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Seit gut 23 Jahren können Artlenburger im Ortskern im Frischemarkt Schulz einkaufen. Mit der geplanten Ansiedlung des Supermarktes am Ortsrand würden hier die Lichter ausgehen. Foto: be
Seit gut 23 Jahren können Artlenburger im Ortskern im Frischemarkt Schulz einkaufen. Mit der geplanten Ansiedlung des Supermarktes am Ortsrand würden hier die Lichter ausgehen. Foto: be

Wie viel Supermarkt darfs sein?

Von Dennis Thomas
Artlenburg/Lüneburg. Artlenburgs Gemeindebürgermeister Rolf Twesten ringt weiter mit dem Landkreis Lüneburg um die Größe des geplanten Discounter-Marktes am Ortsrand, den die Kette Norma realisieren will. Doch der Kreis hat sich jetzt in einer Stellungnahme erneut kritisch zu den Marktplänen geäußert, insbesondere zu dem von der Gemeinde vorgelegten Gutachten. Darin sei die notwendige Kaufkraft für die Ansiedlung eines neuen Marktes nicht ausreichend belegt, allenfalls behauptet worden. Gleichwohl betont Lüneburgs Kreisrätin Sigrid Vossers auf LZ-Nachfrage: „Wir wollen keinen Supermarkt verhindern, sondern den richtigen für den Standort finden.“ Dass der bereits existiere, meinen hingegen Angestellte und Kunden des bestehenden Frischemarktes im Ortskern und organisieren nun den Protest gegen die Neuansiedlung.

Zumindest Hohnstorf hat keine Bedenken mehr

Artlenburgs Gemeindebürgermeister Twesten ist aus allen Wolken gefallen, als er die Stellungnahme des Landkreises in Händen hielt. Kürzlich war die Stellungnahmefrist bei der öffentlichen Auslegung zur „2. Änderung des Bebauungsplans Nr. 8 Nahversorgung an der Bundesstraße“ zu Ende gegangen. Dabei hatte Twesten dem Landkreis sogar noch eine mehrtägige Fristverlängerung zur Stellungnahme eingeräumt und das nun zur Diskussion stehende Gutachten dem Kreis einige Wochen vorher zur Verfügung gestellt. „Und dann äußert sich der Landkreis negativ?“, wundet sich Twesten.

Bedenken hatte zuletzt auch die Gemeinde Hohnstorf geäußert. „Doch der Landkreis hat die Artlenburger Pläne eingebremst“, verweist Hohnstorfs Bürgermeister André Feit (CDU) auf Gespräche im Frühjahr mit der Lüneburger Kreisrätin, die zu dem Zeitpunkt noch Monika Scherf hieß. Angesichts der verabredeten Begrenzung auf 999 Quadratmeter Verkaufsfläche „haben wir keine Einwände“, sagt Feit auf LZ-Nachfrage. „Wir werden der Entwicklung der Gemeinde Artlenburg nicht dauerhaft im Wege stehen.“ Umso mehr treibt Twesten nun die Kritik vom Landkreis um.

Begrenzung der Verkaufsfläche auf unter 1000 Quadratmeter alleine reicht nicht

Gegenüber der LZ macht Lüneburgs neue Kreisrätin Sigrid Vossers deutlich, dass eine Begrenzung der Verkaufsfläche des geplanten Marktes an der Bundesstraße 209, Ecke Marschenweg, auf unter 1000 Quadratmeter alleine nicht reicht, um eine Zustimmung vom Kreis zu erhalten: „Auch die anderen Parameter, die zu der Marktgröße führen, müssen erfüllt sein.“ In dem Gutachten, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte, sei nicht hinreichend belegt, dass der geplante Discounter ausschließlich der Nahversorgung diene. Dafür müssten „mindestens 50 Prozent Kaufkraft für den Markt fußläufig aus dem Flecken Artlenburg kommen“. Vossers: „Nach den derzeitigen Unterlagen würde der Auftrag über eine Nahversorgung hinausgehen.“

Auch sieht die Kreisverwaltung es kritisch, dass die Bewohner des Artlenburger Campingplatzes beim Sportboothafen offenbar in die Kaufkraftberechnung eingeflossen seien. Vossers: „Da muss in dem Gutachten nachgebessert werden.“ Grundsätzlich befürworte der Kreis sogar die Einrichtung eines neuen Supermarktes, so die Kreisrätin.

Angestellte und Kunden kämpfen für ihren Dorfladen

Dass der Fleckenrat Artlenburg seine Pläne für die Discounter-Ansiedlung fallen lässt, wünschen sich unterdessen Kunden und Angestellte des bestehenden, kleinen Edeka-Marktes im Ortskern mit unter 200 Quadratmeter Verkaufsfläche. Neben dem Eingang steht ein Transparent auf dem es heißt: „Wir wollen unseren Dorfladen behalten!“ Die Angestellte Anna Freese hat zudem eine Unterschriftenaktion gestartet. Seit Montag hätten sich bereits rund 80 Unterstützer gegen die Neuansiedlung am Ortsrand und gegen die Schließung des Frische-Marktes ausgesprochen. Auch Verkäuferin Heike Grünwald befürchtet: „Die Kaufkraft wird für beide Märkte in Artlenburg nicht ausreichen.“ Sie fürchtet ebenso wie vier Kollegen um ihren Arbeitsplatz.

Das nimmt der Flecken offenbar in Kauf. Das geht ebenfalls aus dem Gutachten hervor. Demnach diene der Frischemarkt „lediglich der Notversorgung der örtlichen Bevölkerung“ und werde derzeit noch vom Flecken subventioniert. Denn untergebracht ist der Markt in dem Gebäude der 2003 geschlossenen Sparkassenfiliale. Nach der Norma-Ansiedlung will der Flecken seine Subventionspolitik aufgegeben.

One comment

  1. Ich bin seit Jahren Camperin auf dem schönen Platz an der Elbe in Artlenburg, viele Camper würden den Platz wechseln, wenn man nicht mehr fußläufig einkaufen kann für den Tagesbedarf. Ich finde, der kleine Edeka ist ein richtig toller kleiner Laden, in dem ich immer alles bekomme, wenn auch nicht in riesengroßer Auswahl, aber dafür fahre ich eh nach Hohnstorf, denn die haben jetzt nach dem Umbau ja wirklich Alles. Und die Auswahl hat der geplante Billig Supermarkt am Ortsrand dann lange nicht.