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Stau auf der B404. Das nervt im Moment viele Hamburg-Pendler. Foto: gae
Stau auf der B404. Das nervt im Moment viele Hamburg-Pendler. Foto: gae

Alle Wege führen in den Stau

Von Manuela Gaedicke

Lüneburg/Hamburg. 20 Kilometer auf der A1, eine Stunde Wartezeit vorm Elbtunnel, stockender Verkehr auf der A39 — die Verkehrsmeldungen am Morgen sind für viele Pendler im Moment besonders nervenaufreibend. Selbst die B 404 über Geesthacht für viele der letzte „Schleichweg“ nach Hamburg ist gerade gnadenlos verstopft.

Sorgenkind Elbtunnel

„Es gibt gerade keinen Weg mehr aus dem Süden, der nicht überlastet ist“, bestätigt Christian Hieff vom ADAC Hansa. Momentan sei es besonders schlimm, weil gleichzeitig auf der A7 und auf der A1 gebaut wird. Das größte Sorgenkind: der Elbtunnel. Laut ADAC gab es in der vergangenen Woche keinen Tag, an dem dort nicht mindestens zehn Kilometer Stau waren. „Das ist mehr, als der Pendler verkraften kann“, so Christian Hieff.

Ende Oktober ist die A39 fertig

Bahnfahrer dürften zumindest momentan schneller am Ziel sein. 33 Minuten braucht der Metronom bis zum Hamburger Hauptbahnhof wenn alles glatt läuft. Dass es aber auch hier häufiger Ärger gibt, das wissen nicht nur die rund 8500 Bahnpendler, die jeden Tag in Lüneburg einsteigen.

Eine Besserung ist zumindest für die nächsten zwei Wochen in Sicht. Während der Herbstferien dürften deutlich weniger Leute in der Rush Hour unterwegs sein. Die Bauarbeiten auf der A39 sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Aktuelle Baustellen

A1: Zwischen dem Maschener Kreuz und der Anschlussstelle Hamburg-Harburg kommt es wegen einer Baustelle immer wieder zu stockendem Verkehr. Auf einer Länge von 200 Metern ist ein Fahrstreifen gesperrt. Die Arbeiten dort sollen laut ADAC am 14. Oktober abgeschlossen werden.
A7: Dauerbaustelle Elbtunnel. Hier sind an mehreren Stellen Fahrstreifen gesperrt. Es gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Mit einer Entlastung ist vorerst nicht zu rechnen.
A39: Die Bauarbeiten stehen laut Landesstraßenbaubehörde kurz vor dem Abschluss. Am kommenden Mittwoch (5.Oktober) soll der Verkehr auf die bereits sanierte Fahrbahn zurückgeführt werden. Auch die Sperrungen der Anschlussstellen Winsen-West und Maschen-Seevetal haben dann ein Ende. Die Restarbeiten werden voraussichtlich noch bis Ende Oktober andauern. gae 

Zwei Pendler berichten

Nadine Jounais (34) fährt jeden Morgen mit dem Auto über die B404. Die Diplom-Steuerjuristin arbeitet in einem Büro in Reinbek. „Ich höre morgens kein Radio mehr. Die Staumeldungen würden meinen Adrenalinspiegel noch erhöhen, das muss ich nicht haben morgens um 6. Dann fahre ich normalerweise los. Von Handorf auf die B404. Und dann geht es neuerdings schon los. Warum es hier auf einmal morgens so früh schon stockt, kann ich mir auch nicht erklären. Es muss an der A1 liegen. Und an den Baustellen auf der A39. Es fahren so viele Leute Richtung Hamburg morgens. Und das Pendleraufkommen ist definitiv gestiegen in den letzten Jahren. Ich arbeite seit 2009 in Reinbek. Normalerweise brauche ich 25 bis 30 Minuten. Diese Woche hat es meistens eine ganze Stunde länger gedauert. Ich kenne viele Leute, die das gleiche Problem haben. Eine Freundin von mir hat ihre Arbeitszeit so verschoben, dass sie morgens um 5 anfangen kann. Eine andere ist neulich erst gar nicht ins Büro gefahren, hat stattdessen zu Hause am Computer gearbeitet.
Ich fahre auch schon morgens um 6 los und frühstücke im Auto. Auf Getränke verzichte ich morgens. Es gibt unterwegs einfach keine Möglichkeit anzuhalten, falls man im Stau steht. Ich hoffe jetzt sehr auf die Herbstferien, diesen Sommer war ja auch alles okay. Man hat das Gefühl, dass jetzt alle noch früher losfahren und die Strecke deshalb noch mehr überlastet ist.“

Auch mit der Bahn läuft nicht alles glatt

Thorsten Wodarz (45) aus Oedeme pendelt jeden Morgen mit der Bahn nach Hamburg. Er arbeitet als Leiter Rechnungswesen bei einer Krankenversicherung. „Ich würde niemals mit dem Auto nach Hamburg fahren. Auch wenn ich ,das Drama morgens im Metronom kenne. 15 Jahre habe ich das gemacht, gefühlt ist es immer voller geworden. Zur Hauptzeit morgens zwischen 7 und 8 und nachmittags ab 16 Uhr pendeln einfach wahnsinnig viele Leute. Da kriegt man kaum einen Sitzplatz. Ab Winsen stehen eigentlich alle. Und spätestens wenn ich in Hamburg am Hauptbahnhof umsteigen muss, bin ich genervt.

Deshalb habe ich mich vor fünf Jahren entschlossen, auf den IC umzusteigen. Das ist deutlich teurer, aber für mich ist es eine Investition, die meine Lebensqualität deutlich verbessert. Seitdem bin ich entspannter, nutze die Zeit zum Lesen oder Arbeiten und schaffe es auch mal, in Ruhe die Zeitung zu lesen. Der Zug fährt durch bis zum Dammtor, sodass ich nicht am Hauptbahnhof umsteigen muss. Wenn ich das zwischendurch mal wieder mache, weil meine Bahn ausgefallen ist, merke ich, wie sehr mich das stresst. Am Hauptbahnhof sind morgens eben sehr viele Menschen unterwegs. Grundsätzlich habe ich mich aber ans Pendeln gewöhnt. Ich würde daran nichts ändern. Beruflich gefällt es mir gut in Hamburg, aber Lüneburg ist einfach eine tolle Stadt zum Leben. Dafür nehme ich die Fahrtzeit jeden Morgen gerne auf mich.“

10 Kommentare

  1. Bin selber B404-Leidender …. Öffentlicher Nahverkehr klingt immer toll. Würde auch gerne mit Bus & bahn nach HH. „33 Minuten braucht der Metronom von LG bis HH Hauptbahnhof“. Das ist super .. aber wielange dauert es zum Bahnhof LG und .. was noch mehr Zeit benötigt… vom Hauptbahnhof HH zum Arbeitsplatz ? Bin früher LG Hannover mit der Bahn gependelt … ich werde NIE WIEDER einen Fuß (zwecks Pendeln) in die Bahn stellen. Aber noch kurz zu den Baustellen … es ist erschreckend wie immer wieder die Baustellen nicht aufeinander abgestimmt werden. Baustelle .. und auf der Ausweichstrecke auch Baustelle.

    • Ron
      es ist erschreckend wie immer wieder die Baustellen nicht aufeinander abgestimmt werden.
      wissen sie woran das liegt? so eine ausschreibung hat so seine schwächen.

      • Und jetzt rechnen Sie mal den Volkswirtschaftlichen Schaden durch. Wieviele Menschen stehen wieviele Stunden (unproduktiv) im Stau ? Wobei …es wird ja (mehr) Sprit verbraucht .. das ist dann ja wieder gut fr den Staat (Benzin-/Öko-Steuer). Also spart der Staat doppelt am Stau … Bauarbeiten werden günstiger und mehr Steuereinnahmen. Dann kann ich mir gut vorstellen das das in den nächsten Jahren (Jahrzehnten) nicht besser wird. Ganz im Gegenteil ….

  2. Eine Alternative ist der Metronom leider tatsächlich oft nicht. Verspätungen, Überholungen durch vorgelassene (DB-)Züge, Ausfälle, überfüllte Züge,… Und für viele endet der Arbeitsweg ja nicht in HH Hbf sondern der Weg zum Arbeitsplatz geht noch weiter.
    Leider gibt es immer noch keinen schnellen Metronom ab LG gegen 08:00 Uhr; was nutzt die Info über die Sardinen-Züge, wenn man diese mangels passender Verbindung doch nehmen muss?! Vor 4 Jahren bin ich auf die 1. Klasse umgestiegen, um zumindest etwas Ruhe zu haben – aufgrund der immer höheren Fahrgastzahlen kommt man mittlerweile auch schon ab LG immer mal in den „Genuß“ eines teuren Stehplatzes. Für die Pendler ab Winsen ist es noch unangenehmer – ein Sitzplatz hat Seltenheitswert, auch in der 1. Klasse.

  3. und klar ihr alle arbeitet schön im büro….ihr sesselpuper könntet schön mit der bahn fahren….machen ihr aber nicht….. nur wir als handwerker MÜSSEN mit dem auto fahren da wir ja unser werkzeug und maschinen auf der baustelle brauchen…..ich fahre jeden morgen nach WEDEL von Vastorf aus…..2-2,5 stunden sind da mal garnix…..

  4. Hier schein mein Kommentar zur Fahrpreiserhöhung beim Schieneverkehr auch zu passen:

    Das ist doch nichts Neues! Im Nahverkehr fährt der Berufspendler, der auf Bus und Bahn angewiesen ist. In den schnellen Fernzügen hingegen zu einem großen Teil Geschäftsreisende, die die Fahrpreise natürlich von ihrer Firma ersetzt bekommen.
    Sollte man eventuell vermuten, dass wenn die Ticketpreise im Fernverkehr in gleicher Weise angehoben würden wie im Nahverkehr die Kundschaft vielleicht doch eher auf den Flieger umsteigen würde??
    Auf jeden Fall ist der Berufspendler ein gern gesehener Kunde, den man nach Belieben melken kann.
    Ach ja, ich habe mein HVV – Jobticket vor ein paar Tagen abgeben und fahre wieder mit dem Auto. Das ist zwar teurer, ich brauche mich dafür nicht an Fahrpläne halten, sitze oder stehe nicht in überfüllten Regionalzügen und brauche mich nicht mehr darüber ärgern, dass die Busanschlüsse in Lüneburg nicht passen. Zug kommt in Lüneburg an und der Bus (5014) ist gerade weg. D.h. weitere Wartezeit von 20 Minuten.
    Und wozu dient eigentlich das 3 Gleis zwischen Lüneburg und Maschen? Nachmittags von Hamburg kommend wird der ME regelmäßig in Winsen an die Seite gestellt, damit ein verspäteter ICE überholen kann!
    Mit Bus und Bahn habe ich zwischen 1,5 Stunden und bis zu 2 Stunden für einen Weg von Lüneburg nach Hamburg benötigt. Mit dem Auto trotz der vielen Baustellen bin ich nur ca. 50 Minuten unterwegs.
    Schade nur, dass unter diesen Gesichtspunkten der Umweltgedanke auf der Strecke bleibt. ÖPNV ist aus meiner Sicht zu teuer, zu unflexibel und dauert einfach zu lange um von A nach B zu kommen.

  5. Da sieht man mal den Unsinn der geplanten Autobahn A39. Schon jetzt ist der Weg nach Hamburg dicht. Niedersachsen hat zwar nicht die besten Verkehrsplaner in Deutschland, aber wenn man die an Autobahnen vergeudeten Kapazitäten frei machen würde, dann würden letztendlich alle Menschen von mehr Mobilität profitieren.

    • vorsicht, laut lünepost ist die gefahr groß, dass meishies in die spd eintritt. schmunzel. dann kommt die a39 ganz bestimmt. schmunzel.

  6. Es ist wirklich schade, dass die Pendelei von LG nach HH sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto in den letzten Jahren eine derart hohe (zeitliche und nervliche) Belastung geworden ist. Ich habe ein Abo für den Metronom, fahre aber immer mal wieder mit dem Auto nach Hamburg, wenn mich die Dauer, die Verspätungen und die Unflexibilität mit dem Zug zu sehr nervt. Für reguläre 8 Stunden Arbeit bin ich mit dem Zug über 11 Stunden aus dem Haus; wenn’s bei der Bahn/dem Metronom mal wieder Verspätungen gibt, schnell auch mal mehr. Übliche Überstunden erst gar nicht berücksichtigt. Da bleibt die Lebensqualität in der Woche auf der Strecke.
    Mit dem Auto bin ich eine Stunde unterwegs, wenn die Strecke halbwegs zügig zu fahren ist. Wann die Strecke nach HH (egal ob A39 oder B404 und die A255) in den letzten Jahren mal länger ohne Baustellen bzw. Stau’s zu fahren war… ich kann mich nicht mehr daran erinnern.
    Wie auch Thorsten Wodarz lebe ich sehr gerne in Lüneburg und mag meinen Job in HH. Eine Situation, die mit pünktlichem ÖPNV (mit ausreichend Platz für alle Pendler) und halbwegs freien Autobahnen gut zu bewältigen wäre.

  7. Ich komme aus Scharnebeck und arbeite in der Nähe des Harburger Hafens und habe auch die liebe Last mit den Baustellen. Es fängt auf der A39 an, wenn der Rückstau der A1 bis in die Baustelle reicht und dort für Stau sorgt. Dann geht’s weiter auf der A7. Ich muss Heimfeld runter, im Grunde genau vor der großen Baustelle. Dort steht man morgens ewig, sofern man nicht die Standspur nimmt um abzufahren – mir zu riskant auf Dauer. Also bleibt das Fahren durch Harburg, was am Anfang ging, jetzt aber auch schon von vielen gemacht wird… Fahrzeit unter normalen Bedingungen 35 Minuten, aktuell 60 – 90 Minuten.

    Öffentliches Verkehrsmittel kommen aufgrund der gruseligen Taktung Scharnebeck – Bhf und Harburg – Arbeit nicht in Frage. Dauer hier mit Glück 2 Stunden…