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Winzer aus Wiecheln experimentieren mit Wein.
Noch experimentieren die niedersächsischen Winzer-Pioniere um Lehrer Hannes Meyer mit verschiedenen Rebsorten. Doch langfristig soll bei Wiecheln ein kleines Weingut in Norddeutschland entstehen. Foto: t&w

Winzer-Pioniere aus Wiecheln

Von Dennis Thomas

Wiecheln. Wer weiß, vielleicht schwärmen in 40 Jahren Weinkenner von dem komplexen Bouquet jenes Rebensaftes, der durch die leichte Hanglage des ehemaligen Kartoffelackers in Wiecheln gezeichnet wird. Jedenfalls zählt Familie Meyer aus dem Thomasburger Orsteil Wiecheln nun zu den Winzer-Pionieren in Niedersachsen: Insgesamt zehn Antragsteller aus sieben Kreisen und der Region Hannover haben für insgesamt 7,6 Hektar die Genehmigung erhalten, Reben anzupflanzen. Im Kreis Lüneburg ist Hannes Meyer aus Wiecheln der erste, der Weinbaurechte erhalten hat.

100 Rebstöcke testweise gepflanzt

In einem 300 Quadratmeter großen Weingarten haben Diplom-Kaufmann Hans-Jürgen Meyer, seine Söhne, der BWL-Student Mattis Meyer und Biologie- und Mathelehrer Hannes Meyer, sowie dessen Kumpel Hauke Thies bereits vor einem Jahr die ersten rund 100 Rebstöcke testweise gepflanzt. „Wir haben hier zum größten Teil die Sorte Solaris, die sich auch auf dem Ingenhof in Schleswig-Holstein bewährt hat“, sagt Mattis Meyer. Er und sein Vater hatten vor rund zwei Jahren einen Fernsehbericht darüber gesehen. Zur gleichen Zeit hatte Hannes Meyer die ersten Test-Trauben von Hobby-Winzer Hauke Thies verkostet. Gemeinsam fassten sie den Beschluss, rund um den alten Resthof der Familie Meyer, selber Wein anzubauen. Hannes Meyer stellte den Antrag bei der zuständigen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) — mit Erfolg.

In Wiecheln haben die Neuwinzer langfristige Pläne. Sie wollen im Frühjahr 2018 auf 6000 Quadratmetern Acker, der derzeit noch verpachtet ist, unweit des Familienhofs rund 2000 Rebstöcke pflanzen. Hannes Meyer sagt: „Wir rechnen damit, dass wir 2021 die erste größere Menge Trauben ernten können.“ Das reiche später vielleicht für 2000 Liter Wein. „Das ist aber noch Hobby und Spielerei. Wir wollen schrittweise ausprobieren, wie das alles geht. Aber der Plan ist schon, langfristig auf sechs bis acht Hektar zu wachsen und ein kleines Weingut in Norddeutschland aufzubauen.“ Damit der Traum in Erfüllung geht vom Wein aus Wiecheln.

 

Weinbaurechte
Bislang gingen die Weinbaurechte überwiegend nach Süddeutschland. Jetzt hat erstmals das norddeutsche Flächenland Niedersachsen Weinbaurechte erhalten und wird damit formal zum Weinanbaugebiet. Die neuen Weinbauflächen befinden sich in den Landkreisen Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Schaumburg, Ammerland, Osnabrück und Landkreis Friesland sowie der Region Hannover. Nach einer Reform der EU-Weinmarktregelung hatte die Bundesrepublik bis Ende März dieses Jahres Genehmigungen für neue Anbauflächen ausgeschrieben.
Bisher erlaubte diese Regelung nur den hobbymäßigen Anbau von maximal 99 Weinreben. Auf dieser Basis wachsen bereits einige Reben in Erkerode im Kreis Wolfenbüttel, im Raum Oldenburg, im Landkreis Friesland sowie in Hitzacker mit dem ältesten nördlichen Weinberg Deutschlands. Für eine Aufnahme von „Niedersachsen“ als neue geografische Ursprungsbezeichnung ins Weingesetz müsste in einer Produktspezifikation niedergelegt werden, was einen aus diesem Gebiet stammenden Wein kennzeichnet, erklärte das Bundeslandwirtschaftsministerium. Anschließend müsste von den Erzeugern ein Antrag auf Anerkennung bei der BLE gestellt werden. dpa/lz