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Sozialpädagogin Tanja Geilert berät seit mehr als 16 Jahren in Lüneburg zugewanderte Erwachsene, doch mit der stark gestiegenen Flüchtlingszahl, ist es nicht mehr möglich, alle Anfragen zu bewältigen. Foto: t&w
Sozialpädagogin Tanja Geilert berät seit mehr als 16 Jahren in Lüneburg zugewanderte Erwachsene, doch mit der stark gestiegenen Flüchtlingszahl, ist es nicht mehr möglich, alle Anfragen zu bewältigen. Foto: t&w

Mehr Fachpersonal für Betreuung von Flüchtlingen

Lüneburg. Mehr Geld für die Flüchtlingsbetreuung wünschen sich nicht nur die Kommunen im Landkreis Lüneburg, auch die Beratungsstellen bei Diakonie und Arbeiterwohlfahrt (Awo) schlagen Alarm. Zwar ist ihr Antrag auf eine Aufstockung der Mittel für Flüchtlingssozialarbeit vom Land Niedersachsen gerade erst bewilligt worden, „trotzdem sind vier halbe Stellen zur Betreuung von zehn Samtgemeinden nach wie vor deutlich zu wenig“, sagt Sozialpädagogin Tanja Geilert. Ihre Forderung an Bund und Land: Schluss mit der Feuerwehrpolitik. „Was wir brauchen, damit die Integration der Menschen gelingen kann, ist professionelle Beratung.“ Und um die zu gewährleisten, „braucht es dringend mehr Fachpersonal“.

Beratungsbedarf nicht mehr zu bewältigen

2014 ist als Reaktion auf die steigenden Flüchtlingszahlen im Landkreis bei Awo und Diakonie je eine halbe Stelle für Flüchtlingssozialarbeit entstanden, die nun um zwei weitere halbe Stellen aufgestockt wurden. Die Kosten dafür tragen das Land (90 Prozent) und der Landkreis Lüneburg (10 Prozent), Hauptaufgabe der Flüchtlingssozialarbeit: „Mit zwei halben Stellen kümmern wir uns um die Fachberatung der haupt- und ehrenamtlichen Kollegen in den Kommunen, mit zwei weiteren halben Stellen um die direkte Beratung von Flüchtlingen“, erklärt Geilert.
Zusätzlich arbeitet sie mit einer weiteren halben Stelle in der Awo-Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, finanziert über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). In beiden Bereichen steht Geilert vor dem gleichen Problem: „Es ist nicht mehr möglich, alle Anfragen zu bewältigen.“
Mit vier Halbtagsstellen kaum zu bewältigen ist zudem der Beratungsbedarf der Flüchtlinge und Betreuer in den Dörfern des Landkreises Lüneburg. „Dabei brauchen gerade die vielen Ehrenamtlichen professionelle und verlässliche Ansprechpartner“, sagt Geilert.

Vielzahl an Angeboten kaum zu bewältigen

Ähnlich prekär ist die Situation im Jugendmigrationsdienst der Awo. Finanziert werden die zweieinhalb Stellen dort vom Bundesfamilienministerium. „Und obwohl sich die Zahl der Flüchtlinge deutlich erhöht hat, ist unsere personelle Ausstattung gleich geblieben“, sagt Sozialpädagogin Ria Salig. Zwar entstehen seit einiger Zeit immer neue, aber in der Regel befristete Projekte für Flüchtlinge. „Nur leider ist die Vielzahl an Angeboten und Anlaufstellen für die Betroffenen und die Helfer kaum noch zu durchschauen.“ Was Geilert und Salig beide seit fast 20 Jahren in der Migrationsberatung tätig sich wünschen, ist ein bedarfsgerechter Ausbau der erfahrenen Dienste. „Nur so können wir die Kontinuität bieten, die es im Inte-grationsprozess braucht, und als Ansprechpartner für Zugewanderte Hand in Hand arbeiten mit Projekten, Ehrenamtlichen und Kollegen anderer Institutionen.“
Sie und ihre Kolleginnen hoffen, dass Politik endlich erkennt, „dass wir alle vor einer riesigen Aufgabe stehen, die wir nur bewältigen können, wenn wir auch Geld in die Hand nehmen“.

Von Anna Sprockhoff

Das sagt das Land

Auch dem Land Niedersachsen sind die Probleme in der Flüchtlings- und Migrationsberatung offenbar bewusst, eine entsprechende Erhöhung der Mittel ist geplant. Konkret sollen laut Sozialministeriums-Sprecher Dominik Kimyon die Haushaltsmittel für die Flüchtlings- und Migrationsberatung für die Haushaltsjahre 2017/2018 um 3,5 Millionen Euro auf dann 9,83 Millionen Euro aufgestockt werden – „vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags“.

Schon in den vergangenen Jahren hat das Land seine Finanzmittel für die Beratungsstellen des Landes – sie ergänzen die Beratung des Bundes (Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer/MBE) und Jugendmigrationsdienste (JMD) – nach eigenen Angaben „massiv erhöht“: Von zwei Millionen Euro 2014 auf sechs Millionen Euro 2015 auf aktuell rund 6,3 Millionen Euro. „Zusätzlich wurden Mittel für Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen der Beraterinnen und Berater in Höhe von bis zu 850 000 Euro zur Verfügung gestellt.“ Niedersachsenweit werden derzeit rund 200 Vollzeitberatungsstellen finanziert. „Das Land hat auf den gestiegenen Beratungsbedarf reagiert und die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt.“