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Der Westgiebel des Fürstensaalflügels wurde aufwändig saniert. Foto: sp
Der Westgiebel des Fürstensaalflügels wurde aufwändig saniert. Foto: sp

Westgiebel in neuem Glanz

Von Antje Schäfer
Lüneburg. Der Fürstensaalflügel ist eine der Schatzkammern des denkmalgeschützten Lüneburger Rathauses. In der ersten Hälfe des 15. Jahrhunderts errichtet, beinhaltet er wertvolle Räume wie Fürsten- und Huldigungssaal sowie Alte Kanzlei. Im Rahmen eines Masterplans wird derzeit dieser Teil des ehrwürdigen Gebäudes saniert. Dabei musste die Stadt dem Fürstensaalflügel auch aufs Dach steigen, denn der siebenteilige Westgiebel war in desolatem Zustand, die Standsicherheit bedenklich.

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So wie bei der obersten Staffel waren beim gesamten Giebel der Gipsmörtel herausgebrochen und die Ziegelsteine stark geschädigt (Foto l.). Das Foto rechts zeigt die oberste Staffel nach der Sanierung, bei der die Originalsubstanz möglichst bewahrt wurde.

Seit gut einem Jahr erhebt sich ein Hängegerüst von der Seite am Ochsenmarkt über den Dachfirst bis an die Südseite des Alten Rathauses. Dass es mit dem Stufengiebel, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden ist, nicht zum Besten stand, wusste die Stadt schon seit sechs Jahren. Damals wurde die rechte Staffel bereits mit einer Stahlkonstruktion gesichert. Doch erst mit Umsetzung des Masterplans, mittels dessen die Instandhaltung und Sanierung des Rathauses in vielen Bauabschnitten umgesetzt werden soll, und der Einwerbung von Fördermitteln konnte sich die Stadt im dritten Bauabschnitt dem Fürstensaalflügel nebst Dachwerk zuwenden.

„Eine umfassende Schadensuntersuchung des Giebels war erst nach Aufstellung des Gerüstes möglich“, sagt Antje Petersen vom Bereich Gebäudewirtschaft der Stadt. Was man fand, „waren Schäden, die es in dieser Intensität bisher noch nicht im Rathaus gegeben hat“. Der Gipsmörtel war teilweise herausgefallen, sodass sich klaffende Fugen gebildet hatten. „In großen Teilen, so an den freistehenden Ohren, war der Verbund des Mauerwerks dadurch nicht mehr gegeben. Einige Steinpartien hatten sich gelockert und mussten aus Sicherheitsgründen abgenommen werden. Außerdem hatten sich an den Mauerpfeilern zwischen den Wandnischen lange Risse gebildet“, erläutert Antje Petersen. Und auch die Ziegel und Formsteine waren aufgrund des Alters und der exponierten Lage des Giebels geschädigt.

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Die rechte Staffel wurde bereits vor sechs Jahren mit einer Stahlkonstruktion gesichert, weil die Standsicherheit gefährdet war (Foto l.). Das rechte Foto zeigt das Ergebnis der Sanierung.

In Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege wurde ein Sanierungskonzept entwickelt, das auf einen größtmöglichen Erhalt der originalen Bausubstanz setzte. So wurden zum Beispiel gerissene Steine abgenommen, geklebt und wieder eingebaut. „Aufgrund der statischen Mängel mussten jedoch vier Giebelstaffeln abgetragen und neu aufgemauert werden.“ Doch auch dabei sei darauf geachtet worden, dass sämtliche intakte alte Steine wieder verwandt wurden und die neu gefertigten Ziegel dem historischen Baumaterial nachempfunden wurden. Inzwischen sind sämtliche Sanierungsarbeiten am Westgiebel erledigt mit dem Ergebnis, dass ein erhebliches Maß der Originalsubstanz bewahrt werden konnte. Im November ist der Blick wieder frei auf den Giebel, denn dann wird das Gerüst endgültig abgebaut.

Einst Tanzsaal des Rates

Damit der 1450 entstandene Fürstensaal, der einst dem Rat als Tanzsaal und für Empfänge von Delegationen aus anderen Hansestädten diente, für die Zukunft erhalten bleibt, waren auch im Dachgeschoss darüber aufwändige Arbeiten notwendig.

Korkplatten, die in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur Dämmung verlegt worden und mit Schadstoffen belastet waren, wurden ausgebaut. Zimmerleute setzten stark geschädigte Deckenbalken und Teile der Dachkonstruktion instand. Die Kosten für die Sanierung des Fürstensaalflügels belaufen sich auf insgesamt 1,05 Millionen Euro, die Stadt trug davon die Hälfte, den Rest Bund und Länder.