Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Proteste wegen Baugebiet in Vögelsen
Ausgerechnet im Kiefernweg wirbt die Gemeinde mit bemalten Stromkästen um den Zuzug neuer Bürger. Foto: ina
Ausgerechnet im Kiefernweg wirbt die Gemeinde mit bemalten Stromkästen um den Zuzug neuer Bürger. Foto: ina

Proteste wegen Baugebiet in Vögelsen

Von Ina Freiwald
Vögelsen. Fast alle Zuschauerplätze waren besetzt, als der Rat der Gemeinde Vögelsen zur ersten Sitzung nach der Wahl zusammenkam. An sich hätte Bürgermeisterin Silke Rogge (SPD) zufrieden sein können, hatte sich ihre Partei doch mit annähernd 70 Prozent der Stimmen noch klarer als fünf Jahre zuvor von der zweitstärksten Kraft CDU absetzen können.

Doch die Stimmung im Gemeindehaus war geladen. Das zeigte sich spätestens nach der Begrüßung, als Bürgermeisterin Rogge die Sitzung für die auf die maximale Zeit von 30 Minuten begrenzte Einwohnerfragestunde unterbrach.

Bereits nach wenigen Wortmeldungen wurde klar, dass es sich bei den Anwesenden fast ausschließlich um Betroffene des geplanten Baugebiets Süderfeld III handelte. Der von ihnen bewohnte Kiefernweg grenzt an das rund sechseinhalb Hektar große Gelände.

Einer ihrer Kritikpunkte ist das nicht vorhandene Verkehrskonzept, das eine „solidarische Verteilung“ vorsehen sollte. Schon jetzt würden morgens die Autos zur vom Kiefernweg abgehenden Schulstraße viel zu schnell durch die Wohngegend mit vielen kleinen Kindern donnern. Auch eine diesbezügliche Hinweistafel wurde gefordert. Ein weiteres Problem stellt für die betroffenen Bürger das von dem Gebiet vermehrt auf ihre Grundstücke fließende Wasser dar. Eine Anwohnerin beklagte sich: „Unser Wohnzimmer ist in zwanzig Jahren schon fünf Mal vollgelaufen.“

„Es gibt eine sehr, sehr lange Liste an Interessenten“

Die Ratsmitglieder reagierten auf die zum Teil auch laut und ungehalten vorgetragenen Einwände sichtlich genervt. „Groß und breit sind die Planungen zu dieser Bebauung in den letzten zwei Jahren bereits durchgesprochen worden“, sagte Silke Rogge. „Es gibt eine sehr, sehr lange Liste von an Grundstücken Interessierten.“

Aus den Bürgerreihen wurde zurückgerufen: „Und was haben wir davon?“ Verwaltungsausschuss-Mitglied Dirk Meyer sprach daraufhin von „nicht angemessener Aggressivität“, die den Entscheidungsträgern das Gefühl gebe, „auf einer Anklagebank zu sitzen“.

Am Ende der Debatte wurde die öffentliche Auslegung des B-Plans einstimmig entschieden und somit einen weiteren wesentlichen Schritt vorangebracht.

Ebenfalls anwesend war Arndt Conrad, Leiter des Hauptamtes der Samtgemeinde Bardowick und allgemeiner Vertreter von Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann. Wortreich informierte er über den Stand der Planungen für den Windpark Bardowick und warb für die formale Aufgabenübertragung durch die Vögelsener Bürgervertreter. Auch diese verlief nach Conrads Zusicherung, dieser Schritt würde die Gemeindekasse keinesfalls belasten, einstimmig.