Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | 1500 junge Leute treten ihr Studium an der Leuphana an
Die Bänke in der St. Johanniskirche sind alle besetzt, bei der Eröffnung bleibt kein Platz frei. 1500 Studenten folgen dem Vortrag von Dialog im Dunkeln-Erfinder Dr. Andreas Heinecke. Foto: t&w
Die Bänke in der St. Johanniskirche sind alle besetzt, bei der Eröffnung bleibt kein Platz frei. 1500 Studenten folgen dem Vortrag von Dialog im Dunkeln-Erfinder Dr. Andreas Heinecke. Foto: t&w

1500 junge Leute treten ihr Studium an der Leuphana an

Von Anna Paarmann
Lüneburg. In kleinen Gruppen haben sich die vielen jungen Leute auf dem Vorplatz der St. Johanniskirche versammelt. Es wird geredet, gelacht und gefroren. Kapuzen verdecken manche Gesichter. Ganz unpassend zu diesem besonderen Tag tröpfelt es vom Himmel. Das tut der Stimmung der 1500 Studenten, die jetzt ihr Studium an der Leuphana Universität starten, jedoch keinen Abbruch. Die Aufregung ist groß. Endlich ist es soweit. Die Kirchentore öffnen sich. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Das Programm, das auf den Plätzen ausgelegt ist, listet viele Namen. Reden über Reden. Viele Leuphana-Vertreter wollen die Neuen in ihrem Kreis willkommen heißen. Es dauert, bis jeder einen Platz gefunden hat. Um 10.05 Uhr ist die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Als Christian Brei, Leiter der Universitäts- und Lehrentwicklung, auf das Podium tritt, ist es mucksmäuschenstill. Warme Worte sind es, die die „Erstis“ dringend hören müssen. Vor allem mit Blick nach draußen. „Wer sind wir?“, fragt Brei, lässt seinen Blick durch die Kirche schweifen. „Schaut nach rechts und links — das seid Ihr.“ Die Universität sei ein diverser Ort und Diversität eine Herausforderung, ergänzt er. „Ihr werdet in den nächsten Tagen herausfinden, inwiefern Ihr euch unterscheidet, wie Ihr damit umgehen könnt.“

Grußworte für die Neuen in der Leuphana-Familie

Das Gotteshaus schindet auch bei Prof. Dr. Carola Schormann Eindruck. Die Vizepräsidentin für die Bereiche College und Campusleben ist aber schon ein Jahr weiter. „2017 wird die Zeremonie im neuen Zentralgebäude stattfinden“, versichert sie schmunzelnd. „Wenn Sie diese eindrucksvolle Kirche sehen, wissen Sie, wieso wir Daniel Libeskind bauen lassen.“

Den gleichen Stolz empfindet auch Präsident Sascha Spoun. Noch immer. Er spricht bereits zum zehnten Mal bei einer Startwoche, hat das Projekt gemeinsam mit Holm Keller gestartet. „Wir können versuchen, innerhalb unserer Kultur für uns zu bleiben“, sagt er, „aber globale Herausforderungen machen nicht an den Grenzen Halt.“ Er kommt auf das Startwochen-Thema zu sprechen: „Diversität hilft uns dabei, Lösungen für die Probleme des 21. Jahrhunderts zu finden.“ Die wichtigste Eigenschaft fürs Studium sei Neugier. „Seid so angesteckt davon, wie die vielen Studenten vor euch.“

Ansteckend war auch die Rede von Dr. Andreas Heinecke. Er hat vor 28 Jahren „Dialog im Dunkeln“ erfunden — ein Konzept, bei dem sehende Menschen von Blinden durch dunkle Räume geführt werden. „Ich habe rund 10.000 blinde Menschen getroffen, durch diesen Kontakt lernen wir, richtig zu sehen“, sagt der Unternehmer. „Wir können entscheiden, wem wir die Hand reichen.“ Das sei eine Bereicherung des eigenen Lebens, eine Möglichkeit, die Komfortzone zu verlassen. Die Zukunft mache einem Angst, sagt Heinecke. „Auch mir. Ich verkaufe Dunkelheit. Wer will das schon kaufen?“ Schallendes Lachen im Kirchenschiff. Die eigenen Werte seien entscheidend, „wir müssen Werkzeuge und Möglichkeiten finden, die Meinung der Leute zu ändern“. Dazu könne eine Uni beitragen, Studenten zu Persönlichkeiten verhelfen, sie formen.

„Früher hat das Salz die Stadt vorangebracht, heute sind es die Studenten.“

Auch Bürgermeister Eduard Kolle darf nun endlich sprechen. „Ich verstehe noch immer kein Englisch“, entschuldigt er sich. „Ich weiß, dass ich letztes Jahr versprochen habe, zu pauken.“ Es hagelt ­Applaus. Die Neu-Lüneburger hat er sofort auf seiner Seite. „Früher hat das Salz die Stadt vorangebracht, heute sind es die Studenten.“

Begrüßt werden die Neuen auch von ihresgleichen. Die AStA-Sprecherinnen Ronja Hesse und Susanna Dedring: „Ihr seid sicher euphorisch und ängstlich zugleich, müsst euch jetzt um Wohnung, Kühlschrank und Waschmaschine kümmern, seid unabhängiger denn je zuvor.“ Bei möglichen Problemen sei aber niemand allein. „Wir betreuen euch alle.“