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Bislang wurden der Eichenprozessionsspinner mit dem Insektizid Dimilin bekämpft. Foto: t&w
Bislang wurden der Eichenprozessionsspinner mit dem Insektizid Dimilin bekämpft. Foto: t&w

„Killerwürmer“ gegen Raupen

Von Klaus Reschke

Lüneburg. „Vor den Eichen sollst du weichen“: Dieser Spruch ist nicht nur in Zeiten schwerer Gewitter ein sicherlich wertvoller Ratschlag. Denn wenn die Raupen des Eichenprozessionsspinners zu Abertausenden in den Bäumen hängen, ist es für die Gesundheit vieler Menschen mehr als zuträglich, einen großen Bogen um die befallenen Eichen zu machen. Seit mehreren Jahren schon beobachten Biologen und Behörden eine Invasion der Raupen, die längst bis in den Landkreis Lüneburg reicht. Wohl auch eine Folge des Klimawandels. Bislang werden die Krabbeltiere mit dem Insektizid Dimilin bekämpft.

Bald kein Chemieeinsatz mehr

Im Auftrag des Landkreises wurde bislang das Fraßgift unter anderem im zeitigen Frühjahr mit Hilfe eines Hubschraubers versprüht. Doch der Einsatz von Chemie könnte bald der Vergangenheit angehören: An der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt finden vielversprechende Versuche mit Fadenwürmern statt, die letal für die Raupen, aber unschädlich für Mensch und Natur sind. Diese Methode wird auch in der Lüneburger Kreisverwaltung mit Interesse verfolgt — auch wenn die Behörde im nächsten Jahr mit der Bekämpfung erst einmal pausieren will. Der Grund: „Der Befall der Bäume mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners ist zurückgegangen“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann.

Neu sei die Methode nicht, mit Hilfe von Nematoden die Raupen ins Jenseits zu befördern. Allerdings befinde sich das Projekt noch im Versuchsstadium. Frühestens im Frühjahr 2017 sei man so weit ein verlässliches Verfahren zu entwickeln.

Gift tötet die Quälgeister

Und so funktioniert die „Biowaffe“: Die Fadenwürmer — auch Nematoden genannt — werden mit Hilfe eines Hubschraubers oder auch vom Boden aus mit einem feinen Sprühnebel in die befallenen Kronen gesprüht. Dort dringen die Fadenwürmer in die Schmetterlingsraupen ein und produzieren ein Gift, das die Quälgeister tötet.

Die insektenpathogenen Nematoden kommen in der Natur vor, leben in Böden und lassen sich in großen Mengen vermehren. Für Mensch und Tier sind die Fadenwürmer ungefährlich, nur dem Eichenprozessionsspinner geht es an den Kragen. Das schont das Ökosystem, denn eine Eiche beherbergt bis zu 500 Insektenarten, aber auch Vögel und Säugetiere. Ein Problem ist allerdings, dass die „Killerwürmer“ sehr lichtempfindlich sind und innerhalb weniger Stunden sterben, wenn sie nicht sofort in die Raupenkörper eindringen können. Mit anderen Worten: „Die Nematoden deaktivieren sich selbst.“ Doch das verhindert auch eine ungewollte Ausbreitung.

Raupe mit Giftpfeilen

Seinen Namen verdankt der Eichenprozessionsspinner dem auffälligen Verhalten: Seine Raupen wandern abends zum Fressen in die Kronen der Eichen und morgens zurück ins Nest. Nach fünf bis sechs Entwicklungsstadien verpuppen sich die Raupen, im Juli/August schlüpfen die Falter. Eine Gefährdung der Menschen geht von den Haaren der älteren Raupen aus. Diese sind etwa zwei bis drei Millimeter lang, mit Widerhaken versehen und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die feinen Brennhaare können wie „Giftpfeile“ über weite Strecken getragen werden. Unmittelbar nach Hautkontakt entwickelt sich ein Juckreiz, Ausschlag, gegebenenfalls Hautentzündungen, Augenreizungen bis hin zu Atemnot oder gar einem allergischen Schock. Hinzu kommt, dass die Nesselhaare eine lange Wirkungsdauer haben und über viele Jahre gefährlich bleiben. kre