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Zwei Sozialarbeiterinnen an der Flüchtlingsunterkunft in Oedeme
Die Sozialarbeiterinnen Tatjana Wilczkowiak und Nina Christandl (v.l.) vor der Unterkunft in Oedeme, die im Juli öffnete. Nun sollen dort auch Studenten Wohnraum finden. Foto: t&w

Eine Bleibe für Studenten

Von Antje Schäfer

Lüneburg. Zu teuer, zu knapp, zu weit draußen: Einer neuen Studie des Moses-Mendelssohn-­Instituts und des Online-Portals WG-Gesucht zufolge haben Studenten immer größere Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Unter 91 untersuchten Hochschulstandorten mit mehr als 5000 Studenten rangiert Lüneburg beim sogenannten Anspannungsfaktor auf Platz 35, noch zum Beispiel vor Hannover und Göttingen. Kurz bevor die neuen Erstsemester in Lüneburg am 6. Oktober starten, präsentiert die Stadt eine gute Nachricht: Sie plant, in den städtischen Flüchtlingsunterkünften Oedeme und Rettmer vorübergehend Wohnraum für Studenten zur Verfügung zu stellen. Einem entsprechenden Vorschlag der Stadtverwaltung stimmte jetzt der Verwaltungsausschuss zu.

Freie Kapazitäten in Flüchtlingsunterkünften

Wie berichtet, hat die Zahl der Zuweisungen von Flüchtlingen an die Hansestadt Lüneburg in den letzten Monaten abgenommen. Lüneburg muss deshalb zurzeit nicht mehr so viele Unterbringungsmöglichkeiten vorhalten. „Warum also nicht die freien Kapazitäten denjenigen zur Verfügung stellen, die jetzt ganz dringend auf eine günstige Bleibe angewiesen sind?“, hatte sich Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge gefragt.

Angedacht ist, Zimmer in abgeschlossenen Wohneinheiten in den Flüchtlingsunterkünften Schaperdrift in Oedeme für jeweils ein Jahr sowie in Rettmer für jeweils ein halbes Jahr anzubieten. Dazu führt die Hansestadt zurzeit Gespräche mit dem AStA und dem Studentenwerk. In den 3-Zimmer-Einheiten mit Küche und Bad könnten so bei Studenten beliebte Wohngemeinschaften entstehen. Gerade für Erstsemester, die noch keinen Wohnraum in Lüneburg gefunden haben, könne das inte­ressant sein, sagt Mädge. Außerdem passten studentisches Wohnen und Engagement für Flüchtlinge hervorragend zusammen. „Warum also kein Tür-an-Tür beider Gruppen? Viele Studenten in Lüneburg leisten Hilfe in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit. Zwischen den jungen Leuten, die naturgemäß heute sehr international unterwegs sind, und den ebenfalls oft jungen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, gibt es häufig ganz schnell ein Miteinander auf Augenhöhe.“

Mietniveau von Wohnheimzimmern

Die Gemeinschaftsunterkunft Rettmer, eine mobile Wohnanlage, bietet 160 Plätze, von denen zurzeit 104 mit Flüchtlingen belegt sind. Kurzfristig könnten hier laut Stadt 30 Studenten unterkommen, Der Mietpreis für ein 15 Quadratmeter großes Zimmer soll inklusive Betriebskosten und Nutzung der Gemeinschaftsflächen 150 Euro kosten. In Schaperdrift in Oedeme handelt es sich um zwei Gebäude in Festbauweise, so dass der Ausbaustandard höher ist. Hier können 120 Menschen unterkommen, zurzeit leben dort 59. Für 15 bis 20 Studenten wäre hier Wohnraum möglich. Der Mietpreis für ein 15 Quadratmeter großes Zimmer inklusive Betriebskosten: 256 Euro. „Dies entspricht dem Mietniveau von Wohnheimzimmern, etwa von Campus Wohnen oder dem Studentenwerk“, ergänzt Mädge. Damit wäre es aber erheblich billiger als der durch die oben genannte Studie ermittelte durchschnittliche Preis für ein WG-Zimmer in Lüneburg, der mit 323 Euro angegeben ist.

Interessierte Studenten können sich bei Maja Lucht von der Stadt unter der Telefonnummer 04131/3093481 oder Maja.Lucht@stadt.lueneburg.de weiter informieren.

Wohnungsmärkte überhitzt
Auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) weist darauf hin, dass die Wohnsituation zum Beginn des Wintersemesters 2016/2017 für Studierende in vielen Hochschulstädten schwierig ist. Das DWS bekräftigt deshalb seine Forderung an Bund und Länder, gemeinsam den Neubau und die Sanierung von Studierendenwohnheimen stärker zu unterstützen. „Die Wohnungsmärkte sind überhitzt, der Markt allein wird es nicht richten“, sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.
Obwohl aktuell rund 15000 Wohnheimplätze bundesweit in Bau oder zumindest in Planung sind, ist die Versorgungsquote von preisgünstigem, staatlich gefördertem Wohnraum im Verhältnis zur Studierenden-Zahl weiter gesunken auf 9,69 Prozent. Im Jahr 2015 lag die Quote bei 9,86 Prozent, im Jahr 2005 bei 12,03 Prozent, im Jahr 1995 bei 12,95 Prozent. Das geht aus einer DSW-Publikation hervor. „Wir brauchen, analog zu den Hochschulpakten von Bund und Ländern, einen Bund-Länder-Hochschulsozialpakt“, macht Meyer auf der Heyde deutlich.