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60 Kunden warten darauf, im Postbank-Finanzcenter an der Sülztorstraße bedient zu werden. Rund zwei Stunden muss jeder einzelne warten, bis er an der Reihe ist. In der Filiale sind nur zwei Schalter besetzt. Foto: ap
60 Kunden warten darauf, im Postbank-Finanzcenter an der Sülztorstraße bedient zu werden. Rund zwei Stunden muss jeder einzelne warten, bis er an der Reihe ist. In der Filiale sind nur zwei Schalter besetzt. Foto: ap

Kunden sauer auf die Post

Lüneburg. Die Schlange reicht bis zur Straße. Rund 60 Personen tummeln sich am Donnerstag vor der Post an der Sülztorstraße. In der Filiale herrscht Gedränge, jeder möchte der nächste am Schalter sein. Manch ein Kunde will ein Paket losschicken, der Großteil möchte jedoch eine Benachrichtigung, die im Briefkasten lag, gegen die eigentliche Sendung eintauschen. Im Gebäude versuchen zwei Postbank-Mitarbeiter den Ansturm zu bewältigen. Viele Kunden sind verärgert, denn die Post hatte am Mittwoch gar nicht, am Donnerstag erst am Nachmittag geöffnet. Und auch zuvor gab es zuletzt offenbar mehrfach Probleme.

„Die Situation in unserer Filiale in Lüneburg ist aktuell sehr angespannt.“
Iris Laduch-Reichelt (Sprecherin Postbank) 

foto:Michael Behns Deutsche Post Hauptpost Sülztorstraße bleibt geschlossen
Kunden lesen an den verschlossenen Türen, dass die Postbank-Filiale an der Sülztorstraße geschlossen bleibt. Foto: be

Ein Postmitarbeiter sagt zu den Wartenden: „Es gibt auch andere Poststellen in Lüneburg. Sie müssen ihre Pakete nicht hier losschicken.“ Sein Hinweis wird ignoriert. Niemand will seinen Platz in der Schlange aufgeben. Mohamed Abbas kann auch nicht ausweichen. Er muss seine Ware in dieser Filiale abholen. Ohne Ware kein Geschäft. Knapp zwei Stunden steht der 36-Jährige in der Schlange. Seinen Nachmittag wollte er so eigentlich nicht verbringen. Dies sei schon sein dritter Anlauf, nachdem die Filiale zuvor ja geschlossen war. „Einer der Mitarbeiter hat mir erzählt, dass Kollegen in dieser Filiale seit November letzten Jahres krank seien. Dazu kämen jetzt noch neue Krankmeldungen.“

Ähnliches berichtet Jens Köster, einer von vielen Lesern, der sich aufgrund des eingeschränkten Post-Betriebs bei der LZ gemeldet hat. An einem Morgen habe er eine Mitarbeiterin getroffen. Sie habe die Filiale an der Sülztorstraße allerdings nicht auf-, sondern zugeschlossen. „Sie erzählte mir, dass sich drei Kollegen krank gemeldet hätten, sie allein nicht aufmachen dürfe.“ Auch bei den anderen fünf Versuchen in den vergangenen acht Wochen seien die Türen verschlossen gewesen. Zuletzt habe der Bad Bevensener nach einem Arzttermin in Lüneburg ein Einschreiben verschicken wollen ohne Erfolg. „Das ist nicht kundenfreundlich“, moniert er. Bei einem der Fehlversuche habe er eine verzweifelte ältere Dame mit einem Rollator angetroffen. „Sie hat den Weg auf sich genommen, um ein Paket zum Geburtstag ihrer Tochter zu verschicken.“ Köster nahm es kurzerhand an sich, brachte es in Bad Bevensen zur Post. „So oder so, in Lüneburg muss etwas passieren“, sagt er.

Mohamed Abbas (36) steht sich vor der Post in der Sülztorstraße die Beine in den Bauch. Ganze zwei Stunden wartet er, bis er in der Schlange der erste ist.
Mohamed Abbas (36) steht sich vor der Post in der Sülztorstraße die Beine in den Bauch. Ganze zwei Stunden wartet er, bis er in der Schlange der erste ist. Foto: ap

Auf LZ-Nachfrage begründet auch die Postbank die Schließungen und Sonderöffnungszeiten mit Personalausfällen. „Die Situation in unserer Filiale in Lüneburg ist aktuell sehr angespannt“, sagt Pressesprecherin Iris Laduch-Reichelt. Deshalb habe man nicht regulär öffnen können. Außerdem gelte in den Finanzcentern das Vier-Augen-Prinzip. „Das bedeutet, dass immer mindestens zwei Mitarbeiter anwesend sein müssen, um eine Filiale öffnen zu können.“

Derzeit sei die Personalplanung „mit allen Möglichkeiten“ dabei, die Engpässe aufzufangen. „Dazu gehört unter anderem der Einsatz von Vertretern aus anderen Filialen“, sagt die Sprecherin. Aller Bemühungen zum Trotz habe man die Filiale am Mittwoch ganztägig schließen müssen. Gestern und heute sei das Finanzcenter nur von 13.30 bis 18 Uhr geöffnet. „Am Sonnabend bleibt es geschlossen.“ Eine Prognose für die nächste Woche kann Iris Laduch-Reichelt noch nicht abgeben. „Es ist fraglich, ob und wann die erkrankten Mitarbeiter zurückkehren.“ Kunden, die gelagerte Sendungen abholen möchten, versucht die Sprecherin zu beruhigen. „Ist die Filiale ausnahmsweise ganztägig geschlossen, verlängert sich die Aufbewahrungsfrist selbstverständlich um diese Zeit.“
Kritik ist auch bei der Deutschen Post angekommen. Für das Personal sei allerdings die Postbank zuständig, erklärt deren Sprecher Jens-Uwe Hogardt. Das sei in einem Kooperationsvertrag festgehalten. Man befinde sich aber in Gesprächen, um die „Unwägbarkeiten in Lüneburg zu beseitigen“.

Automat defekt

Beschwerden wurden der LZ auch über ihre Facebook-Seite zugetragen. Eine Kundin berichtet, dass auch der Briefmarkenautomat vor der Filiale an der Sülztorstraße defekt sei. Man könne seinen Brief nun nicht in der Poststation und auch nicht vor der Tür frankieren.

Der defekte Automat sei der Deutschen Post schon bekannt, sagt Sprecher Jens-Uwe Hogardt. Seine Antwort: „Dieser ist gelegentlich defekt, wird aber immer im Zeitraum von wenigen Tagen instandgesetzt.“

6 Kommentare

  1. Mitarbeiter einstellen !? NEIN !! Hauptsache die Aktionäre sind zufrieden …… oder etwa nicht !?

  2. Fragen Sie doch den Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt mal nach dem aktuellen Krankenstand in der Brief- und Paketzustellung in Lüneburg.

  3. Liebe Lüneburger,
    ich möchte unsere Kollegen der DPAG nicht kritisieren, die Lüneburger Einwohnen können nur froh sein, dass Sie immerhin eine Alternative zur DPAG haben. Das ist nicht überall so. Übrigens, die Filiale an der Sülztorstr. ist auch nur ein Dienstleister der Post, es ist die Postbank! Nur die Postbank gehört, was viele sicherlich vergessen haben, nicht mehr der Post !

    Wünsche allen Lüneburgern eine schöne Zeit, und bitte nicht über die Post ärgern, nutzt nichts…:)

    Der Lünebote GmbH J. Vasicek

  4. Das kommt dabei raus wenn man Infrastruktur privatisiert. Die Post hätte nie zerschlagen werden dürfen.

  5. Um ein Paket aufzugeben, muss man tatsächlich nicht zur Hauptpost – da gibt es genug Alternativen.

    Wenn man aber 2h warten muss, um ein dort gelagertes Paket abzuholen, ist das ein Unding. (Was, wenn nah 1h die Blase drückt …?)

    Hier sollte die Post schleunigst reagieren. Verträge und Zuständigkeiten hin oder her. Gleiches gilt auch in der Zustellung. Dass das nun offenbar ein Dauerthema ist, spricht für sich.

  6. Das ist KEIN Lüneburger Problem. Das ist ein Streik der Mitarbeiter der als Krankheitswelle getarnt ist.

    Brühl 50321 – Fr. 14.10, Sa. 15.10, Mo.17.10 – Handgefertigter Aushang Wg. Krankheit geschlossen.
    Gedruckter Aushang: am 18.10.2016 wg. Personal Versammlung geschlossen.

    Hürth, Wesseling, dasselbe + ältere Fälle aus Heidelberg und und und…

    Hotlein wimmelt nur ab: Wir sind nicht zuständig. Uns liegen keine Informationen über Filialen vor. Mein Vorgesetzter ist nicht da. Er würde Ihnen keine andere Informationen geben können.

    Ein tolles System hat sich der Frank Appel da aufgebaut.
    Tolle Leistung die natürlich auch toll bezahlt werden muss:

    Zeitungen wie die Welt geben ein Grundgehalt von 3,1 Millionen Euro jährlich an, das ihm in jedem Fall zusteht. Abhängig von den betrieblichen Erfolgen wird eine Sondervergütung gezahlt, die ihm beispielsweise für das Jahr 2014 insgesamt 3,5 Millionen Euro bescherte. In erfolgreicheren Jahren sind deutlich höhere Verdienste möglich, beispielsweise gab die BZ für das abgelaufene Jahr 5,2 Millionen Euro an.

    https://gehaltsreporter.de/promi_gehaelter/frank-appel.html

    Das kommt dabei raus wenn man Infrastruktur privatisiert. Die Post hätte nie zerschlagen werden dürfen.