Aktuell
Home | Lokales | Wilhelm-Raabe-Schüler erhalten Medientraining
Carolin (r.) ist jetzt skeptischer als vor dem Medientraining. Die Sechstklässlerin möchte nicht, dass ein digitaler Virus an ihre persönlichen Daten kommt, womöglich ihre peinlichen Fotos findet. Foto: t&w
Carolin (r.) ist jetzt skeptischer als vor dem Medientraining. Die Sechstklässlerin möchte nicht, dass ein digitaler Virus an ihre persönlichen Daten kommt, womöglich ihre peinlichen Fotos findet. Foto: t&w

Wilhelm-Raabe-Schüler erhalten Medientraining

Von Anna Paarmann
Lüneburg. Als David Schomburg die privaten Inhalte des Handys einer Schülerin an die Wand projiziert, ist das Gekreische in der Klasse 6b groß. „Selfies“ mit einer Freundin, Grimassen, Screenshots von Chatverläufen und die gesamte Kontaktliste — für jedermann zu sehen. „Begleitet durch den Mediendschungel“ heißt das Konzept, das Schulassistent David Schomburg mit dem Selbstlernzentrum der Wilhelm-Raabe-Schule entwickelt hat. Es soll Fünft- bis Siebtklässler in die Lage versetzen, selbstbestimmt und kritisch mit den sogenannten „Neuen Medien“ umzugehen.

Für das Kompetenztraining hat Schomburg kurzerhand ein Intranet, ein nicht öffentlich zugängliches Rechnernetz, aufgesetzt. Die Schüler, die dem Netzwerk blind vertraut und sich mit dem Handy eingewählt haben, sind in die Falle getappt. „Ihr habt den Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit einem Häkchen zugestimmt, damit habt ihr mir erlaubt, eure Daten zu speichern“, klärt er auf. „Ihr habt Glück, dass ich natürlich nachher alles löschen werden.“ Zweck erfüllt. Blasse Gesichter in der 6b. Aus Florian platzt es heraus: „Ich hab jetzt echt Schiss.“

Nur noch zu Hause oder bei guten Freunden einloggen

Wie schützt man denn seine persönlichen Daten? Sind die peinlichen Fotos auf dem Handy heute noch sicher? Und was läuft in einem Klassenchat ab? Auf diese und weitere Fragen wollen Schomburg und Dörte Christensen, die gemeinsam die Projektleitung innehaben, mit den Schülern Antworten finden.

Mitja beteiligt sich zwar rege am Unterricht, hat aber selbst gar kein Smartphone. Dafür weiß er um die Gefahren. „Freunde von uns sind Künstler und leben in Italien, sie kaufen oft etwas in Online-Shops. Einmal hat sich eine Bank gemeldet und Geld gefordert“, erzählt der Elfjährige. „Zum Glück sind sie da nicht darauf hereingefallen.“ Mitschülerin Carolin ist dagegen ununterbrochen in den sozialen Netzwerken unterwegs. Auf der Plattform-Instagram teilt sie beispielsweise gern Fotos. „Ich achte aber darauf, dass mein Gesicht nicht wirklich zu erkennen ist“, sagt die 12-Jährige. Wirklich geschockt hätten sie nun aber die „peinlichen Fotos“, die jeder in der Klasse sehen konnte. „Ich habe mich ganz schnell aus dem WLAN ausgeloggt, damit mein Handy nicht das nächste ist.“ Zukünftig wolle sie sich nur noch zu Hause oder bei guten Freunden einloggen.

„Mobbing in Chats, Abo-Fallen, Viren — das ist heute der Alltag“

Die Dringlichkeit, die Schüler in diesem Bereich zu schulen, sieht Dörte Christensen heute mehr denn je. „Seit 2012 schon liegt der Beschluss der Kultusministerkonferenz vor, dass Medienkompetenz an Schulen gelehrt werden soll“, sagt sie. „Mobbing in Chats, Abo-Fallen, Viren — das ist heute der Alltag.“ Sie deutet auf einen Aufsteller, daran prangen grüne, gelbe und rote Notizzettel. Sie symbolisieren Apps, die die Kinder kennen und nutzen, ihre Funktion und die Gefahren, die sie bergen. „Um die Risiken wissen die Schüler meist nicht“, weiß Dörte Christensen, die keinesfalls vorhat, ihren Schützlingen etwas zu verbieten. „Das bringt nichts, aber wir können ihnen beibringen, adäquat damit zu arbeiten. Viele Anwendungen bieten schließlich tolle Möglichkeiten.“ Und ahnungslos sind die Schüler der Klasse 6b nicht. Louis weiß beispielsweise schon, was ein Trojaner ist. „Die sind ganz stark“, erklärt der Elfjährige seinen Mitschülern. „Sie können das Handy kaputt machen und einen ausspionieren, ohne dass man sie bemerkt.“

2 Kommentare

  1. Das klingt wirklich interessant … und sehr wichtig. Sollte an jeder Schule Pflicht sein !! **Daumen hoch**

  2. Die Schüler der WRS

    Herr Schomburg ist der beste Schulassistent der WRS. Wir alle sind froh ihn zu haben.