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Anette Hiller erhört die Stadt. Die Hamburgerin lädt ein zu Führungen durch Lüneburg, um sie akustisch kennenzulernen.
Anette Hiller erhört die Stadt. Die Hamburgerin lädt ein zu Führungen durch Lüneburg, um sie akustisch kennenzulernen.

Ein Spaziergang für die Ohren

Von Tjark Thönßen

Lüneburg. Stadtführungen gibt es in Lüneburg viele. Es werden historische Führungen angeboten, auch Kostümführungen, und sogar per Pferdekutsche lässt sich die Stadt erkunden. Doch alle diese Führungen haben eines gemeinsam: Das Organ zur Wahrnehmung der Umgebung ist stets das Auge. Ändern möchte dies Anette Hiller, die seit kurzem wöchentliche Klangspaziergänge durch die Stadt Lüneburg anbietet.

„Auf die faszinierenden Klänge in Lüneburg bin ich zum ersten Mal aufmerksam geworden, als ich mit meiner Geige Straßenmusik in der Lüneburger Innenstadt gemacht habe“, erzählt die Hamburger Studentin. Besonders inspiriert habe sie dabei das Auf- und Abgehen des Torbogengangs am Ratskeller. „Auch andere Führungen beispielsweise in mittelalterlichen Gewandungen haben mich klanglich in einen ganz anderen Kontext gebracht und inspiriert, diese Klangspaziergänge anzubieten.“

Geräusche und Klänge in einen anderen Kontext einordnen

„Es geht bei den Spaziergängen darum, verschiedene Orte hier in der Stadt zu besuchen und sich einfach mal ein bisschen aus dem Alltag zu befreien“, erklärt Hiller. Die Frage sei dabei stets: Welche Umweltgeräusche bietet mir die Stadt? „Über das Hinhören kommt man dann in einen Schreibprozess man nimmt diese Worte auf und kann daraus einen Text gestalten.“

Neben dem Ziel des Schreibens gehe es bei den Klangspaziergängen aber auch um die Aufmerksamkeit, Geräusche und Klänge in einen anderen Kontext einzuordnen, als man es vielleicht im Alltag tut und sich dabei auch selbst zu hinterfragen, erklärt die Studentin. „Dabei kann sich dann jeder selbst ergründen, welche Geräusche einem angenehm erscheinen und welche einem eventuell viel zu laut sind.“

Unbekannte Klänge, die sonst im Alltag untergehen

Eine Teilnehmerin der ersten Stunde ist Birgitt Griebe. Die ehemalige Lehrerin ist vor allem auf der Suche nach unbekannten Klängen, die sonst im Alltag untergehen. „Früher habe ich mit meinen Schulkindern häufig Spaziergänge durch Lüneburg gemacht“, erzählt sie, „nun bin ich gespannt, was mir dabei damals klanglich entgangen ist“.

Weitere Informationen über die Klangspaziergänge gibt es unter anette_hiller@gmx.de und auf der Facebookseite der Klangspaziergänge. Jeder Inte­ressierte ist eingeladen, an den Spaziergängen teilzunehmen.

Startpunkt der kostenlosen Spaziergänge ist jeden Samstag um 15 Uhr an der Mondbasis in der Lünertorstraße. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.