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Die Ingenieure Wolf-Christian Traxel (l.) und Peter Engelbardt wollten mit Strom und selbsthergestellten Pferdemist-Pellets Geld verdienen. Foto: dth
Die Ingenieure Wolf-Christian Traxel (l.) und Peter Engelbardt wollten mit Strom und selbsthergestellten Pferdemist-Pellets Geld verdienen. Foto: dth

Mit Pferdemist in die Pleite

Von Dennis Thomas
Südergellersen. Der Versuch, aus Pferdemist einen Haufen Geld zu machen, ist für den Hamburger Gesellschafter gescheitert. Über das Vermögen der „Enegro Südergellersen Pellet GmbH & Co. KG“, Betreiberin der Biogasanlage in Südergellersen, ist jetzt das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Zügel hält nun Rechtsanwalt Hendrik Könemann von der gleichnamigen Lüneburger Kanzlei als Insolvenzverwalter in der Hand. Der Betrieb soll allerdings mit neuem Betriebskonzept fortgeführt werden. Erste Investoren aus der Branche hätten bereits Interesse für eine Übernahme signalisiert, sagt Dorothee Mennrich, bei der Kanzlei Könemann für die Verfahrensbearbeitung zuständig. „Ein konkretes Angebot liegt uns aber noch nicht vor.“ Laut Mennrich hätten technische Unzulänglichkeiten und „Managementfehler zur Insolvenz geführt“.

Die zweite Bauchlandung eines Unternehmens

Es ist die zweite Bauchlandung eines Unternehmens in Südergellersen, das versucht hat, die Biogasanlage erfolgreich zu 100 Prozent mit Pferdemist zu betreiben. Im März 2009 war ursprünglich die „hippocon AG“ angetreten, um auf dem Areal des ehemaligen Südergellerser Trockungswerkes jährlich bis zu 45.000 Tonnen Brennstoffpellets aus Pferdemist herzustellen. Unterstützt hatte seinerzeit die Unternehmung bereits Diplom-Ingenieur Wolf-Christian Traxel vom Emissionshaus „Nikolai Invest“ in Hamburg. Doch offenbar hatten sich die Beteiligten bei „hippocon“ überworfen, stellten den Betrieb ein. Die Anlage stand mehr als zwei Jahre still. Dann kam „Enegro“.

Traxel übernahm die Geschäftsführung der „Enegro Südergellersen Pellet GmbH & Co. KG“. Bei dem neuen Geschäftsmodell sollte zwar ebenfalls Pferdemist verabeitet werden, 40.000 Tonnen jährlich, aber nicht mehr zu Pellets veredelt, sondern als Dünger vermarktet werden. Damit das Geschäftsmodell aufgeht, sollte die Anlage erweitert, bestehende Substratlager zu weiteren Fermentern umgenutzt werden, um die Effizienz der Biogasanlage zu erhöhen. Doch die Rechnung ging nicht auf.

„Wir stellen uns jetzt neu auf“

„Wir sind dabei, neue Betriebskonzepte zu erarbeiten und wegzukommen vom reinen Pferdemistbetrieb“, sagt auf LZ-Nachfrage Betriebsleiter Peter Engelbardt, der dem Unternehmen auch trotz des Insolvenzverfahrens weiterhin erhalten bleibt. Zu den bisherigen technischen Prob­lemen sagt er: „Die eingesetzte Technik entsprach nicht dem Einsatzstoff, das fing an beim Zuführen der Biomasse in die Anlage über das Zentrifugieren bis hin zum Endprodukt.“ Anstatt der angepeilten 100-Prozent-Marke Pferdemist sei die Anlage schätzungsweise eher mit 50, 60 Prozent Pferdemist betrieben worden, der Rest der notwendigen Biomasse sei über Mais, Roggen oder Hähnchenmist aufgestockt worden. Engelbardt: „Wir stellen uns jetzt neu auf.“

Den bisherigen Geschäftsführer Traxel konnte die LZ für eine Stellungnahme telefonisch nicht erreichen. Mennrich von der Kanzlei Könemann sagt: „Der Verkauf einer Biogasanlage kann ein langwieriger Prozess sein. Aber die Anlage ist nur verwertbar, solange sie läuft.“ Bereits im Mai hatte Traxel den Antrag auf Insolvenz der „Enegro Südergellersen Pellet GmbH & Co. KG“ gestellt. Zunächst war die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet worden. Jetzt hat der Insolvenzverwalter alle Zügel in die Hand genommen. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu Monatsbeginn wurde die Gesellschaft offiziell aufgelöst.