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Ein Paradies auf der anderen Seite der Welt: Die ehemalige Leuphana-Studentin Elisa Bracht hat sich in Indonesien mit einem Gästehaus selbständig gemacht. Foto: nh
Ein Paradies auf der anderen Seite der Welt: Die ehemalige Leuphana-Studentin Elisa Bracht hat sich in Indonesien mit einem Gästehaus selbständig gemacht. Foto: nh

Leuphana-Absolventin erfüllt sich Traum in Indonesien

Von Anna Paarmann

Lombok/Lüneburg. Von über 2000 Metern Höhe soll die Asche auf die umliegenden Wälder geregnet sein, sie in eine graue Wolke gehüllt haben. Auf der indonesischen Insel Lombok herrscht Ausnahmezustand. Ein kleiner Nebenvulkan des 3725 Meter hohen Rinjani ist kürzlich ausgebrochen. Über 100 Touristen sollen sich zu der Zeit dort aufgehalten haben. Leuphana-Absolventin Elisa Bracht, die im September ein Gästehaus im Süden Lomboks eröffnet hat, ist wohlauf. „Wir haben hier zum Glück nichts mitbekommen“, sagt sie auf LZ-Nachfrage.

Beim Stintbrand Hab und Gut verloren

Dabei hat die 25-Jährige schon einige Schicksalsschläge verkraften müssen. Erst eine Krankheitsgeschichte, dann einen Brand, bei dem sie alles verloren hat. Elisa Bracht war eine der Bewohnerinnen der Wohngemeinschaft am Stintmarkt 2a in Lüneburg, die im Dezember 2013 ausgebrannt ist. „Das war ein Schock, ich wusste nicht mehr weiter“, erinnert sie sich heute. „Was will die Welt eigentlich von mir? Das habe ich mich oft gefragt.“

Heute weiß die ehemalige Lüneburgerin, dass sie dadurch stärker geworden ist. Durch die Mittel aus der Versicherung ist sie ihrem Traum näher gekommen, konnte ein kleines Gästehaus eröffnen. Es trägt den Namen „Batu Bambu“.

„Ich war voller Energie, mit Vollgas bei der Sache“

Seit Anfang 2011 reist die brünette, sympathische junge Frau regelmäßig nach Indonesien, besonders gern nach Bali. „Da kannte ich mich aus, habe mich wohlgefühlt.“ Doch dann hätten Freunde sie überredet, mal mit nach Lombok zu kommen. „Aus drei Tagen ist gleich ein Monat geworden, es hat einfach gepasst“, sagt sie. Mit dem Versicherungsgeld und ihren Ersparnissen kauft Elisa Land und überzeugt ihre Familie, sie zu unterstützen. „Mir haben 20000 Euro gefehlt, als damals 23-jährige Studentin hätte ich von keiner Bank einen Kredit bekommen.“ Die anfängliche Skepsis ihrer Eltern räumt Elisa mit Tatendrang aus dem Weg. „Ich war voller Energie, mit Vollgas bei der Sache.“ Ihr Vater, Architekt von Beruf, steigt sogar in die Firma mit ein. Ebenso wie ein Einheimischer, der in bürokratischen Fragen unterstützt.

Etwa zehn Monate sind die Bauarbeiter aus einem Nachbarort damit beschäftigt, ein Haupthaus mit vier Zimmern, einen Bungalow für vier Personen und zwei Low Budget-Zimmer Räumlichkeiten für Reisende mit kleinem Geldbeutel und einen Pool zu bauen. Die Zimmer tragen merkwürdige Namen, aber nicht ohne Grund. Sie wurden nach Kindern aus dem Dorf benannt. Mira, Nary, Nuri, Mika und Zoey. Ihnen finanziert das Gästehaus durch die Vermietung der Räumlichkeiten die Schulausbildung bis zum Abschluss der High School.

„Das ist ein Fulltime-Job“

Und das Geschäft läuft gut. Schon im August ist das Gästehaus voll belegt. „Dabei haben wir offiziell erst Anfang September eröffnet“, erzählt Elisa stolz. „Seitdem sind wir voll.“ 18 Gäste kann sie insgesamt aufnehmen.

Zum Surfen hat Elisa nur noch selten Zeit. Foto: nh
Zum Surfen hat Elisa nur noch selten Zeit. Foto: nh

Die 25-Jährige, die eigentlich aus Halle bei Leipzig kommt, führt jetzt ein kleines Unternehmen. Mit vier Angestellten, Sicherheitsmann und Hausmeister. „Das ist ein Fulltime-Job.“ Jeden Tag am Strand liegen, die Sonne genießen und ihrem liebsten Hobby, dem Surfen, nachzugehen, sei jetzt nicht mehr die Realität. „Aber ich genieße die Arbeit, ich mache das ja schließlich gern.“ Immer wieder seien neue Leute zu Besuch. Ob aus Frankreich, Belgien, Peru, Spanien, Holland oder Australien die ganze Welt war schon zu Gast. „Alle kommen mit unterschiedlichen Geschichten.“

Die Entscheidung, Deutschland für die Selbstständigkeit zu verlassen, bereue sie bislang nicht. „Es gibt Momente, da wäre ein Rat von meiner Mutter von Angesicht zu Angesicht mal gut.“ Auch habe sie sich hin und wieder in einen gut klimatisierten Hörsaal nach Lüneburg zurückgewünscht. „Man wächst an seinen Aufgaben, für seinen Traum muss man ins kalte Wasser springen“, sagt Elisa selbstbewusst. Außerdem sei sie nie allein, habe stets Freunde zu Besuch. „Das wäre sicher etwas anderes, hätte ich ein Gästehaus in Kanada im tiefen Schnee eröffnet“, sagt Elisa und lacht. Auch würden immer wieder Studenten der Leuphana Universität nach Indonesien reisen, in ihrer Pension unterkommen.

Eine Region, die immer mehr Touristen anlockt

Ob sie ihr Leben auf Lombok verbringen wird, weiß die junge Frau nicht. „Lombok entwickelt sich zurzeit touristisch sehr stark. Wenn es hier so wird wie im Süden Balis, werde ich vermutlich keine 15 Jahre mehr hier bleiben.“ Für die nächsten Jahre sei sie aber auf jeden Fall glücklich. „Und ich muss mindestens so lange bleiben, bis ich meine Schulden abbezahlt habe“, sagt sie schmunzelnd.
Der Stintbrand war Tragödie und Chance zugleich. „Ich habe all meine Sachen verloren, dafür aber Kapital gewonnen“, erzählt Elisa. Kapital, das sie für einen Neustart nutzen konnte. Der Brand habe sie wachgerüttelt, feinfühliger werden lassen. „Jetzt oder nie, habe ich mir gesagt.“