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Dr. Ulrich Picht ist ein ausgesprochener Kenner der Adendorfer Geschichte. Foto: sel
Dr. Ulrich Picht ist ein ausgesprochener Kenner der Adendorfer Geschichte. Foto: sel

Heimatforscher zeigt alte Ansichten von Adendorf

Von Silke Elsermann
Adendorf. Kaum ein anderer Ort hat sich in den letzten 40, 50 Jahren so verändert wie Adendorf. Wo sich heute Straßen durch schmucke Wohnviertel ziehen, schlängelten sich vor drei bis vier Jahrzehnten unbefestigte und unebene Sandwege durch Felder und Wiesen. Als 1980 das Rathaus eingeweiht wurde, war beispielsweise der Kirchweg ein bis dato nahezu unbebauter Sandweg, auf den angrenzenden Wiesen stand das Wasser nach starken Niederfällen oft kniehoch. Auch Dr. Ulrich Picht erinnert sich noch gut an das „alte“ Adendorf, an seine Spaziergänge den Katzweg entlang, der damals als schmaler Sandweg durch die Felder führte. „Das war Idylle pur. Man tauchte beinahe in ein Stück Einsamkeit ab, wenn man den Lärm des Sportplatzes auf seinem Weg nach Hause hinter sich ließ.“

Auch das Forsthaus Elba zählte viele Jahre zu den beliebten Lokalen in Adendorf. Heute verläuft dort die Bundesstraße 209. Fotos: nh
Auch das Forsthaus Elba zählte viele Jahre zu den beliebten Lokalen in Adendorf. Heute verläuft dort die Bundesstraße 209. Fotos: nh

Einmal mehr hatte der passionierte Heimatforscher zu einem Vortrag ins Rathaus eingeladen, und einmal mehr traf er mit seinen „alten Ansichten von Adendorf“ den Nerv der rund 60 Zuhörer. „Das dort auf dem Foto ist mein Urgroßvater“, berichtete beispielsweise eine Frau, während Picht ein Foto präsentierte, das die Belegschaft der ehemaligen Ziegelei Kuhlmann KG zeigt. Sechs Ziegeleien gab es hier einst, sie prägten den Ort, denn bis zum Aus der beiden großen Ziegeleien im Jahr 1969 lebten immer wieder Saisonarbeiter in Adendorf.

Mit dem Lehrgut, das 1926 in das einstige Rittergut eingezogen war, gab es eine weitere Einrichtung, die dem Dorf seinen Stempel aufdrückte. „Die tierärztliche Hochschule aus Hannover baute hier eine Musterschule für Tierhaltung auf. Die Veterinärstudenten mussten hier ein Praktikum absolvieren.“ Das vorbildliche Lehrgut genoss deutschlandweit bis ins Jahr 1962 einen überaus guten Ruf, stand dann einige Jahre leer, zerfiel zusehends, bis es 1971 abbrannte. Heute erinnert kaum noch etwas an das Herzstück des alten Dorfkerns.

Das Motel Birkenhain stand einst am Bardowicker Weg, Ecke Artlenburger Landstraße.
Das Motel Birkenhain stand einst am Bardowicker Weg, Ecke Artlenburger Landstraße.

Bereits im Juni 1895 hatte ein verheerendes Feuer das Gesicht des Altdorfes komplett verändert, denn in nur 15 Minuten brannten beinahe sämtliche Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Dank „einer großartigen Spendenaktion und einer vorbildlichen Planung“, so führte Ortskenner Picht aus, konnte das Dorf neu aufgebaut werden — das Zentrum sollte für einige Jahrzehnte das Gasthaus Stolte bilden.

Neben dem Gasthaus Stolte lockten Restaurationen wie der „Grüne Jäger“, das Forsthaus Elba, Tante Sophie am Bahnhof und natürlich auch Heines Gasthaus und Meyns Gasthaus in Erbstorf viele Gäste in ihre Kaffeegärten. „Und vom ehemaligen Heideblick hatte man früher tatsächlich einen wunderbaren Blick in die Heidelandschaft“, berichtete Picht. Denn die Lüner Rennbahn war noch gänzlich unbebaut, und die „Eve-Bar“ zog erst später in den Heideblick ein. Und — wer erinnert sich noch an das Motel Birkenhain am Bardowicker Weg, Ecke Artlenburger Landstraße?

"Zum Grünen Jäger" war ein beliebtes Ausflugsziel.
„Zum Grünen Jäger“ war ein beliebtes Ausflugsziel.

Bei den Zuschauern kam Pichts kurzweilige Zeitreise in Adendorfs Vergangenheit gut an. Und heute fällt es schwer zu glauben, dass sich „Im Suren Winkel“ einst als Sandweg durch Felder und Baumgruppen zog. 1930 gab es nur eine befestigte Straße in Adendorf, aber die war als Musterstraße angelegt, mit Sommerwegen links und rechts der Baumallee — der Dorfweg, der direkt ins Altdorf führte.

Historischer Ortsplan

Heimatforscher Dr. Ulrich Picht hat einen historischen Ortsplan von Adendorf angefertigt, den Interessierte auf der Homepage der Gemeinde (www.adendorf.de) finden unter Gemeinde, Geschichte, historischer Ortsplan. Dort hat der Experte für Adendorfer Lokalgeschichte, der auch das Archiv der Gemeinde leitet, 50 geschichtlich interessante Punkte eingezeichnet und mit zusätzlichen Informationen und Bildern versehen.

Rathausbau in Adendorf: 1980 wurde der Verwaltungssitz eingeweiht. Der Kirchweg war zu dieser Zeit ein weitgehend unbebauter Sandweg.
Rathausbau in Adendorf: 1980 wurde der Verwaltungssitz eingeweiht. Der Kirchweg war zu dieser Zeit ein weitgehend unbebauter Sandweg.