Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Steinpilz und Hexenröhrling in Nahaufnahme
Steinpilze (l.) sind vielen Pilzsammlern bekannt. Den Hexenröhrling (r.) haben viele Lüneburger erst bei den Lehrwanderungen von Bernhard Frank kennengelernt. Foto: gae

„Es gibt immer wieder Doppelgänger“

Von Manuela Gaedicke

Lüneburg. Dieses Jahr ist alles anders. „Normalerweise wäre jetzt alles voller Pilze“, sagt Bernhard Frank. Der 62-Jährige muss heute etwas genauer hinschauen. Konzentriert wandern seine Augen über den ausgetrockneten Waldboden –immer auf der Suche nach Steinpilzen, Raustielröhrlingen und Pfifferlingen. Ein gutes Dutzend verschiedene Sorten hat er heute schon gefunden. Das sind mehr Pilze als er erwartet hätte. Nach einem Spätsommer mit Hochsommertemperaturen.

Einige Tausend Menschen bei Lehrwanderungen

Damit hatte bei der Planung des ersten europäischen Pilztages, der ausgerechnet in diesem trockenen September von einer Fachzeitschrift ins Leben gerufen wurde, wohl niemand gerechnet. „Ein bisschen kurios ist das schon“, findet auch Pilzexperte Bernhard Frank, der deshalb zu Lehrwanderungen einlädt. Das macht der gebürtige Oberpfälzer seit Jahren, einigen Tausend Menschen hat er schon erklärt, wie sie essbare von giftigen Pilzen unterscheiden. Seitdem gehöre ihm sein Lieblingspilz, der sogenannte Hexenröhrling, nicht mehr allein. „Den haben jetzt einige Lüneburger entdeckt“, lacht der Pilzexperte.

Bernhard Frank war früher bei der Eisenbahn. Seitdem er im Ruhestand ist, gehört sein Leben den Pilzen. Bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie hat er eine Prüfung abgelegt. Er darf sich Pilzsachverständiger nennen, ist sogar in der gesamten Region bis Hamburg der Einzige. „Pilze suchen ist ohne großes Wissen sehr gefährlich, weil man ja doch zu den verkehrten greifen kann. Es gibt immer wieder Doppelgänger“, warnt er. Manchmal gehen Notrufe bei ihm ein. Besorgte Eltern, die bei der Giftnotrufzentrale in Göttingen angerufen haben –und dann bei Frank in Radbruch landen.

Die stressigste Zeit im Jahr steht bevor

Mit einer Pilzvergiftung ist nicht zu spaßen. „Wenn jemand etwas merkt und den Verdacht hat, dann sollte man sofort ins Krankenhaus fahren“, warnt er. Beim giftigsten Exemplar, dem Grünen Knollenblätterpilz, kann es schnell zu spät sein –vor allem, wenn die Leber schon angegriffen ist. „Den gibt es hier auch. Zu Tausenden.“ Doch Bernhard Frank ist niemand, der anderen Menschen Angst macht. Sein bayerischer Dialekt strahlt Ruhe aus. Auch wenn für den Pilzexperten wahrscheinlich die stressigste Zeit im Jahr bevorsteht.

Wenn demnächst Pilze bei ihm und seiner Frau auf den Tisch kommen, dann „die, die man nicht so viel putzen muss. Dafür habe ich in der Saison keine Zeit.“ Die Hochsaison, sie wird kommen, da ist sich Bernhard Frank sicher. Spätestens, wenn der erste große Herbstregen kommt –und dann doch wieder alles so wird wie immer.