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Ausbildungsbotschafter werben um Schüler am Johanneum
Ausbildung zum Anfassen präsentieren Luca Linhsen (vorn, 2.v.l.), und Jan Knörndel (vorn. 2.v.r.) vor Schülern des Johanneums. Foto: t&w

Ausbildungs-Botschafter werben um Abiturienten

Von Ulf Stüwe

Lüneburg. Stefan hat einen Film mitgebracht, Luca, Jan und Jannes einen Hochgeschwindigkeits-Elektromotor und eine Grundplatte für eine selbst gebaute Lichtorgel. Die leuchtet zwar nicht, aber man bekommt einen Eindruck, wie die Arbeit der drei Auszubildenden des Lüneburger Technologie-Unternehmens Sieb & Meyer aussieht. Das schafft auch Stefan mit seinem Film über die Warenlogistik bei der Lebensmittelkette Rewe. Alle vier waren als Ausbildungsbotschafter ins Johanneum gekommen. Vor Schülern der elften und zwölften Klasse zeigten sie auf, dass nach dem Abitur nicht immer nur ein Studium folgen muss.

„Ich habe im ersten Semester Elektrotechnik schnell gemerkt, dass mir die Grundlagen fehlen. Deshalb habe ich das Studium abgebrochen und mit der Ausbildung begonnen“, berichtet Jannes Denda, Auszubildender für Antriebs- und Steuerungstechnik im dritten Lehrjahr. Bereut habe er den Schritt nicht, im Gegenteil: „Ich brauche den Praxisbezug, das war für mich genau der richtige Weg.“

Viele Möglichkeiten für Abiturienten

Aufzeigen, dass auch für Abiturienten eine berufliche Karriere mit einer betrieblichen Ausbildung beginnen kann und nicht zwingend nur der Weg in die Uni gesucht werden muss, war die Botschaft, die die vier Auszubildenden den Schülern des Johanneums mitbrachten. Ob als Abiturientenausbildung oder als Duales Studium, Gymnasiasten haben heute viele Möglichkeiten, eine attraktive berufliche Laufbahn auch ohne vorgeschalteten Hochschulbesuch zu starten.

„Schon fünf Jahre nach der Ausbildung bei Rewe kann man Teamleiter, vier Jahre später Betriebsleiter mit Verantwortung für knapp 1000 Mitarbeiter werden“, berichtet Stefan Rehder. Bereits zum fünften Mal ist der 26-Jährige als Ausbildungsbotschafter für sein Unternehmen und die Industrie- und Handelskammer unterwegs, rund 20 dieser Botschafter aus Lüneburger Unternehmen schickt die Kammer regelmäßig in die Schulen.

Thema muss zum richtigen Zeitpunkt kommen

„Viele Schulabgänger wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es für sie gibt“, sagt IHK-Dozentin Anne Kristin Wehner, die zugleich deutlich macht, wie wichtig es für Unternehmen ist, qualifizierte Mitarbeiter vor ihrer Entscheidung für ein Studium für sich zu gewinnen.

Doch nicht immer stößt das Angebot bei den Schülern auch sofort auf Interesse. „Der richtige Zeitpunkt ist wichtig“, weiß Lehrerin Ortrud Röhrup-Wieckhorst, im Johanneum auch für Berufsorientierung zuständig. „Wenn wir mit dem Thema zu früh kommen, fühlen sich viele Schüler noch gar nicht angesprochen.“

Für Laura Zips kamen die vier Botschafter genau richtig. „Ich war bislang noch unentschlossen“, sagt die Abiturientin, „aber ich habe gesehen, dass dies für mich vielleicht auch ein Weg sein könnte.“ Mitschüler Bjarne Weber war beeindruckt zu erfahren, wie breit gefächert die Ausbildungsmöglichkeiten sind, Marvin Strebel fand es gut, „alles direkt von den Unternehmen zu erfahren“. Am Ende aber zeigte sich, was auch Studien seit Jahren belegen: Den weitaus größten Teil der Abiturienten zieht es nach wie vor an Hochschulen und Universitäten.