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Hier soll es entstehen, das Dorf Hitzacker. Ein integratives Genossenschaftsprojekt, in dem Einheimische, Migranten, Alte, Junge und alle anderen Menschen gemeinsam leben und arbeiten. Foto: rg
Hier soll es entstehen, das Dorf Hitzacker. Ein integratives Genossenschaftsprojekt, in dem Einheimische, Migranten, Alte, Junge und alle anderen Menschen gemeinsam leben und arbeiten. Foto: rg

Interkulturelles Generationendorf in Hitzacker geplant

Hitzacker. Es klingt nach einer schönen Utopie: Ein Dorf, nachhaltig und selbst gebaut von den Bewohnern, genossenschaftlich organisiert, Heimat und Arbeitsplatz für Menschen jeden Alters aus der ganzen Welt. Und in der Tat: Noch ist es eine Utopie. Aber wohl nicht mehr lang. Das „Dorf Hitzacker“ nimmt nämlich Form an. Schon mehr als 60 künftige Bewohner haben Anteile gezeichnet und damit Geld eingezahlt, weitere 150 Menschen hätten Interesse bekundet, informierte jetzt Jürgen Wedler die Mitglieder des Hitzackeraner Stadtrates über den Stand der Dinge.
Nun hat die Stadt Hitzacker beschlossen, der Genossenschaft ein rund 1800 Quadratmeter großes städtisches Grundstück zur Realisierung ihres Projektes zu überlassen, für insgesamt knapp 18000 Euro. Ein Schnäppchen. Damit hat es sich jedoch auch vorerst mit der Förderung durch die Stadt: Ein Antrag der Genossenschaft, die Stadt möge die Kosten für die Bauleitplanung übernehmen, fiel durch.

Auf rund 25000 Euro schätzt die Verwaltung die Kosten die entstehen werden, wenn der dort, im Baugebiet Hitzacker Süd und im Gewerbegebiet Am Räsenberg, geltende Bebauungsplan geändert werden soll was passieren müsste, wenn das Projekt dort realisiert werden soll. Das Dorf Hitzacker wäre eine Mischung aus Wohn- und Gewerbefläche, denn dort sollen nicht nur Menschen leben, sondern auch arbeiten. Mit gut 15 Arbeitsplätzen allein bei der Herstellung der Module, aus denen die Häuser des Dorfes Hitzacker gebaut werden sollen, rechnen die Initiatoren, weitere sollen im Dorf selbst in Handwerksbetrieben und im Handel entstehen. Die Genossenschaft selbst rechnet mit 16000 Euro Kosten durch die Bebauungsplanänderung. Aber ganz egal, wie hoch die Kosten sein werden: Tragen müssen sie die „Dorf Hitzacker“-Genossen.

Kritik an dem Grundstücksverkauf durch die Stadt relativierte Elbtalaues Bauamtsleiter Jens Hesebeck. Die Stadt halte das Grundstück seit mehr als 15 Jahren, bislang habe es keinen einzigen Interessenten gegeben, und zudem sei das Grundstück nicht erschlossen. Zudem habe man anderenorts Grundstücke zu niedrigeren Preisen verkauft, etwa zuletzt in Meudelfitz.
Ein Risiko gehe die Stadt mit dem Verkauf nicht ein, versicherte Wedler und versprach: 2017 werden die ersten Bewohner einziehen. Es seien schon Kaufverträge geschlossen worden natürlich unter dem Vorbehalt, dass das Projekt zustande komme und so sei nicht zu befürchten, dass das „Dorf Hitzacker“ das gleiche Schicksal erleide wie eine in Harlingen bei Hitzacker geplante Kommune. Der dafür vorgesehene Baugrund liegt nämlich heute noch größtenteils brach.

Die Arbeitsplätze sollen im übrigen nach Fertigstellung des Dorfes weiter erhalten bleiben, so Jürgen Wedler. Das Konzept des sich selbst bauenden, inte­grativen Dorfes soll von Hitz­acker aus seinen Siegeszug in die Welt antreten. Als Antwort auf die Fragen, die derzeit die massiven Fluchtbewegungen überall auf der Welt aufwerfen. Es sollen weitere Dörfer entstehen, von und mit Flüchtlingen und Migranten und von Hitzacker aus würde man bei der Planung und dem Umsetzen solcher Projekte helfen. Eine weitere Utopie? Vielleicht. Aber eine, die mit beiden Beinen auf Hitzackeraner Grund steht.

Von Rouven Groß