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Mittwochmorgen, 10 Uhr. Die Uhr der Nicolaikirche ist der Zeit rund 7  Minuten voraus. Foto: t&w
Mittwochmorgen, 10 Uhr. Die Uhr der Nicolaikirche ist der Zeit rund 7 Minuten voraus. Foto: t&w

Aus der Zeit gefallen

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Historische Altstadthäuser, mittelalterliches Rathaus, verwinkelte Gassen — für manch Lüneburg-Besucher scheint die Zeit in der Hansestadt stehengeblieben zu sein. Dass die Stadt bisweilen sogar in der Lage ist, Zeit zu schenken, konnten aufmerksame Passanten in den vergangenen Tagen feststellen. Wer vom Rathaus über St. Nicolai zum Alten Kaufhaus im Hafen spazierte, durfte sich über einen echten Zeitgewinn von fast einer halben Stunde freuen. Der Grund: Alle drei Gebäude schmückt eine Turmuhr, doch keine davon ging richtig. Jetzt wurde nachjustiert, aber nicht immer wurde es auch besser.

Dienstagmorgen, Marktplatz. Die Rathaus-Uhr zeigt 10 Uhr an. Doch ein vergewissernder Blick auf St. Nicolai sorgt für leichte Irritation. Dort stehen die Zeiger auf 9.58 Uhr. Okay, kleine Differenzen, kann passieren. Auf dem Weg zum Bahnhof dann die Überraschung: Die Turmuhr des Alten Kaufhauses zeigt 9.36 Uhr an. Jetzt hilft nur noch das Internet: Die Smartphone-Uhr steht auf 9.55 Uhr. Schnell wird klar: Die Kaufhaus-Uhr geht 19 Minuten nach, Rathaus- und Nicolai-Uhr gehen 9 beziehungsweise 7 Minuten vor.

Rathau-Uhr erst im Juni auf Vordermann gebracht

Eine Nachfrage bei der Stadt soll Aufklärung bringen, schließlich wurde die Rathaus-Uhr erst im Juni technisch auf Vordermann gebracht. Stadtpressesprecher Daniel Gritz bestätigt, die mechanisch angetriebene Rathaus-Uhr sei von Staub und Altöl gereinigt worden und laufe nun leichtgängiger. Allerdings müssten die Gewichte zur Ganggenauigkeit so lange nachjustiert werden, bis die Uhr korrekt laufe. „Es kommt nun drauf an, die Uhr nach und nach ganz vorsichtig abzubremsen, bis sie annähernd minutengenau läuft. Bremst man sie zu stark ab und sie geht am Ende nach, gibt es ein Problem, weil die Uhr nicht vorgestellt werden kann. Das vorsichtige Abbremsen ist also der einzige Weg, die Laufgeschwindigkeit richtig einzustellen.“

Das aber scheint der Stadt in ihrem kurzfristigen Bemühen, die Uhrzeit wieder ins Lot zu bringen, misslungen zu sein. Ein Test am Mittwochmorgen um Punkt 10 Uhr Internetzeit offenbarte das Malheur: Die Rathaus-Uhr ging 3 Minuten nach.

Küster muss regelmäßug nachjustieren

Korrekten Lauf der Nicolai-Uhr verspricht Pastor Eckhard Oldenburg in den nächsten Tagen wieder. Er kennt das Problem bereits: „Unser Küster muss regelmäßig nachjustieren, konnte sich aber in den letzten Tagen nicht darum kümmern.“ Ein Vorteil: Glocken und Uhrwerk sind nicht gekoppelt, „Gottesdienst und Läuten beginnen deshalb zur richtigen Zeit“.

Einzig die Turmuhr am Alten Kaufhaus tickt nach einer Anfrage der LZ wieder richtig. Kurios aber auch hier: Die Uhr sei eigentlich funkgesteuert, könne daher gar nicht falsch gehen, sagt Cornelia Meyer, Mitarbeiterin des Hotels Altes Kaufhaus. „Das Problem aber ist die Übertragung der Uhrzeit auf das mechanische Uhrwerk.“ Regelmäßig, etwa alle sechs Monate, korrigiere man das aber.

Fazit: In Lüneburg ist es offenbar stets eine Frage der Zeit, ob die Uhren richtig gehen.