenden angestellten sieht dieses schon ganz anders aus. aber woher sollen sie das auch wissen?

  5. Diese Kündigung war seit dem „corpus delicti“ bei der Familie Manzke sicher schon vor der Wahl entschieden. Einmal mehr ein kluger politischer Schachzug dies erst nach der Wahl auszusprechen. Denn vorher hätte es den Linken durchaus eventuell zusätzliche Stimmen einbringen können. Aber Herr Manzke sen. (inzwischen sicher auch der Junior) ist ein alter Fuchs. Nicht nur politisch. Das haben andere Kommentatoren bereits anklingen lassen. Wer sich in Lüneburg über Jahrzehnte für Politik und Wirtschaft interessiert und damit beschäftigt hat weiß schon was ich meine.

  6. Ich verstehe nicht, warum die Firma Manzke Herrn Pauly gekündigt hat. Die beiden passen doch hervorragend zusammen. Schließlich darf man nicht vergessen, dass Herr Pauly – bereits Mitglied des Rates der Stadt Lüneburg – eine Ausnahmegenehmigung zum Parken im Anwohnerbereich plump gefälscht hat und dafür auch zur Rechenschaft gezogen wurde.
    Lediglich das „zur Rechenschaft gezogen werden“ fehlt den Manzkes noch…