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Hauptkommissarin Eleonore Tatge aus Lüneburg und der Psychologe Frank Löhr erklären, wie Stalking entsteht und wie sich Opfer dagegen wehren können. Foto: t&w
Hauptkommissarin Eleonore Tatge aus Lüneburg und der Psychologe Frank Löhr erklären, wie Stalking entsteht und wie sich Opfer dagegen wehren können. Foto: t&w

Stalking: Wenn aus Liebe ein Albtraum wird

Lüneburg. Rund 100 Anzeigen wegen Stalkings nimmt die Lüneburger Polizei jedes Jahr durchschnittlich auf. Viermal so häufig wie Frauen werden Männer zum Täter: Sie überschütten die ehemalige Partnerin mit Anrufen, Mails, schicken Blumen und Pralinen, lauern den Opfern auf und gehen hinterher, im schlimmsten Fall wenden sie Gewalt an. Furchtbar für die Betroffenen. Doch der Täter erlebt es anders: Jede Reaktion der ehemaligen Freundin empfindet er als Bestätigung, dass die Verflossene ihn doch noch liebt, es die Chance auf einen Neuanfang gibt. Hauptkommissarin Eleonore Tatge und der Psychologe Frank Löhr, Mitarbeiter der Psychiatrischen Klinik, blickten bei einem Informationsabend von zwei Seiten auf das Thema.
Nicht jeder Stalker
29ist psychisch krank
Löhr arbeitet in der Forensik, ist also zuständig für psychisch kranke Straftäter, die in einem Sicherheitstrakt am Wienebüttler Weg untergebracht sind. Er sagt aber klar: „Nicht jeder Stalker ist psychisch krank.“ Es gebe Menschen, die im normalen Umfeld als netter Kollege und Nachbar durchgehen, aber im Punkt einer ehemaligen Partnerschaft in einer verdrehten Wahrnehmung leben. Die könne dramatische Folgen haben: „Schwere Gewalttaten.“
Mit einem Film und Beispielen zeigten die Referenten, wie aus dem Ende einer Partnerschaft ein Albtraum wird. Der Täter will seine nicht endende Liebe zeigen, obwohl ihm seine ehemalige Freundin mehrfach sagt, dass sie keinen Kontakt mehr will. Für ihn wird daraus: „Sie reagiert, ich bin ihr nicht egal.“ Und er macht weiter nach der Devise: „Aus meiner Ohnmacht wird nun Macht.“ Er ruft sie bei der Arbeit an, mischt sich in ihre neue Beziehung ein. Die Frau bekommt Probleme mit ihrem Chef, weil sie sich nicht auf ihren Job konzentrieren kann, ihr Freund wird misstrauisch ist da ein anderer?
Der Rat von Polizistin und Therapeuten war derselbe: Überhaupt nicht auf den Ex reagieren, keine Telefonate, keine Treffen, um etwas zu klären. Und sich an die Polizei wenden. „Jede Form des Eingehens auf ihn, heizt den Täter an“, weiß Löhr. Mancher lasse sich abschrecken, wenn die Polizei zum Gespräch kommt und merke, dass ein Handeln nicht in Ordnung ist.
In hartnäckigen Fällen fruchtet das aber nicht. „Der Täter hat ein eigenes Rechtfertigungssystem, um weiterzumachen“, erklärt Löhr. Und deshalb ist auch kein Leidensdruck da, um sich Hilfe zu holen.“ Er betonte: „Es gibt nicht den Tätertyp.“ Doch es gebe einige Faktoren, die eine Rolle spielen. Die kennt auch Hauptkommissarin Tatge, die Opfer berät: Täter können schlecht mit Kränkungen umgehen, sie haben wenig soziale Kompetenz, versuchen schon innerhalb einer Beziehung ein hohes Maß an Kontrolle über den Partner zu gewinnen. Oftmals ist genau das der Grund der Trennung.
Richterliche Anordnung verbietet Kontaktaufnahme
Der Gang zur Polizei kann helfen. Über eine Anzeige kann ein Verfahren in Gang kommen, das Amtsgericht kann dann eine Anordnung erlassen, nach der jegliche Kontaktaufnahme verboten ist, ein Abstand zum Opfer eingehalten werden muss. Leistet der Ex-Partner dem nicht Folge und steht immer wieder bei der Ehemaligen vor der Tür, kann die Polizei ihn in Gewahrsam nehmen.
Wer Hilfe braucht, kann sich an die Polizei wenden. Das Präventionsteam ist zu erreichen unter: % (04131)83062306. ca