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Der schnelle Kaffee auf die Hand sorgt für eine gewaltige Umwelt-Belastung. Deshalb propagiert die GfA in der Woche der Abfallvermeidung die Nutzung von Mehrwegbechern. Foto: dpa
Der schnelle Kaffee auf die Hand sorgt für eine gewaltige Umwelt-Belastung. Deshalb propagiert die GfA in der Woche der Abfallvermeidung die Nutzung von Mehrwegbechern. Foto: dpa

Mit „Coffee-to-go“ in die Umweltkrise

Von Klaus Reschke

Bardowick. Es ist der sprichwörtlich schnelle Genuss: Der Kaffee im Becher zum Mitnehmen neudeutsch: „Coffee-to-go“. Fix beim Bäcker um die Ecke oder an der Tankstelle bestellt, rasch auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni oder zum Bahnhof getrunken. Ist der Becher leer, wird er achtlos weggeworfen. Bestenfalls in den Abfalleimer, nicht selten in die Natur. „Die Kaffeebecher sind ein massives Umweltproblem,“ stellt Diplom-Ingenieurin Katja Richter vom kommunalen Entsorger GfA mit Sitz in Bardowick fest. Denn: Der Kaffeegenuss dauert nur Minuten, „das vollständige Verrotten der Becher aber mehr als 50 Jahre“.

Europäische Woche der Abfallvermeidung

Katja Richter und ihr Kollege Gerhard Schreyer setzen daher auf das Umdenken bei Verbrauchern und Verkäufern: Statt auf Einweg- auf wiederverwendbare Becher. Bei der Europäischen Woche der Abfallvermeidung Ende November, an der sich auch die GfA wieder beteiligen wird, werden Richter und Schreyer in der Stadt Kaffee-Spezialitäten ausschenken. Freilich nicht in Einweg- sondern in wiederverwendbaren Bechern. Das Motto ihrer Aktion: „Coffee to go gut für den Kreislauf.“

Zur Zeit sind die beiden GfA-Experten dabei, möglichst viele Bäckereien und Coffeeshops als Kooperationspartner für ihre Umwelt-Idee zu gewinnen: „Die Bäckereien Kruse und Harms haben schon zugesagt“, freut sich Richter, mit anderen Unternehmen stehe man noch in Gesprächen.

Jedes Jahr 6,4 Milliarden Becher

Bereits in der Vergangenheit hatte sich die GfA an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung beteiligt: 2014 tauschte der Entsorger Plastikeinkaufstüten gegen langlebige und umweltfreundliche Einkaufsbeutel. „Mit dieser Aktion sollte auf den allgemeinen Wegwerftrend und die Menge an Plastiktüten, die wir in unserem täglichen Leben nutzen, aufmerksam gemacht werden. 2500 orangefarbene Stofftaschen wurden in knapp sechs Stunden an die Passanten verteilt. Im vergangenen Jahr lief die Kompost-Aktion, jetzt sind es die Einweg-Kaffeebecher, denen Katja Richter und ihr Kollege Gerhard Schreyer den Kampf angesagt haben.

Aus vielen Gründen: Allein in Deutschland kommen nämlich laut Verbraucherzentrale Hamburg jedes Jahr 6,4 Milliarden Becher zusammen. „Weltweit landen so viele Becher auf dem Müll, dass sie ineinandergeschoben bis zum Mond reichen würden“, zitiert Schreyer aus entsprechenden Studien. Zu etwas geringeren Zahlen kommt die Deutsche Umwelthilfe: Sie geht von 2,8 Milliarden verbrauchten „Coffee-to-go“-Becher jährlich aus. „Stellt man die Becher mit dazugehörigen Plastikdecken aufeinander, entsteht ein 300000 Kilometer hoher Turm“, schreibt die Deutsche Umwelthilfe: In Form einer Kette ließe sich die Erde damit mehr als sieben Mal umrunden.

Vermeintliche Zeitersparnis

Recyceln lassen sich die meisten Becher auch nur bedingt. Der Grund: Die meisten Pappbecher sind innen mit Plastik beschichtet. Ein Einwegbecher besteht zu etwa fünf Prozent aus Polyethylen. Für die in Deutschland jährlich verbrauchte Menge an Einwegbechern sind laut Umwelthilfe 1500 Tonnen Polyethylen notwendig, die Deckel verschlingen 9400 Tonnen Polystyrol. Um beide Kunststoffe in erforderlicher Menge herzustellen, benötigt die Industrie jährlich 22000 Tonnen Rohöl.

„Eine gigantische Ressourcen-Verschwendung“, findet Gerhard Schreyer „nur, um ein Getränk auf die Schnelle zu konsumieren, das man eigentlich in Ruhe genießen sollte.“ Der Bonner Soziologe Rudolf Stichweh hat dieses Phänomen untersucht und festgestellt: Der wichtigste Grund für die Pappbecher-Trinker sei wohl die vermeintliche Zeitersparnis. Mit dem „Coffee-to-go“ wolle man doch eigentlich „Zeit-to-go“ kaufen.“ Viele wissen nicht, dass das auf Kosten der Umwelt passiert.

10 Kommentare

  1. welch eine aufregung und so leicht zu lösen. gebt ihm ein glas. darauf sind sogar fingerabdrücke zu erkennen, wenn er es in die natur wirft. schmunzel. zeugen zum denunzieren sind schnell zu bekommen. pro glas-hinweis ein euro. dann brauchen die armen menschen auch nicht mehr in mülleimern nach essensreste bei uns suchen.

  2. Daniel Stricker

    „Um beide Kunststoffe in erforderlicher Menge herzustellen, benötigt die Industrie jährlich 22000 Tonnen Rohöl.“

    Das ist leider Unfug. Kunststoffe werden aus den RESTEN der Öl-Raffination hergestellt, die früher schlicht ein Entsorgungsproblem darstellten und meist einfach abgefackelt wurden (Leichtbenzin = Feuerzeugbenzin, Fleckenlöser, Gase = Raffineriefackeln). Es handelt sich bei den Kunststoffen mithin um die Verwertung vormaliger Abfallstoffe.

    Und es wird nicht ein einziger Liter Erdöl gefördert, um Kunststoffe herzustellen. Es geht beim Öl immer um die Energiegewinnung, insbesondere für Verkehr und Heizung. Rund 85 bis 90 Prozent des Öls werden verbrannt, der Rest halt irgendwie verwertet (Chemie, Baustoffe) oder entsorgt.

    Mehrweg hat im übrigen weniger mit den eingesetzten Werkstoffen als mit dem Verhalten zu tun. Leider werden hier oft Kurzschlüsse gezogen. Die werden der Umwelt aber nicht helfen. Das Problem sind nicht die Stoffe, sondern das menschliche Verhalten (insbesondere unkontrolliertes Wegwerfen).

    Auch Papier beispielsweise ist ein vom Menschen industriell hergestellter Stoff, der bei der Zersetzung die Inhaltsstoffe freigibt, die das Papier benötigt, um zu funktionieren (Bleichmitttel, Farben, Binder etc). Das bedeutet, das industriell gefertigte Stoffklassen bei der „Zersetzung“ unkontrolliert in Naturkreisläufe (bioverfügbar) freigesetzt werden. Das ist ein sehr hohes umwelttechnisches Risiko.

    • Liebe Leuphana-Studierende, lieber Daniel Stricker,

      wir wissen es zwar nicht mit Sicherheit, aber wenn wir Euch so beobachten – zum Beispiel beim Kauf einer Rolle Müllbeutel bei Aldi, welche Ihr in eine an der Kasse erworbene Plastiktüte stopft, um wenig später alles zusammen in den Biomüll zu werfen –, müssen wir zwingend davon ausgehen, daß Ihr einen geheimen Plan habt, wie Ihr Umwelt, Klima und das Zusammenleben von Euch allen auch in Zukunft auf die Reihe kriegen werdet. Habt Ihr doch, oder?

      Dann sind zuversichtlich: die Aliens aus dem Coffe-Shop No. 1

  3. Die Firma Coca Cola hat gerade zum 31.07.2016 die Produktion der 0,5 l Mehrwegflaschen und noch ein weiteres Gebinde der Marken Coca Cola, Fanta, Sprite, Bonaqua, Lift etc. eingestellt. Die Flaschen werden jetzt unter anderem durch eine 0,5l Einwegflasche ersetzt und wird nicht mehr in Kisten geliefert sondern je 12 Flaschen in fester Folie geschrumpft. Zusätzlich wird die Palette mächtig mit Folie gewickelt, um Stabilität zu bekommen. Der Abfallberg ist nach dem abpacken der Palette und Flaschen gewaltig. Es geht einzig darum die Produktion dieser Gebinde nicht mehr verbrauchsnah in Deutschland durchzuführen, sondern hier zu schließen und die Ware aus Polen etc. nach Deutschland reinzuliefern. Und der Einzelhandel überlegt die Supermarkttüten einzustellen, das wird dann durch den Umweltfrefel von Coca Cola mehr als kompensiert. Coca Cola versucht das dann noch Marketinggerecht als Umwelt- und Verbraucherfreundlich zu deklarieren. Früher war Marketing in der Betriebswirtschaftslehre mal eine Unternehmensführung nach Marktbedürfnissen, jetzt wird es nur noch zur Verarsche und Manipulation genutzt.

    • Ich wette für die Wickelfolie und die Schrupffolie zahlt Coca Cola noch nicht einmal eine DSD Gebühr. Naja was soll es, kann ja für die Energiegewinnung problemlos thermisch verwertet werden. Statt Heizöl sozusagen.

    • Das ist noch nicht alles an Müll. Coca Cola möchte, das man jeweils hundert leere Flaschen (das waren mal ca. 4 Getränkekisten) in einen großen Plastiksack steckt, mit einem Plastik Kabelbinder versieht, damit dies dann von Coca Cola und seinen Dienstleistern abgeholt werden kann, um das Einwegpfand gutgeschrieben zu bekommen. Plastik, Plastik, Plastik Coca Cola. Den Konzern sollte man meiden. Ich trinke jetzt nur noch Sinalco Mehrweg, wenn es schon Cola sein muss.

  4. Das Problem mit den ToGo Bechern könnte man sicherlich auch technisch durch die Vorgabe nur schnell und rückstandsfrei verrottbare Becher auf Stärkebasis zuzulassen. Das von Trittin nicht gestoppte Einwegpfand hat letztendlich leider nur zum Aussterben der Mehrweggebinde beigetragen, da sich dadurch eine lückenlose einheitliche Rücknahmemöglichkeit der Einweggebinde etablieren musste, gegen die das unbequeme Mehrwegsystem nicht mehr ankommt. Eine Rückgabe ist beim Mehrweg nicht überall möglich, sodass man nur zur Rückgabe oftmals mehrere Verkaufsstellen aufsuchen muss und viele Mehrwegflaschen daher in den Müll wandern.

    • Die einzigen, die das Mehrwegsystem noch hoch halten, sind die Menschen, die aus Glasflaschen konsumieren. Es fragt sich nur wie lange noch, wenn Firmen wie Coca Cola nach und nach die Mehrweggebinde einstellen, wird der Kostenvorteil gegen die Konkurrenz eingesetzt, die zum überleben nachziehen muss.

    • @Peter
      Man könnte auch zukünftig an den normalen Menschenverstand apellieren, der einem sagt,daß man ohne Smartphone in der Hand und ohne andere Leute anrempelnd und ohne Kaffee im gehen zu trinken, wunderbar leben kann. Den Kaffee kann man dann im Cafe`, oder zu Hause trinken. Wie sagte mein Lehrer früher: „Alles zu seiner Zeit!“
      Allerdings sehe ich die so „umweltinteressierten Aktivisten“ tagtäglich in der Stadt schlendern( s. o.) und am Wochenende demonstrieren. Allerdings ist das eigene Verhalten mit Pappbechern, Plastiktüten und Flaschen die ungehindert in der Umwelt entsorgt werden, danach geradezu unverständlich . Die Aktien von Oelriesen werden aber trotzdem gerne genommen ,um etwas zu verdienen. Grüsse an die linksgrüne Community in Lüneburg

      • Menschenverstand ?! Albert Einstein sagte einmal .. „Es gib nur 2 Dinge die unendlich sind … das Universum und die Dummheit der Menschen ….. ….. …. …… …. wobei beim Universum bin ich mir nicht sicher“