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Roland Dietrich und seine Kollegin Sandra Janich halten fertige Komposterde in den Händen. Foto: kre
Roland Dietrich und seine Kollegin Sandra Janich halten fertige Komposterde in den Händen. Foto: kre

Kompost gilt als das Gold der Gärtner

Von Klaus Reschke
Bardowick. Mit beiden Händen greift Roland Dietrich tief in die Erde, hält sie sich unter die Nase und zieht tief prüfend die Luft ein: „So muss Komposterde riechen!“, sagt der Betriebsleiter begeistert: Weder faulig, noch streng, noch beißend. „Fast ein wenig wie Kinderspielsand“, findet Dietrich.

Biomasse kommt im Minutentakt zur Deponie

Die Handvoll Erde, die Dietrich in die Kameralinse hält, ist das fertige Endprodukt — und hat optisch nicht mehr viel gemein mit den Grünabfällen, die wenige Meter weiter auf großen Mieten aufgeschichtet liegen und von einem Radlader in einen gigantischen Häcksler geschaufelt werden. Jetzt im frühen Herbst ist Gartenzeit. Gehölze werden zurückgeschnitten, Stauden gekappt, verblühte und vertrocknete Pflanzenteile entfernt. Im Minutentakt kommt die Biomasse auf dem Grünabfall-Platz der GfA in Bardowick an. Angeliefert von den großen GfA-Fahrzeugen, aber auch von Privatleuten mit ihren kleinen Anhängern.

Rund 17.000 Tonnen landen so jährlich in Bardowick — Ausgangsmasse für neues Pflanzenleben. In der Natur ist das Wachsen, Gedeihen und Vergehen von Beginn an Teil des Kreislaufes. Abgestorbene Pflanzenteile werden mit Hilfe von Mikroorganismen — heterotrophen Bakterien, Aktinomyzeten, Pilzen und Protozoen — in Nährstoffe umgewandelt. In einem einzigen Gramm Kompost tummeln sich bis zu zehn Milliarden Bakterien und einige Millionen Pilze — mehr Organismen, als Menschen auf unserem Planeten leben.

Herstellung durchgängig von einem unabhängigen Fremdlabor überprüft

Roland Dietrich und GfA-Vorstand Hubert Ringe muss man nicht vom Vorteil des Komposts überzeugen. Manche Gartenbesitzer, aber auch den einen oder anderen Landwirt offenbar schon. Dabei gibt es viele Gründe, die für die Bodenverbesserung mit Kompost beziehungsweise mit Komposterde sprechen. Erstens, weil es die natürlichste Art ist, und zweitens, weil auf den Einsatz von Chemie verzichtet werden kann. Das schont die Böden und das Grundwasser. „Unser Kompost wird während der Herstellung durchgängig von einem unabhängigen Fremdlabor überprüft“, sagt Dietrich. Das ist notwendig, um das RAL-Prüfzeichen für Kompost zu erhalten.

Vor allem aber ist dies Prüfzeugnis für Landwirte wichtig, die den Ertrag ihrer Felder mit dem grobkörnigen Frischkompost steigern wollen, statt mit Kunstdünger oder gar Klärschlamm. „Unser Frischkompost entspricht sämtlichen Kriterien“, sagt Dietrich, „der EU-Ökoverordnung ebenso wie der RAL-Gütesicherung“. Außerdem darf der Kompost laut Prüfzeugnis auch in Wasserschutzgebieten zur Bodenverbesserung aufgebracht werden.

Frischkompost entspricht sämtlichen Kriterien

„Trotzdem scheint das nicht allzu viele Landwirte zu überzeugen“, bedauert auch GfA-Vorstand Hubert Ringe. Nach wie vor werde auch Klärschlamm auf den Feldern als Dünger verbracht. Allerdings erhalten die Landwirte dafür Geld — Frischkompost dagegen kostet.

Sorge, dass mit dem „schwarzen Gold“ unerwünschte Samen oder Krankheitserreger zurück aufs Feld oder in den Garten gelangen, muss man nicht haben. „Unsere Mieten müssen eine Kerntemperatur von 60 Grad Celsius haben“, erläutert Dietrich, „mindestens aber 55 Grad über drei Wochen.“ Das töte die unerwünschten Sämlinge ab. Der Kompost wird so hygienisiert.

GfA produziert 14.000 Tonnen Kompost pro Jahr

Kompost ist das Kraftpaket für Pflanzen schlechthin. Rund 14.000 Tonnen Kompost produziert die GfA jährlich, vertreibt ihn unter dem Firmenlogo „Lüneland“. Wer allerdings nach dem Motto „viel hilft viel“ den Kompost im Garten verteilt, wird sich wundern: In den ersten Tagen wachsen die Pflanzen noch kräftig, dann aber gehen sie ein — „weil sie überdüngt sind,“ sagt Dietrich. Reiner Kompost wird von Dietrich und seinen Kollegen deshalb im Verhältnis 1:2 oder 1:3 mit Mutterboden zu Komposterde vermischt. Aber auch der sollte immer in den Boden eingearbeitet werden. Zum Wohle der Pflanzen, des Bodens und somit der Umwelt.