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Wo Sonnenblumen wachsen, sollen Einfamilienhäuser entstehen. Noch aber hat die Stadt dem neuen Projekt im Wilschenbruch nicht zugestimmt. Foto: us
Wo Sonnenblumen wachsen, sollen Einfamilienhäuser entstehen. Noch aber hat die Stadt dem neuen Projekt im Wilschenbruch nicht zugestimmt. Foto: us

Wilschenbruch: Sonnenblumen statt Baugerüste

Von Ulf Stüwe

Lüneburg. Baufahrzeuge, Betonmischer, Kreissägen — im Neubaugebiet Auekamp herrscht rege Betriebsamkeit. Dort, wo früher der LSK Tore schoss, entsteht derzeit eines der nobelsten Viertel Lüneburgs. Wenn es nach Uwe Gerner geht, soll es auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Reiherstiegs möglichst bald genauso aussehen. Auch dort will der Geesthachter Investor schmucke Einfamilienhäuser und ein Wohnprojekt für Senioren entstehen lassen. Doch statt Baugerüsten wachsen auf dem 8000 Quadratmeter Grundstück derzeit nur Sonnenblumen.

„Ich bin frohen Mutes und mit der Stadt im Gespräch“, sagt Uwe Gerner. Er würde lieber heute als morgen mit den Bauarbeiten auf dem Grundstück beginnen, auf dem bis vor kurzem noch das Kinderheim beheimatet war. Nach dessen Auszug ließ Gerner die Gebäude abreißen. Zuvor hatte er sich erfolgreich gegen eine Beschlagnahmung des Anwesens durch die Stadt vor Gericht gewehrt (LZ berichtete). Die hatte vor, wegen des Flüchtlingsandrangs Ende 2015 dort vorübergehend Hilfesuchende unterzubringen, musste dann aber auf andere Unterkünfte ausweichen.

Nun ist es Gerner, der die Stadt braucht. Denn für seine Baupläne — auf dem Grundstück sollen wie berichtet sechs bis sieben Einfamilienhäuser und zur Straßenseite hin ein zweiteiliger Gebäudetrakt für altersgerechtes Wohnen für Senioren entstehen — müsste der bestehende Bebauungsplan geändert werden.

Deshalb sucht der Investor den Schulterschluss mit der Stadt. „Wir sind dabei, bestimmte Aufgaben zu erledigen“, sagt Gerner. Konkret gehe es um Zuwegungen, das Sich-Einfügen der geplanten Objekte in die Umgebung und „andere Rahmenbedingungen“. Noch aber sei nichts spruchreif, man befinde sich in der „Abstimmungsphase“, auch eine formale Bauvoranfrage habe er bei der Stadt noch nicht eingereicht.

Investor wollte Bauarbeiten schon 2017 beendet haben

Ob das von Gerner im April anvisierte Ziel, schon im Herbst 2017 mit den Bauarbeiten fertig zu sein, noch realisierbar ist, scheint vor dem Hintergrund erst jetzt anlaufender Gespräche daher eher fraglich. Der Geesthachter zeigt sich dennoch optimistisch, das Projekt mit der Stadt umsetzen zu können: „Wir haben ein gemeinsames Ziel“, sagt Gerner mit Blick auf den angespannten Lüneburger Wohnungsmarkt.

„Gespräche gibt es, das können wir bestätigen. Es gibt aber bisher noch keinen neuen Sachstand“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Nach wie vor gelte der Bebauungsplan von 1967, der an der Stelle Gemeinbedarf vorsieht. Eine Änderung wäre von den Gremien zu beschließen. Zudem halte die Stadt an ihrem Ziel des Wohnungsbauprogramms — ein Drittel sozialer Wohnungsbau, ein Drittel frei finanzierter Mietwohnungsbau, ein Drittel Einfamilien- und Reihenhäuser — fest. „Insofern sind wir durchaus offen für Wohnungsbau unter Berücksichtigung dieser Drittel-Regelung auch an jener Stelle.“

Uwe Gerner scheint diese Signale vernommen zu haben. Bei dem anstehenden Neubauprojekt solle auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, ließ er jetzt durchblicken. Bislang war davon nicht die Rede.

2 Kommentare

  1. Als das Gemeinwesen (die Stadt) in einer Notsituation für eine begrenzte Zeit Hilfe in Form seines leer stehenden Gebäudes benötigte (und ihm ja auch eine marktübliche Miete gezahlt hätte), hat Herr Gerner nur seine Eigeninteressen vertreten und damit unnötige Kosten und Mühen für das Gemeinwesen verursacht. Jetzt soll die Stadt gefälligst ihm helfen und gültige Bebauungspläne nach seinen Vorstellungen umändern – und zwar zack, zack, er wollte schließlich 2017 das Bv schon beendet haben. Nachdem es nun nicht voranging mit der B-Plan-Änderung, nimmt er anscheinend (widerwillig?) zur Kenntnis, dass er als Investor eine Mitverantwortung dafür hat, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht. Herr Gerner, zur Erinnerung; §14 Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Falls Sie das Grundgesetz nicht interessiert, denken Sie rein praktisch: Irgenwo müssen all die Arbeitenden wohnen können, die auch Sie als der Mensch Gerner zur Aufrechterhaltung Ihres Lebens benötigen: Friseur, Paketbote, Reinigungskraft, Arzthelferin, Gärtner, Pflegekraft, Erzieher, Müllentsorger (kleine Auswahl aus Ihrem Lebenshelferkreis, alle mit geringem Einkommen; zu wenig, um in Ihren Komfortwohnungen leben zu können).

    • Danke für diesen Beitrag, sehr gut auf den Punkt gebracht, Horst Kortland.
      >>>Friseur, Paketbote, Reinigungskraft, Arzthelferin, Gärtner, Pflegekraft, Erzieher, Müllentsorger (kleine Auswahl aus Ihrem Lebenshelferkreis, alle mit geringem Einkommen; zu wenig, um in Ihren Komfortwohnungen leben zu können).<<<
      Deswegen sollte die Stadt Lüneburg das Wort Gemeinwesen wörtlich nehmen und hier, WENN schon Natur zerstört wird, ausschließlich echten(!) Sozialen Wohnungsbau zulassen.

      Was Herr Gerner sich im letzten Jahr erlaubt hat, zeigt ganz eindeutig seine Interessen, Gemeinwohl gehört mit Sicherheit nicht dazu.
      Ihm sollte in Lüneburg nie wieder die Möglichkeit gegeben werden, Geld zu verdienen.

      Lüneburg braucht keinen Herrn Gerner – hier werden günstige Wohnungen benötigt!!