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Die Eingangsszene: mit (v.l.) Isabel Arlt und Thomas Ney, rechts Regisseur Pourya Ezzati Pour. Foto: ina
Die Eingangsszene: mit (v.l.) Isabel Arlt und Thomas Ney, rechts Regisseur Pourya Ezzati Pour. Foto: ina

Kurzfilm über Fremdenfeindlichkeit in Lüneburg gedreht

Lüneburg. Vorurteile, Stigmatisierungen und Fremdenhass sind von jeher relevante Themen für Bücher, Theaterstücke und Filme. Bereits 1967 beschäftigte sich der mit zehn Nominierungen und zwei Oscars gewürdigte Film von Stanley Kramer „Rat mal, wer zum Essen kommt“ mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Der Plot: Eine junge weiße Amerikanerin bringt ihren Verlobten, einen Afroamerikaner, mit zu ihren Eltern. Wäre John ein Weißer, könnte er den Traumschwiegersohn abgeben: gebildet, bescheiden, höflich und beruflich höchst erfolgreich. Aber aufgrund seiner Hautfarbe haben die scheinbar so entspannten Eltern plötzlich Vorbehalte.

Vergleichbares Konfliktpotenzial beinhaltet der 15-minütige Kurzfilm „They Bear With Them…“ von dem aus dem Iran stammenden, in Lüneburg lebenden Regisseur Pourya Ezzati Pour. Auch sein Plot dreht sich um Vorurteile und die damit verbundene Engstirnigkeit — jedoch im politisch organisierten Rahmen. „Unser Protagonist ist Spitzenkandidat der AfnD – der Partei ,Alles fürs nationale Deutschland“, erklärt der Regisseur.

Gespielt wird der Politiker von Thomas Ney

Der ambitionierte Nationaldenker will kurz vor der Kommunalwahl keinen Stress und schon gar nicht mit den von ihm so verabscheuten Ausländern. Blöderweise hat sein Schwiegersohn ein Verhältnis mit einem Ausländer (er bleibt im Film namenlos), mit dem er sich erst im Bad sexuell vergnügt und dann zerstreitet. Der Ausländer rutscht aus, stirbt und muss nun „entsorgt“ werden.

Gespielt wird der Politiker von Thomas Ney, der aktuell in der KulturBäckerei mit der Rolle des „Ekel Alfred“ Erfolge feiert. Seine Tochter spielt dort Isabel Arlt — im Kurzfilm steht sie ihm als Ehefrau zur Seite. Auch Pourya Ezzati Pour ist in der KulturBäckerei mit einer Nebenrolle als „Ausländer“ vertreten. In seinem Film stellen Kristi Suli und Paul Seeger die schwangere Tochter Laura und den Schwiegersohn Björn dar. Die Produktionsleitung übernahm Birte Janata, der Hamburger Johannes Jung steht hinter der Kamera. Torben Seemann, Geschäftsführer der Chaussee SoundVision GmbH, ist für den Ton zuständig, die Lightcrew stammt aus Köln.

„Meine Filme sind immer politisch“

Insgesamt wuseln zwanzig Beteiligte am Drehort herum, dem Haus eines Bekannten von Pourya Ezzati Pour in der Nähe der Dahlenburger Landstraße. Das Werk ist bereits sein siebtes, drei Filme drehte er im Iran, wo er auch Theaterregie studierte, drei weitere in Deutschland. „Meine Filme sind immer politisch“, sagt er.

Pourya Ezzati Pour hat den Film mit 1400 Euro selbst finanziert, viel Unterstützung bekam er von freiwilligen Helfern und Mitspielern. Nachdem der Streifen fertig geschnitten ist, will der Regisseur ihn bei der 67. Berlinale 2017 einreichen. ina