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Landwirt Jürgen Schlüter erklärt den Kindern, wie die Rinder gehalten werden. Der 56-Jährige ist überzeugt: Das schafft Authentizität. Foto: kre
Landwirt Jürgen Schlüter erklärt den Kindern, wie die Rinder gehalten werden. Der 56-Jährige ist überzeugt: Das schafft Authentizität. Foto: kre

Wendisch Evern startet außergewöhnliches Projekt

Von Klaus Reschke
Wendisch Evern. Knapp 1800 Einwohner zählt die Gemeinde Wendisch Evern. Ein kleiner Ort, ländlich geprägt. Da kennt noch fast jeder jeden, weiß was der andere tut. Das sollte man jedenfalls annehmen, „aber dem war durchaus nicht so“, stellt Martin Leupold erstaunt fest. Aufgefallen ist das dem Schuleiter der Grundschule Wendisch Evern, als er das Projekt „Durch Gemeinschaft ins Leben“ vorbereitete. Gemeinsam mit Kindergarten und Kinderkrippe.

„Warum sollen wir als Lehrer beispielsweise mehr über Hühner wissen, als ein Geflügelzüchter, der die Tiere seit über 50 Jahren züchtet?“ Gleiches gelte für die Arbeit auf dem Bauernhof. „Das kann ein Landwirt doch viel besser erklären“, findet der Pädagoge. Ein Informationsabend im Juni, bei dem Leupold und seine Mitstreiter ihre Idee im Ort vorstellten, brachte ungeahnte Unterstützung. Es haben sich ganz viele bei uns gemeldet, die bereit sind, ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung an die Kinder weiterzugeben“, freut sich der Schulleiter, „wir konnten gar nicht alle Angebote in Anspruch nehmen.“ Jetzt neigt sich die außergewöhnliche Projektwoche dem Ende zu. Außergewöhnlich auch deshalb, weil nicht nur die Wendisch Everner Grundschulkinder von der Aktion profitierten, sondern auch die Kleinsten im Ort: Grundschule, Kindergarten und Krippe haben sich zum „Bildungsensemble Wendisch Evern“ zusammengeschlossen. Ein Projekt, das bislang einzigartig ist in Niedersachsen. Die Projektwoche stand unter dem großen Thema „Tiere“.

Nützliche Gegenstände selbst zimmern

In der „Kinderwerkstatt“ — den Erwachsenen besser bekannt als „Drechselstube“ — steht Peter van Felten. Der Zwei-Meter Hüne mit dem goldenen Herzen und den geschickten Händen zeigt den Jungen und Mädchen, wie man aus dem Werkstoff Holz die schönsten, und dazu noch nützliche Gegenstände selbst zimmern kann. Lehrerin Alexandra Gauthier findets toll: „Was die Kinder selbst erlebt und geschafft haben, bleibt doch viel besser im Gedächtnis, als wenn wir als Lehrer nur aus Büchern vorlesen.“

Dem kann ihre Kollegin Nicole Dannheisig nur zustimmen. Sie ist an diesem Morgen mit ihrer Klasse zu Besuch bei Landwirt Jürgen Schlüter. Kühe gucken, aber nicht alleine: Mit von der Partie sind auch Erzieherin Katharina Speckmann mit Kindern aus der Krippe. Kühe haben die Kinder sicher alle schon mal gesehen. Die von Bauer Schlüter stehen schließlich fast das ganze Jahr auf der Weide. Und trotzdem stellt Nicole Dannheisig nicht ganz zu Unrecht fest: „Wer nicht mit einem Landwirt befreundet ist, bekommt vom Bauernhof nichts mit!“ Selbst in einem so kleinen Ort wie Wendisch Evern nicht: Wenn Milch, Käse, Wurst oder Fleisch benötigt werden, fährt man eben in den Supermarkt um die Ecke.

Geburt eines Kälbchens erlebt

Umso schöner ist es für Jürgen Schlüter (56), den Kindern von seiner Arbeit zu berichten. Er ist nicht der erste Landwirt: Am Tag zuvor waren die Kinder schon bei Landwirtschaftsmeister Klaus Hermann Blecken, haben dort die Geburt eines Kälbchens erlebt, die künstliche Besamung einer Kuh durch den Tierarzt verfolgt und einiges über die Nutztierhaltung gelernt.

Bevor sich die Kinder von Landwirt Jürgen Schlüter verabschieden, erklärt der ihnen noch, warum man als Kind nicht auf den großen, in Plastikfolie eingepackten Heuballen turnen sollte. Auch wenn die noch so sehr zum Turnen verleiten: „Die Folie geht schnell kaputt,“ mahnt Schlüter, und wenn die einreißt, verdirbt der ganze Ballen. Die Rinder haben dann nichts mehr zum Fressen.“

Auf dem Rückweg sagt Martin Leupold schmunzelnd. „Seit Beginn der Aktion gibt es bei uns Menschen im Ort, die ständig respektvoll gegrüßt werden. Von den Kindern.“ Die generationenübergreifende Zusammenarbeit in Wendisch Evern funktioniert. Das habe das Projekt gezeigt. Ein schöner Erfolg für die Akteure des Bildungsensembles, die künftig die Kompetenzen der älteren Generation noch viel mehr einbinden wollen.

One comment

  1. Klasse Aktion… Wir danken allen Beteiligten… Unsere 3 Kinder (2x Kindergarten und 1x Grundschule) waren von der Projektarbeit begeistert. Weiter so.