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Mission Müllsammeln: Ehepaar aus Finnland reist um die Welt

Von Anna Paarmann
Lüneburg. Der Plastikbeutel füllt sich. Kein Ende scheint in Sicht. Der Boden ist übersät mit Zigarettenstummeln. Die Kippen wurden achtlos beiseitegeworfen, sind im Asphalt stecken geblieben, haben sich in den Beeten zerstreut. Ilkka und Kaija Erkkilä aus Finnland haben dem Müll den Krieg erklärt. Mit verlängerten Metall-Armen und Plastiktüten bewaffnet, reist das Ehepaar umher. Ihre Mission: Sie wollen die Welt für ihre Enkelkinder etwas sauberer hinterlassen. Seit fünf Jahren folgen die beiden ihrem Ziel, haben mittlerweile eine beachtliche Menge Müll aufgesammelt: 455.000 Zigarettenstummel und 1100 mit Müll gefüllte Plastiktüten. Auch in Lüneburg hat das Paar Halt gemacht.

Im Oktober 2011 hat alles begonnen, erzählt Kaija Erkkilä, „wir haben in einem kleinen Dorf 36 Kilometer entfernt von Helsinki gelebt“. Bei kleinen Spaziergängen habe man sich immer wieder nach Müll gebückt, ihn aufgesammelt und in die Tonne befördert. Später sei das Paar dann nach Tampere, der drittgrößten Stadt Finnlands, gezogen. 2014 haben die Erkkiläs für ihr Engagement sogar eine Auszeichnung erhalten. Als „Bürger des Jahres“. „Da waren wir stolz“, sagt die 67-Jährige und durchsucht sogleich ihr Handy nach einem Foto von der Ehrung.

Englische Firma als Sponsor

Das habe sie in ihrer „Mission“ bestärkt, sie zum Weiterreisen motiviert. „Eine englische Firma hat uns dann professionelle Müllaufsammler gesponsert“, sagt der 68-Jährige und hebt den langen Metall-Greifarm in die Luft, mit dem man wunderbar selbst die kleinsten Müllreste gut zu fassen bekommt.

Finnland, Dänemark, Schweden, England, Russland, Estland, Polen, Lettland, Litauen, Kanarische Inseln, Kap Verde, Gran Canaria und Deutschland haben sie bislang bereist. Irgendwann habe er aufgehört zu zählen, sagt Kaija Erkkilä. Denn mit einer großen Anzahl an Ländern wolle man sich nicht rühmen. „Uns ist es wichtig, dass wir sie ein wenig aufgeräumter hinterlassen, andere mit unserem Handeln zum Nachdenken anregen.“ Und das hat das Ehepaar gewiss. Säcke über Säcke hat es schon zu den entsprechenden Mülldeponien gekarrt.

Durch Zufall in der Hansestadt gelandet

Auch in Deutschland waren die beiden fleißig, haben unter anderem Dresden, Leipzig, Magdeburg und Hamburg besucht. Der Stopp in Lüneburg sei einem Stau geschuldet, sagt Kaija Erkkilä schmunzelnd. „Wir wollten ihn umfahren und haben uns gefragt, was wohl die netteste Landschaft auf dem Weg nach Hamburg sein könnte.“ Da sei ihnen die Stadt an der Ilmenau eingefallen.

„Wunderschön ist es hier“, schwärmt auch seine Frau. Lüneburg sei im Vergleich zu anderen Städten auch nur „moderat dreckig“. Jede Menge Müll finde man immer, besonders auf Parkplätzen. Das größte Problem in Lüneburg, wie überall auf der Welt, seien die vielen Zigarettenreste. „Die Menschen rauchen eine, treten sie aus und nehmen die Aschenbecher in ihrer Umgebung nicht mal wahr“, moniert Kaija Erkkilä, „das habe ich schon unzählige Male beobachtet.“ In nur zwei Stunden hätten sie in Lüneburg 900 Glimmstängel aufgesammelt.

Bei jedem Stopp 1000 Zigarettenstummel sammeln

Die Hobby-Müllsammler reisen aber auch der Erholung wegen, genießen vor allem gutes Essen. „Aber wir haben einen Vorsatz“, verrät der Finnländer. Bei jedem Stopp mindestens 1000 Zigarettenstummel und zwei Säcke voller Müll aufzusammeln. Dabei treffen die beiden auch nicht nur auf Wohlwollen. „Manche fühlen sich komisch, raten uns, das doch den Müllmännern zu überlassen.“ Zeitverschwendung sei auch ein häufig vorgebrachtes Argument. Für Ilkka und Kaija Erkkilä jedoch keinerlei Diskussion würdig. „Eine Person kann den Unterschied machen, jeder sollte es versuchen“ sei das gemeinsame Lebensmotto. Ein Satz von John F. Kennedy.

Unterstützung fänden sie dafür umso mehr in ihren Enkelkindern. „Sie haben ihr Leben auch einer sauberen Umwelt verschrieben, das gibt uns das Gefühl, dass wir das Richtige tun.“