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Tagsüber stehen genügend Taxis für die Kunden bereit, nachts aber kann es eng werden, besonders gegen 5 Uhr. Da werden gerne schon mal Taxis zum Bahnhof gewünscht, da nach 5 Uhr wieder die ersten Züge rollen. Foto: be
Tagsüber stehen genügend Taxis für die Kunden bereit, nachts aber kann es eng werden, besonders gegen 5 Uhr. Da werden gerne schon mal Taxis zum Bahnhof gewünscht, da nach 5 Uhr wieder die ersten Züge rollen. Foto: be

Das 5-Uhr-Taxi-Problem

Lüneburg. Wer am Vorabend ein Taxi für frühmorgens vorbestellen will, zum Beispiel für eine Fahrt zum Bahnhof, könnte eine böse Überraschung erleben so wie sie jetzt zwei Lüneburgerinnen widerfahren ist. Sie wollten, beide an verschiedenen Tagen, ein Taxi für 5 Uhr buchen. In beiden Fällen lehnten jeweils gleich drei Unternehmen die Vorbestellungen ab. Dahinter steckt das 5-Uhr-Taxi-Problem, für das es mehrere Erklärungen gibt. Weniger Personal und Fahrerwechsel sind zwei davon.

Die Lüneburgerin Katrin Wellmann wollte in Begleitung von Hamburg aus nach Toulouse fliegen: „Normalerweise fahren wir mit dem Auto zum Flughafen. Dem Flugticket lag aber ein Bahnticket bei. Da dachten wir, mit dem Zug wirds ein entspannter Start in den Urlaub. Am Abend vorher rief ich bei einem Taxi-Unternehmen an, wollte für 5 Uhr vorbestellen. Beim ersten Unternehmen hieß es, es würde für die Zeit vor 5.30 Uhr keine Vorbestellungen annehmen. Auch zwei andere Unternehmen lehnten ab. Am nächsten Morgen versuchte ich es gegen 4.20 Uhr noch einmal, da hieß es: ,Wir schicken einen Wagen.“ Sie hatte Glück, ihre Freundin nicht, die am Donnerstag mit der Bahn nach Regensburg fuhr. Katrin Wellmann erzählt: „Auch sie rief am Vorabend bei drei Unternehmen an, Vorbestellungen wurden abgelehnt.“ Die Freundin hatte aber den Tipp von Katrin Wellmann, es am nächsten Morgen noch einmal zu versuchen: „Das tat sie, es hieß aber: ,Wir haben keinen Wagen. Meine Freundin wohnt Am Springintgut, musste zu Fuß mit Koffern und wehenden Fahnen zum Bahnhof laufen.“ Den Zug hat sie gerade noch erwischt.

Keine Autos mehr zur Verfügung

Bernd Lehrmann, Geschäftsführer der Taxen-Zentrale Lüneburg, die Fahrten an Taxi-Unternehmer vermittelt, sagt zu den Fällen: „Wir können zu der Zeit nicht garantieren, termingerecht zu fahren. Haben wir bereits Vorbestellungen und sind unsere Kapazitäten erreicht, müssen wir ablehnen. Sagen wir zu und können unseren Service nicht leisten, weil Wagen noch auf anderen Touren sind, haben beide Seiten ein Problem.“ Sein Tipp: „Es kurzfristig zu versuchen, vielleicht ist eine Fahrt ausgefallen und ein Wagen frei geworden.“

Christian Fallapp, Inhaber von Taxi-Gellersen, setzt nachts wie die anderen Unternehmen auch weniger Fahrer ein: „Der Mindestlohn zwingt uns dazu, nachts nur mit wenig Personal zu fahren. Wenn schon diverse Vorbestellungen da sind, haben wir keine Autos mehr zur Verfügung. Wir fahren mit zwei Wagen die Nacht durch.“ Er nennt ein Beispiel für einen Freitag: „Da hatten wir schon Vorbestellungen für die Zeit zwischen 4 und 5 Uhr eine für 4.15 Uhr, eine für 4.55 Uhr und die dritte für 5 Uhr da waren also schon zeitgleich die beiden Wagen geblockt.“ Sein Tipp: rechtzeitig vorbestellen, wer zuerst komme, fahre zuerst.

Auch Taxi-Röhlig-Chef Bernd Röhlig kennt das Problem: „Wir haben um 5 Uhr nur einen Wagen draußen, die anderen Fahrer fangen erst nach 5 Uhr an. Wir nehmen in der Regel keine Vorbestellungen bis 5.30 Uhr an, aber es gibt die Chance, kurzfristig anzurufen. Dann können wir sagen, dass es klappt oder der Wagen beispielsweise gerade in Adendorf ist und es ein wenig später klappen würde.“ Vorbestellungen würden abgelehnt, weil nicht abzuschätzen sei, wo der Wagen zur gewünschten Zeit gerade sei, ob eine Tour länger dauere: „Wir finden das ehrlicher, alles andere wäre nicht kundenfreundlich.“

Von Rainer Schubert

4 Kommentare

  1. Ich kann es ja verstehen, dass in der Woche zu dieser Zeit wenig Betrieb ist und daher wenig Taxen eingesetzt werden, allerdings sollte man überlegen, ob man am Wochenende, die Zahl der Taxen nicht etwas erhöht. Gerda zu der kommenden etwas kälteren Jahreszeit ist es nicht so toll, morgens um 05:00 Uhr aus dem Vamos zu Fuss nach Hause zu laufen, nur weil keine Taxen verfügbar sind.

  2. Unternehmen sind heute offensichtlich zu fett, zu träge, zu reich um Geld verdienen zu wollen.Servicewüste Deutschland!

    • Wolfgang , sie haben bei ihrer aufzählung geizig vergessen. arbeit für hungerlöhne ist nicht sehr verlockend. akademiker spüren das im taxi, schmunzel.

  3. Warum hat man sich damals noch mal über Uber aufgeregt? Ach ja, es ging um Wettbewerbsverzerrung. In Lüneburg gibt es anscheinend nicht mal einen Wettbewerb, den man verzerren könnte. Traurig.