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Banden stehlen mehr Autos — SUVs bevorzugt

Hannover/Lüneburg. In Niedersachsen ist die Zahl der Autodiebstähle im vergangenen Jahr um fast 18 Prozent gestiegen. In keinem anderen Bundesland gab es eine derart hohe Zunahme, teilt eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Insgesamt seien in Niedersachsen 1795 versicherte Autos entwendet worden, im Jahr zuvor waren es noch 1526. „Bundesweit verschwanden fast 19000 Autos, das waren etwa 4 Prozent mehr als im Vorjahr“, sagte GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch. „Ungefähr alle dreißig Minuten wird in Deutschland ein Auto entwendet.“ Auch im Kreis Lüneburg gab es einen leichten Anstieg.

Zahlen der Polizeidirektion Lüneburg rückläufig

Die Ermittler vom Kommissariat Bandenkriminalität in Lüneburg berichten, dass die Zahlen zwar in Hannover und Braunschweig geklettert sind, im Bereich der gesamten Polizeidirektion Lüneburg, zu der acht Landkreise gehören, aber leicht rückläufig waren. Braunschweig und Hannover seien für die Täter deshalb attraktiv, da sie an der A2 und damit an einer Transitroute in Richtung Osteuropa liegen.

Stefan Budde von der Zentralen Kriminalinspektion, die sich um organisierte Kriminalität kümmert, sagt, dass es die Täter vor allem auf SUV-Modelle, also Geländewagen, abgesehen haben. An den organisierten Taten seien vor allem polnische Banden beteiligt, ihr Anteil mache rund 25 Prozent aus. Wegfahrsperren würden die Diebe mit bestimmter Software überwinden: „Die kann man im Darknet kaufen.“ Dem kriminellen, verschleierten Raum im Netz. Die Beamten wissen aus ihren Verfahren, dass die Gruppen arbeitsteilig vorgehen: „Es gibt welche, die baldowern die Fahrzeuge aus, andere übernehmen den Transport, wieder andere die Verwertung.“

Indirekte Hinweise notwendig

Die Spezialisten der Polizei übernehmen Fälle, wenn sie den Eindruck haben, dass eine Bande am Werk ist. Dabei sind sie auf indirekte Hinweise angewiesen, denn die Wagen sind ja in der Regel verschwunden. Also schauen sie darauf, wie die Täter vorgehen, um dann Serien zu rekonstruieren und Ansatzpunkte für Ermittlungen zu finden. „Die Entwicklung lässt auf einen Verdrängungseffekt aufgrund des gestiegenen polizeilichen Kontrolldrucks zur Bekämpfung der Kfz-Kriminalität in den ostdeutschen Ländern schließen“, heißt es im Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2015 des Bundeskriminalamtes (BKA). „Im Gegensatz dazu sind in den im Landesinneren gelegenen und, gemessen an der Belastungszahl, geringer belasteten Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Fallzahlen gestiegen.“

Absatzmärkte der organisierten Kfz-Kriminalität sind laut BKA vor allem Osteuropa sowie der Nahe und Mittlere Osten. Auch nach Westafrika werden Fahrzeuge verschoben. Erkenntnisse der Polizei wiesen darauf hin, dass Tätergruppierungen zunehmend im gesamten Bundesgebiet sowie auch in anderen europäischen Staaten tätig werden.
Während es in der Polizeidirektion ein leichtes Minus beim Autoklau gab, war die Entwicklung in Stadt und Kreis anders, berichtet der Lüneburger Polizeisprecher Kai Richter: „Wir hatten im Vergleich zum Vorjahr in 2015 ein Plus um fünf von 51 auf 56 Taten. Das dürfte sich in diesem Jahr wohl in etwa fortsetzen.“ dpa/ca