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Die geplante Fortführung der Autobahn 39 Lüneburg-Wolfsburg soll zwischen den Anschlussstellen (AS) Lüneburg Nord und Erbstorfer Landstraße einen zusätzlichen Fahrstreifen erhalten.  Foto: A/t&w
Die geplante Fortführung der Autobahn 39 Lüneburg-Wolfsburg soll zwischen den Anschlussstellen (AS) Lüneburg Nord und Erbstorfer Landstraße einen zusätzlichen Fahrstreifen erhalten. Foto: A/t&w

Autobahn 39: Sechste Spur mit neuem Namen

Von Malte Lühr
Lüneburg. Die geplante Fortführung der Autobahn 39 Lüneburg-Wolfsburg soll zwischen den Anschlussstellen (AS) Lüneburg Nord und Erbstorfer Landstraße einen zusätzlichen Fahrstreifen erhalten. Das teilte am Freitag das Verkehrsministerium in Hannover mit. Von einem „sechsstreifigen Ausbau“ wie bisher ist allerdings nicht mehr die Rede. Vielmehr wird auf dem rund vier Kilometer langen Teil des ersten Bauabschnitts zusätzlich zu den bisherigen vier Spuren ein sogenannter Verflechtungsstreifen je Fahrtrichtung vorgesehen. Dieser solle das Auf- und Abfahren auf die Autobahn leichter und sicherer machen, heißt es aus Hannover.

Zusätzlicher Fahrstreifen wie am Bilmer Berg

Unbekannt sind Verflechtungsstreifen in Lüneburg nicht, auch wenn kaum ein Autofahrer wissen dürfte, dass diese Fahrbahnabschnitte so heißen. So gibt es einen Verflechtungsstreifen im Zuge der Auffahrt vom Gewerbegebiet Bilmer Berg auf die Bundesstraße 216 in Richtung Barendorf. Die zusätzliche Fahrspur ist rund einen Kilometer lang und mündet in die Abfahrt auf die Landesstraße 221 Richtung Industriegebiet Hafen und weiter nach Bleckede. Fahrer, die vom Bilmer Berg aus in Richtung Bleckede wollen, müssen so erst gar nicht auf die B216 auffahren.

Das Gleiche ist auf der geplanten A39 vorgesehen. Fahrer, die die Autobahn nur nutzen, um innerhalb Lüneburgs schneller vorwärts zu kommen, nutzen die Verflechtungsstreifen zwischen beiden Anschlussstellen, ohne dem regionalen und überregionalen Verkehr in die Quere zu kommen. Das ist der Plan. Deshalb sagt Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies: „Mit dem zusätzlichen Verflechtungsstreifen im Lüneburger Abschnitt machen wir die Autobahn sicherer. Die veränderte Planung zeigt einmal mehr, wie dringend notwendig der Bau der A39 ist.“ Der Minister geht nach wie vor davon aus, dass der Bau „wie bisher kommuniziert und vorgesehen, noch 2019 erfolgen“ kann. Der weitere Fahrplan laut Lies: Bereits 2018 Spatenstich bei Wolfsburg, 2024 Baustart für den letzten der sieben Abschnitte.

Fest steht aber auch, dass das Planfeststellungsverfahren bei Lüneburg wegen der veränderten Planung in Teilen neu aufgerollt werden muss (LZ berichtete). Unter anderem ist ein neuer Erörterungstermin erforderlich. Grund ist eine neue Verkehrsuntersuchung (siehe Info-Box).

Planungen für Tunnel am Ebensberg nicht betroffen

Bewährt haben sich Verflechtungsstreifen laut Ministeriumssprecher Stefan Wittke bereits auf der A2 zwischen Lehrte und Hannover Ost. Dort verläuft der Streifen jedoch auf der Standspur. Das soll in Lüneburg anders werden. „Neben dem Verflechtungsstreifen wird aus Sicherheitsgründen auch eine Standspur geplant“, sagt Wittke. Ob der bisher für den Autobahnbau vorgesehene Raum im Zuge der neuen Planung ausreicht, steht zwar noch nicht fest, aber die Planer geben sich optimistisch. In der bisherigen Planung sei ohnehin schon der spätere Bau einer fünften und sechsten Spur berücksichtigt worden. „Sollte der Platz dennoch nicht reichen, können wir mit bautechnischen Änderungen wie steileren Böschungen und Stützwänden weiteren Platz gewinnen“, sagt der Ministeriumssprecher. Die Planungen für den rund 400 Meter langen Tunnel nördlich der Anschlussstelle Erbstorfer Landstraße sind laut Wittke von den Änderungen nicht betroffen.

In Berlin angemeldet mit vier, nicht mit sechs Spuren

Die nun vorgesehene Planung mit Verflechtungsstreifen statt einer fünften und sechsten Spur hat möglicherweise auch noch einen anderen Hintergrund: Angemeldet war die A39 mit vier, nicht mit sechs Fahrstreifen, und so steht sie auch im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans.

Veranschlagt sind für den Bau der A39 rund 1,1 Milliarden Euro.

Fast 65000 Fahrzeuge täglich

Hintergrund für die veränderte Planung ist die neue Verkehrsuntersuchung für die A39 auf Grundlage der sogenannten Verflechtungsprognose des Bundesverkehrsministeriums für das Jahr 2030. Demnach rechnen die Planer mit einem weiteren Anstieg des Fahrzeugaufkommens im ersten Abschnitt der A39 von 61300 Fahrzeugen täglich im Jahr 2025 auf 64300 Fahrzeuge drei Jahre später — ein Plus von fast fünf Prozent.

Wegen der höheren Verkehrsbelastung und der vielen Anschlussstellen im Bereich Lüneburg halten die Planer den Verflechtungsstreifen aus Gründen der Verkehrssicherheit für erforderlich.

One comment

  1. Herr Lies sollte endlich den Menschen der Region ehrlich gegenüber treten und nicht ständig an seiner Karriere nach seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister arbeiten. Die geplante A39 ist wirtschaftlich gesehen vollkommener Unsinn! Keine Bank würde jemanden für solch ein Projekt Geld mit solch einer schlechten Rendite geben. Schon gar nicht kann man es den Steuerzahlern der gesamten Bundesrepublik aufbürden, wenn Lobbyverbände wie die IHK Lüneburg-Wolfsburg Träumen aus dem letzten Jahrhundert nachlaufen.