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Mit einem Spürhund sucht ein Polizist nach Überresten des Leichnams von Birgit Meier (kl. Foto). Vergeblich. In der Nähe des Waldstücks war der mutmaßliche Mörder zu Hause. Fotos: be/A
Mit einem Spürhund sucht ein Polizist nach Überresten des Leichnams von Birgit Meier (kl. Foto). Vergeblich. In der Nähe des Waldstücks war der mutmaßliche Mörder zu Hause. Fotos: be/A

Spurensuche im Mordfall Birgit Meier

Von Carlo Eggeling
Lüneburg. Mannschaftswagen stehen am Vrestorfer Weg, daneben Autos mit Spürhunden — rund 80 Polizisten durchsuchen am Montagmorgen das Streitmoor zwischen Vrestorf und Adendorf. Sie hoffen, dass sie die Überreste des Leichnams von Birgit Meier oder ihrer Kleidung in dem Waldstück finden. Die damals 41-jährige Meier verschwand im Sommer 1989. 27 Jahre später geht die Polizei davon aus, dass sie den Mörder ermittelt hat. Und der wohnte nur wenige Hundert Meter von der Stelle entfernt, die nun die Bereitschaftspolizei durchkämmt. Doch auch nach der Suche am Dienstag bleibt vieles offen — eine Leiche fanden die Beamten nicht.

Der Fall gehört zu den spektakulärsten und rätselhaftesten Kriminalfällen in der Region. Seit August 1989 fehlt jede Spur von Birgit Meier. Schon früh waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Frau eines Unternehmers ermordet worden war. Doch das Schicksal des Opfers wurde nicht geklärt, der Mörder nicht gefasst. Die Familie fand sich damit nicht ab. Der Bruder Birgit Meiers ist der ehemalige Hamburger Polizeipräsident Wolfgang Sielaff. Der überzeugte im vergangenen Jahr den Chef der Lüneburger Staatsanwaltschaft, Gerhard Berger, und Polizeipräsident Robert Kruse, den Fall erneut aufzurollen.

Kruse setzte, wie berichtet, den Rotenburger Ermittler Richard Kaufmann ein, der in der Vergangenheit ungelöste Verbrechen aufgeklärt hat. Er und seine Ermittlungsgruppe Iterum (der zweite Versuch) fanden einen Ansatz: Kurt-Werner W. ist aus ihrer Sicht der mutmaßliche Mörder. Der hatte damals auf einem Nachbargrundstück in Brietlingen-Moorburg gearbeitet und könnte so Kontakt zu Birgit Meier gehabt haben.

Friedhofsgärter war wegen Gewalt- und Sexualdelikten vorbestraft

W., 1959 geboren, war kein unbeschriebenes Blatt. Der Friedhofsgärter war wegen Gewalt- und Sexualdelikten vorbestraft. Fragen kann ihn keiner mehr: W. hat sich 1993 in einer Zelle erhängt. Dort saß er wegen anderer Delikte ein und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er über sein Leben klagt.

Eine These von Kaufmann lautet, dass W. den Leichnam Birgit Meiers bei einer Beerdigung mitverschwinden ließ. Als Friedhofsgärtner hätte er die Möglichkeit gehabt, die Tote in ein Grab zu legen. Die Polizei hat daher unter anderem in Heiligenthal und Bardowick alte Gräber öffnen und Proben entnehmen lassen. Doch die passenden DNA-Treffer wurden nicht festgestellt.

„Wir haben einen Hinweis auf die Stelle im Streitmoor bekommen“, sagte der Hauptkommissar am Montag. So gingen Kollegen mit Stöcken ein 100 mal 1000 Meter großes Areal ab. Dass Hoffnung besteht, nach einem Vierteljahrhundert noch Spuren zu finden, begründet Kaufmann so: „Das Gelände hat sich abgesenkt, dadurch ist einiges nach oben gekommen.“ Auch würden durch das Moor Zersetzungsprozesse verzögert.

Allerdings war die Ausbeute auf den ersten Blick eher gering. Polizeisprecherin Wiebke Hennig bilanzierte: „Die Kollegen haben alte Flaschen, Tüten und Teile eines Schuhs gefunden.“ Ob irgendetwas davon von Birgit Meier stammt, bleibt offen. Kriminaltechniker und eine Anthro­pologin sollen die Asservate nun untersuchen.

Spekulationen um einen Serienmörder

Die Hamburger Morgenpost hatte spekuliert, dass Kurt-Werner W. für weitere Taten verantwortlich sein könnte. Er könnte zwei Frauen umgebracht und die sogenannten Göhrde-Morde begangen haben: Beim Forsthaus Röthen starben im Sommer 1989 zwei Paare. Allerdings gibt es für die Polizei bislang keine konkreten Anhaltspunkte, dass die Taten alle auf W.s Konto gehen.

Wie in Sachen Kurt-Werner W. und möglicher weiterer Taten künftig vorgegangen wird, wollen die Ermittler gemeinsam mit Polizeipräsident Kruse und dem Leitenden Oberstaatsanwalt Berger am Donnerstag klären. ca

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