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Thorsten Zeng demonstriert an einer Puppe die drei lebensrettenden Schritte:  1. Prüfen, ob der Bewusstlose Reaktion und Atmung zeigt. Wenn nicht, spricht das für einen Herzstillstand. Foto: t&w
Thorsten Zeng demonstriert an einer Puppe die drei lebensrettenden Schritte: 1. Prüfen, ob der Bewusstlose Reaktion und Atmung zeigt. Wenn nicht, spricht das für einen Herzstillstand. Foto: t&w

Jeder kann mit Laienreanimation Leben retten

Von Antje Schäfer
Lüneburg. Ein Herzstillstand kann jeden treffen. Die Betroffenen sind auf schnelle Hilfe angewiesen, jede Minute zählt. Denn je länger kein Blut durch den Körper zirkuliert, desto mehr Schaden nimmt das Gehirn. Wiederbelebungsversuche sind auch von Laien ganz einfach durchzuführen. Im Rahmen der bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ unter dem Motto „Ein Leben retten“ wurde auch in Lüneburg zur lebensrettenden Herzdruckmassage informiert. Thorsten Zeng, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst für Stadt und Landkreis Lüneburg, sowie Rettungssanitäter zeigten an einem Stand in der Grapengießerstraße, wie Laienreanimation funktioniert.

Initiiert wurde die Aktionswoche vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten, der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, dem Deutschen Rat für Wiederbelebung sowie der Stiftung Deutsche Anästhesiologie. Der Grund: Der Herztod kann überall eintreten, Laien kommt in dieser Situation eine lebensrettende Rolle zu bis die Rettungsdienste eintreffen. „Doch nicht jeder fühlt sich in der Lage, eine Herzdruckmassage zu machen“, weiß Thorsten Zeng. Gründe seien oftmals die Angst, etwas falsch zu machen oder weil die Ausbildung in Erster Hilfe lange zurückliegt. „Wir möchten die einfachen wie effektiven Schritte in Erinnerung rufen, mit denen jeder im Ernstfall Leben retten kann.“

So sollten Laien vorgehen, wenn eine Person bewusstlos ist:

1. Prüfen Sie, ob die Person noch Reaktionen zeigt. Dazu zum Beispiel an den Schultern rütteln. Dann über den Mund beugen und prüfen, ob der Mensch noch atmet. Atmet er normal, dann den Patienten in stabile Seitenlage bringen. Atmet er nicht mehr, auf dem Rücken liegen lassen. In jedem Fall zum Handy greifen.

2. Sofort die Notrufnummer 112 wählen und den genauen Ort mitteilen, wohin der Rettungsdienst fahren muss.

3. Bei Atemstillstand umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen. Mit gestrecktem Arm die gekreuzten Handballen auf die Mitte des Brustbeins drücken. Mindestens 100 mal pro Minute zirka 5 bis 6 Zentimeter tief. Nicht aufhören, bis der Rettungsdienst eintrifft.

„Mittels des festen Drückens wird das Blut aus dem Herzen Richtung Gehirn gepresst. Beim Nachlassen des Druckes strömt wieder Blut ins Herz“, erläutert Zeng die Funktionsweise der Herzdruckmassage. Erfolgt diese nicht umgehend, könne das Gehirn schon nach drei bis fünf Minuten Schaden nehmen. „Der Laie ist also ein besonders wichtiger Teil der Rettungskette.“

Deshalb lautet der Appell des Mediziners: „Jeder sollte regelmäßig seine Kenntnisse über Wiederbelebungsversuche auffrischen. Wünschenswert wäre, dass es zur Pflicht wird, regelmäßig alle fünf bis zehn Jahre nach der Führerscheinprüfung Kurse in Erster Hilfe zu belegen.“ Zudem habe die Kultusministerkonferenz 2015 empfohlen, dass in den 9. und 10. Klassen Erste-Hilfe-Kurse auf den Unterrichtsplan gehören.

Einsätze ausgewertet

Seit 2004 hat Thorsten Zeng als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst die Protokolle der Einsätze der Rettungsdienste bezüglich der Fälle von Herzstillstand ausgewertet. Die Ergebnisse werden in ein bundesweites Register eingespeist und zeigen unter anderem, wie viele Fälle es in Stadt und Kreis Lüneburg im Vergleich zu anderen Regionen gibt. In Stadt und Kreis Lüneburg gab es danach durchschnittlich 110 Fälle pro Jahr. Davon konnten 47 Prozent zunächst lebend ins Klinikum gebracht werden. Zirka 10 bis 16 Menschen konnten lebend aus dem Klinikum entlassen werden. Die Intensivmedizin habe zwar einen hohen Standard, aber die Überlebensrate stehe auch in Zusammenhang mit dem Ausmaß der Grunderkrankung eines Patienten, macht Zeng deutlich. „Eine Überprüfung nach einem Jahr ergab, dass noch 13 Menschen leben. Die Überlebensrate könnte doppelt so hoch sein, wenn die Laienreanimation noch stärker zum Einsatz käme.“