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Zu viel Milch auf dem Markt, das gilt als Hauptursache für den Verfall der Milchpreise. Nun erhalten Bauern einen finanziellen Ausgleich, wenn sie weniger Milch erzeugen. Ob das die Lösung ist, ist unter Landwirten umstritten. Foto: phs
Zu viel Milch auf dem Markt, das gilt als Hauptursache für den Verfall der Milchpreise. Nun erhalten Bauern einen finanziellen Ausgleich, wenn sie weniger Milch erzeugen. Ob das die Lösung ist, ist unter Landwirten umstritten. Foto: phs

Weniger Milch für höhere Preise

Wendewisch. In dunklem Grau ziehen die Wolken über den kleinen Landwirtschaftsbetrieb von Familie Schulte in Wendewisch. Im Kuhstall, zwischen den Heuballen, ist es da schon gemütlicher. Bis zu 15 Kühe werden hier täglich gemolken. Es sind weniger geworden, seit Uwe Schulte mit seinem Betrieb an einem EU-Programm zur Verringerung der Milch­erzeugnisse teilnimmt.

14 Cent bekommt der Landwirt für jedes Kilogramm Milch, das er zwischen Oktober und Dezember 2016 weniger auf den Markt bringt als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Schulte ist einer von mehr als 2000 Landwirten in Niedersachsen und Bremen sowie knapp 10000 Milchbetrieben bundesweit, die an dem EU-Hilfsprogramm teilnehmen. Durch das geringere Angebot erhoffen sich Politik und Milchbauern in ganz Europa einen Anstieg des Preises für ihre Produkte. Insgesamt stellt die EU mit dem Hilfspaket 150 Millionen Euro für die Verringerung der Milcherzeugung bereit.

Nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung

„Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als gar nichts“, sagt Uwe Schulte. Um etwa die Hälfte hat er die Milchproduktion seit Oktober zurückgefahren. Er habe sowieso darüber nachgedacht, die Anzahl seiner Kühe zu verringern, zu klein sei der finanzielle Gewinn inzwischen. „Du machst ja immer Verlust und musst dein Geld irgendwie reinkriegen. Also verkaufst du Kühe“, erklärt er.

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„Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als gar nichts.“
Uwe Schulte, Milchbauer aus Wendewisch

Das neue EU-Hilfsprogramm ist für Schulte aber nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Er habe mehr erwartet von der Politik, sagt er. Zum Beispiel finanzielle Unterstützung für Landwirte, die darüber nachdenken, komplett aus dem Milchviehbetrieb auszusteigen. „Wenn Betriebe aufhören, würde der Druck vom Markt genommen“, vermutet er. Doch die Lage sei insgesamt schwierig, eingefahren. Schulte hält es für wichtig, ehrliche Diskussionen miteinander zu führen. Über die eigenen Fehler, zum Beispiel im Bezug auf die Abschaffung der Milchquote, und darüber, wie teuer Landwirtschaft überhaupt ist, sagt er.

Auf der Suche nach Lösungen

Auf der anderen Elbseite, im 50 Kilometer entfernten Herrenhof in der Gemeinde Amt Neuhaus, sucht Hauke Hanstedt ebenfalls nach Problemlösungen für den unrentablen Milchmarkt. Der 42-Jährige führt einen Milchviehbetrieb mit 170 Tieren. Auch er hat überlegt, sich am EU-Hilfsprogramm zu beteiligen und entschied sich dagegen. „Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass der finanzielle Ausgleich aus wirtschaftlicher Sicht nicht ausreicht“, sagt Hanstedt. Zwar könne man die Milchproduktion sehr kurzfristig reduzieren, indem man beispielsweise die Herde abstockt oder Kraftfutter einspart, die Milchleistung nach drei Monaten aber wieder auf den alten Stand zu bringen, gestalte sich viel schwieriger. „Sollte es dann wieder bergauf gehen, sind die Kühe nicht mehr da. Das ist eine kurzfristige Denke“, bemängelt Hanstedt, der bezweifelt, dass die Milchmenge allein einen Wandel des Milchpreises bewirken kann.

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„Der finanzielle Ausgleich reicht aus wirtschaftlicher Sicht nicht aus.“
Hauke Hanstedt, Milchbauer aus Herrenhof

Aus seiner Sicht ist das Hilfspaket nur für Betriebe interessant, die ihre Produktion ganz einstellen wollen: „Dann kann es eine sanfte Möglichkeit sein, aus der Produktion auszusteigen“. Für alle anderen Milchbauern bestehe die Möglichkeit der Mengenreduzierungen dagegen kaum, zu hoch seien die laufenden Kosten, die weiterhin getragen werden müssen.

Mit einem Eimer voller Äpfel macht Uwe Schulte sich auf den Weg zur Weide, auf der sieben seiner Kühe derzeit trockengestellt sind. In schlechten Zeiten solle man investieren, um in guten Zeiten Gewinne zu erzielen, habe man ihn damals gelehrt. „Aber die schlechten Zeiten werden ja immer länger“, sagt er. Die Milchkühe, der Ackerbau, die Bullenzucht für den 49-Jährigen lohnt sich all das nur noch als Nebenerwerb. Stets nur auf Wachstum zu setzen, dem kann Uwe Schulte nichts abgewinnen. „Wo soll das hinführen? Der Kampf wird immer stärker und irgendwer fällt hinten runter“. Ein paar Jahre müsse der Betrieb noch laufen, sagt er, aber seinen Kindern, wolle er den harten Kampf als Milchbauer nicht mehr zumuten.

2 Kommentare

  1. Alexander Tesmer

    Vielleicht beginnt der Mensch ja langsam mal darüber nachzudenken, dass es vollkommen schräg ist, die Muttermilch von Kälbern, die ihren Müttern entrissen werden, zu trinken. Von der Qualhaltung der Tiere mal ganz abgesehen …

    • @Alexander
      Das ist wohl Wunschdenken. Solange das Bier schmeckt und der Fussballverein gewinnt, schmeckt das Fleisch vom Grill eben allen.
      Die Qual der Tiere? Völlig egal. Gestzgeber und schärfere Gesetze nebst scharfen Kontrollen( wie beim Blitzen) und ebenso nachhaltiger und strenger Kontrolle der Strafen? Fehlanzeige.
      Die Gehälter und Pensionen der Herrschaften reichen locker zum Einkauf im Bioladen oder Biobauern. Man will sich schliesslich nicht mit Antibiotika ,Medikamenten und Wachstumshormonen belasten;das überlässt man dem „einfachen Volk“, Wutbürger, Pöbel und Mob.